Die europäische Finanzkrise als Resultat einer verfaulten Wurzel der De-Regulierung

Kürzlich bin ich auf einen Text getroffen, der die aktuelle Finanzkrise in ihrer politischen und ökonomischen Dimension erstaunlich auf den Punkt bringt.
Hier der Text.

Aufhänger des Textes ist die Verleihung des Karlspreises an den scheidenen EZB-Bankchef Trichet.

Die Ehrung des EZB-Präsidenten ist unmittelbar nicht selbstverständlich. Der Karlspreis wird aus einem politischen Grund verliehen: weil sich eine Person um die Einigung Europas verdient gemacht hat. Ein Zentralbank-Präsident gilt aber als unpolitischer Beamter; darum wird der Präsident der Deutschen Bundesbank vom Bundespräsidenten ernannt. Eine Währung gilt ebenso, nach den Volkswirtschafts-Lehrbüchern, als unpolitisch: als „Zahlungsmittel, Rechnungseinheit und Wertaufbewahrungsmittel“ Wird also der EZB-Präsident mit dem Karlspreis geehrt, so wird die EZB, so wird der Euro politisch bewertet: als Institution der europäischen Integration, der Identität der Europäischen Union.

Diese Vorstellung des Geldes als unpolitisches Zahlungsmittel scheint sich überholt zu haben. Währungen, Währungsspekulationen, das ökonomische Konstrukt ist nicht mehr autark von Politik zu betrachten. Die Volkswirtschaft ist zum bestimmenden Faktor von staatlicher und gesellschaftlicher Politik geworden. So zitiert Stapelfeldt die Bundeskanzlerin „Geld ist keine Sache, sondern die Vergegenständlichung eines gesellschaftlichen Verhältnisses; im Geld ist eine kollektive Identität institutionalisiert.

und ergänzt diese Aussage durch einen Rückblick zur einstigen und vergangenen Wahrnehmung von Ökonomie.

Vor etwa 500 Jahren noch erschien das Geld als eine Sache: bei Thomas Hobbes , der lehrte: das Geld ist „Silber und Gold“, und diese Edelmetalle besitzen „ihren Wert aus dem Material selbst“ – einen Wert, der konstant und allgemein ist, so daß Silber und Gold das „allgemeine Maß“ für alle Waren an „allen Orten“ ist. Seitdem aber, und zuvor, gilt sehr Verschiedenes als Geld, in Abhängigkeit vom herrschenden gesellschaftlichen Verhältnis. Bei Aristoteles ist die Bestimmung, das Geld sei „kraft Übereinkunft … gleichsam Stellvertreter des Bedürfnisses“, Ausdruck einer Gebrauchswert-Ökonomie, die unter der Herrschaft der „dem Göttlichen ähnlichen Seele“ steht. Die zitierte Bestimmung des Geldes bei Hobbes entspricht dem Handelskapitalismus des 17. und 18. Jahrhunderts, der im internationalen ungleichen Tausch, gemessen durch eine unausgeglichene Handelsbilanz, seine zentrale Institution besaß. Adam Smiths Lehre, das Geld sei nicht der Gegensatz zur Welt der Waren, sondern selbst eine Ware, so daß der Wert von Waren und Geld in keiner bestimmten Sache bestehe, sondern in der allgemeinen Arbeit, die „keine handgreifliche Angelegenheit“ sei, sondern ein „abstrakter Begriff“, drückt die Identität der klassischen liberalkapitalistischen Politik-Ökonomie aus.“

Das der moderne Finanzmarkt diese Prinzipien auf eine neues weit komplexeres Niveau hieft veranschaulicht Stapelfeldt anhand einer Weltwährungsordnung.

„Die auf den Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems folgende Weltwährungs-Ordnung, in der der Wert der Währungen auf den de-regulierten Devisenmärkten bestimmt wird, so daß sich ein System flexibler Wechselkurse mit analog organisierten Wettbewerbs-Märkten konstituiert, entspricht dem Volkswirtschaftlichen Dogma, nach dem Preise und Werte Ausdruck von Knappheitsrelationen – also der Wünsche der Konsumenten – sind: das ist der Kern des neoliberalen und monetaristisch organisierten, zur Globalisierung verallgemeinerten Kapitalismus. Der Euro, zwischen 1990 und 2002 als Steuerungsmedium des 1993 verwirklichten Gemeinsamen Marktes installiert, ist eine monetaristisch definierte Währung im Kontext des globalen neoliberalen Kapitalismus: darin besteht die Identität des Europa der EU.“

Spätestens daraus ergibt sich eine elementare Konsequenz einer komplexen und nicht mehr nachzuvollziehenden Dimension.

So bildet die jeweilige Bestimmung des Geldes die Identität einer entsprechenden ökonomischen und gesellschaftlichen Struktur: das Geld ist die Erscheinungsform des Allgemeinen. Dieses Allgemeine ist ein Kollektiv-Unbewußtes: darauf verweist Smiths Metapher von der invisible hand ebenso wie die antirationalistische Überzeugung des Neoliberalismus und des Ordo-Liberalismus, Wirtschaft und Gesellschaft seien so hochkomplexe Gebilde, daß
kein Mensch sie begreifen, daß kein Mensch sie vernünftig einrichten oder rational steuern könnte.

Daraus folgert sich eine Unkontrollierbarkeit, die sich vor allem in der Unfähigkeit zur Prognose äußert oder anders einer Ausgeliefertheit gegenüber zu spät zu identifizierenden Krisentendenzen.

Hayek hat in seiner Nobel-Lesung vom 11. Dezember 1974, vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des Bretton-Woods-Systems und der sich anbahnenden
Weltwirtschaftskrise von 1975/81, gegen den untergehenden Keynesianismus ausdrücklich festgestellt: Die „Überlegenheit der marktwirtschaftlichen Ordnung“ gegenüber dem Staatsinterventionismus bestehe darin, daß durch die Ordnung der neuen Freiheit „mehr an Wissen genutzt wird, als irgendein einzelner Mensch besitzen kann“ – aber darin bestehe auch die Unfähigkeit, „Abweichungen“ vom wirtschaftlichen Gleichgewicht „messen“, also Krisen exakt erkennen zu können. So erscheint die Krise: entweder als ein unerkennbares mythologisches Schicksal, als eine Schicksals-Macht; oder sie wird externen Ordnungen – dem alten Staatsinterventionismus und monopolistisch organisierten Gewerkschaften – zugeordnet; oder sie wird individualisierend aus Defiziten des sozialatomistischen homo oeconomicus erklärt.

Dies ist die Grundlage warum es in einem sich gedacht selbst-regulierenden Marktsystem zu einem unkontrollierbaren Krisenszenario, wie dem aktuellen entwickeln kann.

Als Erscheinung des kollektiven Unbewußten in der Krise wirkt das Geld
disziplinierend: als Zwang zur Anpassung, zum „Konformismus“. Der „Zwang“, zuvor meist geräuschlos durch Introjektion eher sozialpsychologisch wirksam, wird in der Krise äußerlich und physisch manifest . Indem in der Krise die Identität aber brüchig und schwankend wird, scheint sie sich freilich auch der aufklärenden Frage zu exponieren – aber nur dann, wenn die Identität auch transzendierende Potentiale enthält, die der neoliberale „Antirationalismus“ freilich negiert. Die Krise vermag eine Kritik zu produzieren – oder eine zwanghaften Konformismus und Autoritarismus.

Die gegenwärtige Krisis der kapitalistischen Weltökonomie begann, auf der phänomenalen Ebene, als Krisis des Weltfinanzsystems, die eine Krisis der Weltwirtschaft auslöste. Indem die Staaten das Finanz- und Wirtschaftssystem zu stabilisieren suchten, wurde die Krisis der Geschäftsbanken in eine Krisis der Staatsfinanzen transformiert. Die staatliche ‚Rettung’ erst der Geschäftsbanken, dann der Nationalökonomien wurde mit einem historisch nie dagewesenen Finanzaufwand von jeweils hunderten Milliarden Dollar oder Euro geleistet, der die Nationalstaaten offenbar überfordert hat. Die Krise der Staatsfinanzen vertiefte sich weiter dadurch, daß die Wirtschaftskrisis die Steuereinnahmen der Staaten deutlich reduzierte, die Staatsausgaben im Sozialbereich (Sozialhilfe, Lohnsubventionierungen) aber drastisch erhöhte. Begann diese Krisis, als Krisis der kapitalistischen Weltökonomie, im logischen und geographischen Zentrum dieser Weltökonomie: in der Vereinigten Staaten von Amerika und alsbald im Europa der Europäischen Union, so hat sich diese Krisis in diesen Zentren nach der beschriebenen Stufenfolge entwickelt zu einer Krise der Staatsfinanzen der USA und der EU-Mitgliedstaaten mit der Folge einer Krisis der entsprechenden Währungen.

Diese Kette mit ihrem Ursprung im amerikanischen Immobilienmarkt und ihrem „Ende“ in der Staats- und Währungskrise Europas und die damit eingeläutete Weltwirtschaftskrise in bisher unbekannten Ausmaß muss damit als ein logisches Resultat eines unbegreiflichen Systems gewertet werden. Niemand war in der Lage diese voraus zu sehen und niemand ist in der Lage eine Lösung anzubieten, die diese Entwicklungskette kurzfristig revidieren könnte.

Die Erkenntnisse aus dem Mißverhältnis, dass nicht „wir“ die Ökonomie beherrschen, sondern die Ökonomie nicht zu beherrschen ist, sollte innerhalb des Systems gedacht die Reduktion der ökonomischen Komplexität sein um zumindest den Schleier um sich ergebende Krisentendenzen früher lüften zu können und der „Brandherd“ einer Krise nicht ewig vor sich hin schwelen kann.

Aufgrund des Platzes ist es mir hier nicht möglich weiter auf den 59 Seiten langen Text einzugehen, der sich weiterhin mit der Bedeutung der Krise für die Herrschaftsverhältnisse beschäftigt sowie Wirtschaftshistorie aufzuarbeiten,. die Rolle des Neoliberalismus zu benennen und eine Folge der Erstarkung des Autoritarismus zu formulieren.

Zum Autor: Gerhard Stapelfeldt

Deutscher Professor für Soziologie. Er studierte in Hamburg Soziologie, Architektur, Philosophie und Politikwissenschaft. Von 1979 bis 2009 lehrte er am Institut für Soziologie der Universität Hamburg.

Das Bang Boom Bang Quiz

1. Wie lautet Keeks eigentlicher Vorname?
……………………………………………………..

2. Wohin bringen die vermeintlichen Rumänen den Tresor und wer war es wirklich?
………………………………………………………………………………………………..

3. Mit was für einem Geldschein will Melanie in der Vereinskneipe bezahlen?
…………………………………………………………………………………………………….

4. Wie lautet das Kennzeichnen des umgebauten Mercedes Coupe?
……………………………………………………………………………………….

5. Wieviel Falschgeld mischt Keek unter die zu investierende Summe?
…………………………………………………………………………………………..

6. Wie heisst der Orthopäde der Andis Knie untersucht hat?
……………………………………………………………………………..

7. Bei wem will Mark den neuen Z3 bestellen?
………………………………………………………….

8. Welche Nummer steht auf dem Schlüssel?
…………………………………………………………

9. Wie heisst der Freund von Werner Kampmann, der Schlucke wegen seiner „Spanner-Geschichte“ vertreten hat.
………………………………..

10. Wieviel Geld setzt Hilmi auf „Horst“?
……………………………………………………

11. Was verbindet Schlucke mit Andi aus dessen Kindheit?
…………………………………………………………………………..

12. Wieviel Geld haben Keek und Kalle bei ihrem Bankraub erbeutet?
………………………………………………………………………………………….

13. Wie heisst der Polizist, der die Fahndung nach Karl Heinz Grabowski leitet und in welcher Beziehung steht der Schauspieler zum Regisseur des Films?
…………………………………………………………………….

14. Für wie lange hat Andi den Führerschein verloren?
……………………………………………………………………..

15. Welche Nummer trägt der Eierhahn und welcher Name steht auf seinem Trikot?
……………………………………………………………………………………………………………..

16. Wo ist Luigi aufgehalten worden?
……………………………………………….

17. Wie heisst Action-Andi mit vollständigem bürgerlichen Namen und wo ist dieser ein einziges mal im Film zu erkennen?
……………………………………………

18. Wieviel „Stück“ war Andi neulich zu schnell und warum waren die Polizisten feige?
…………………………………………………………………………………………………………………

19. Wie heissen die Frauen, die Franky Keek im Stadion vorstellt?
…………………………………………………………………………………………

20. Nach welcher Zeit denkt und hofft Keek, dass man den Daumen wieder annähen kann und woher hat er diese Information?
……………………………………………………………..

Die Antworten können als Kommentar gepostet werden und werden bei Zeiten aufgelöst, sollte sie niemand vollständig richtig beantworten können.

Auch zusätzliche Fragen sind gern gesehen.

Die gewollten Versäumnisse gegen Rechts

Die Reaktion der Politik und anderer Verantwortlichen im Kontext der rechtsextremen Naziterrorzelle ist z.T. geschmacklos. So versuchen Oppositionspolitiker, wie Oppermann eine tiefe Betroffenheit und Scham zu suggerieren; ein Unverständnis, ein Schock entsprechend einer über ein Jahrzehnt operierenden rechtsextremen Terrorismuszelle kann allerdings nicht authentisch vermittelt werden.

Der Kampf gegen Rechts wurde gerade in den vergangenen Jahren von einschlägigen Politikern immer wieder torpediert und sukzessiv die Gefahr von Rechts verharmlost. Den Entwicklungen in der Nazi-Szene, also vor allem die Etablierung des neuen Typus der Autonomen Nationalisten wurde keine sonderliche Beachtung geschenkt, genausowenig deren Verknüpfung mit den regionalen Kameradschaften der Nazis. Stattdessen sind es immer wieder Politiker, wie die „Extremismusexpertin“ Kristina Schröder oder der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann, die die Gefahren in der linken Szene geradezu suchten. Die Extremismusklausel der selbsternannten Expertin in Sachen islamischen, linken und vielleicht auch rechten Extremismus war geradezu darauf ausgelegt die linke, antifaschistische Szene im Sinne ihrer vermeintlichen Verfassungsfeindlichkeit an den Pranger zu stellen und zugleich die Strukturen im antifaschistischen Engagement zu schwächen. Doch sind es eben diese antifaschistischen Strukturen gewesen, die die Nazi-Szene ernst genommen haben und sich nicht einer verharmlosenden Perspektive von ein paar braunen Idioten ergeben haben.

Schünemann konnte gar keine Gelegenheit genug sein, neben seiner unmenschlichen Forcierung niedersächsischer Abschiebepolitik, eine neue Qualität linker Gewalt zu postulieren. In dieser Hinsicht ist sein Fokus auf die angeblich so gewaltbereiten linken Strukturen in Göttingen zu bewerten, die mit einer eigenen BFE garniert werden soll. So ist aber auch Schünemanns Vorstoß bezüglich der Berliner Bahnanschläge zu bewerten, die er als eine Neuauflage der RAF sah und dementsprechend denjenigen kund tat, die ihm zu hören wollten. Gerade von konservativer Seite wurde keine Gelegenheit ausgelassen nicht nur Links- und Rechtsextremismus gleichzusetzen, sondern die Aktivitäten der radikalen Linken immer wieder als die wahre Gefahr für die BRD hinzustellen. Auch die Gewerkschaft der Polizei, andere Polizeivertreter und sukzessiv diejenigen Politikvertreter, die hinterfragen für überflüssig halten, sind in ihrem Fokus auf eine angebliche neue Qualität der Gewalt gegenüber des Gewaltmonopols nicht müde geworden dies an der linken Szene festzumachen. Das sich gleichzeitig im Rahmen der Etablierung der Autonomen Nationalisten eine neue Gewaltbereitschaft von Rechts ergeben hatte, wurde wenn überhaupt gerade einmal am Rande erwähnt. In diesem Kontext wurde es immer wieder hingestellt, dass die Polizei trotz legitimen und deeskalativem Verhalten vermehrt das Opfer einer steigenden linken Gewaltbereitschaft wäre. Das die Polizei durch ihr juristisch unverhältnismäßiges Handeln die Situation auf Demonstrationen u.ä. selber radikalisiert hat, kommt niemanden in den Sinn. Warum auch, denn auf diese Weise lässt sich der Kampf gegen Links besser verkaufen.

Wo ist die Extremismus Expertin Schröder denn jetzt? Wo sind auch die Mikrofone, die sie und ihre Politik der vergangenen Jahre in Frage stellen und als Puzzleteil benennen, welches die Verharmlosung der rechtsextremen Szene voran trieb und den Fokus sowie die Aufmerksamkeit von Nazistrukturen ablenkte. Es ist zu Recht der Verfassungsschutz im Fokus der Aufarbeitung des Naziterrors, der zwischen Zwielichtigkeit und Dilettantismus nicht in der Lage war auch nur den Hintergrund im Sinne eines rechtsextremen Terrors zu identifizieren. So war es der Verfassungsschutz der durch die V-Mann Affäre bereits ein NPD-Verbotsverfahren in den Sand setzte und trotz regelmäßiger und eigentlich unvorstellbarer Waffenfunde bei Nazi Razzien die Bedeutung herunter spielt. Wenn in den Wohnungen von einschlägigen und vernetzten Nazis Sprengstoffe, Hieb- und Stichwaffen sowie scharfe Schusswaffen entdeckt werden, frage ich mich welche Anhaltspunkte für die Gefahr des Rechtsextremismus noch gefunden werden müssen um der rechtsextremen Szene in Deutschland ihren angebrachten Gefahrenstellenwert zuzumessen. Aber solange bei der Durchsuchung linker Wohnprojekte u.ä. vielleicht Benzin, ganz sicher aber Flaschen gefunden werden können und denen auch noch eine kontinuierliche staatskritische Aktivitäten oder auch nur Interesse auf ihren privaten PCs nachgewiesen werden kann, dann ist klar von wem die Gefahr wirklich ausgeht.

Also zurück zur Symbolpolitik gegen Rechts. Denn nach so einem Skandal muss ein Zeichen gesetzt werden und wie geht das öffentlichkeitswirksamer als erneut ein Verbotsverfahren der NPD anzustreben. Doch zieht das Kontraargument wahrscheinlich mehr als je zuvor, denn die an der Oberfläche zu kontrollierende NPD zu verbieten, lässt die rechte Szene nach einem solchen Verbot logischerweise weiter und tiefer in der Verborgenheit operieren, dass der deutsche Staat damit überfordert ist, hat er glaube ich gerade eindrucksvoll bewiesen. Doch was für einen größeren Schlag gegen den deutschen Rechtsextremismus kann es geben, als dass der braune Brei endgültig aus der Öffentlichkeit verschwindet und das Naziproblem somit gelöst wäre für die werten Vertreter der Politik um sich dann wieder ganz dem Kampf gegen die linke Szene zu widmen bis es dann wieder einen Aufschrei in der BRD gibt und dann sind wieder alle überrascht wie menschenverachtend, skrupellos und brutal die Nazis doch sind.

So sollten sich diejenigen Verantwortlichen, die nicht müde geworden waren die linke Szene auf Kosten der Verharmlosung der deutschen Naziszene, zu dämonisieren, zu ihrem Fehlverhalten öffentlich Stellung nehmen, damit ein konstruktive Aufarbeitung, ab von Symbolpolitik, bezüglich der menschenverachtenden rechtsextremen Szene überhaupt möglich wird.

Eine Alternative zur Zwei-Staatenlösung?

In einem sehenswerten Interview mit Sari Nusseibeh vertritt er die Meinung, dass die Schwierigkeiten der Zwei-Staatenlösung vielleicht auch föderal in einem Staat zu lösen wären.


Sternstunde Philosophie vom 09.10.2011

Oh Lord, give a f*****g answer!

Parlamentarische Demokratie oder Casting Show?

Auch in Deutschland ist zumindest gefühlt die fortschreitende Personalisierung von Wahlkämpfen zu spüren und gleichzeitig die Abkehr von Inhalten in der Öffentlichkeit zu beobachten. Gibt es keine „brennenden“ Themen, wie zuletzt ein Bahnhof oder die Frage der Kernenergie, wird versucht über lächelnde Gesichter und Bären die Wahlbevölkerung auf seine Seite zu kriegen. Grundlegende politische Fragen werden in der Öffentlichkeit durch die parlamentarischen Vertreter meist gemieden, entweder weil sie unbequem sind oder zur notwendigen Transparenz die nötige Überstzungskompetenz zu fehlen scheint, wie es vor allem Dingen bezüglich des ökonomischen Ressorts immer wieder auffällt.

Hier wird Wirtschaftskompetenz zu einem Schlagwort, welches auch nicht über die Qualität eines solchen hinaus geht. So wird traditionell den Konservativen die wirtschaftliche Kompetenz zugesprochen und dabei bleibt es dann irgendwie auch. Die Grünen haben in diesem Punkt durch die erneuerbaren Energien zwar Fortschritte im allgemeinenen Meinungsbild erzielt, doch wird Wirtschaftskompetenz aus der Perspektive der Ottonormalverbraucher wohl immer ein in der Konservative anzusiedelndes Aushängeschild bleiben. Gerade in Zeiten, wo auch in der Ökonomie neue und progressive Ansätze immer notwendiger zu werden scheinen könnte sich das Festhalten an traditionellen Denken als falsch herausstellen.

Dabei fehlen aber auch außerhalb des konservativen Lagers klare Standpunkte. Hier und da sind in der Tradition der Parteien sich wiederholende Kernthemen zu finden, aber welche Partei zieht denn schon mit ihrem Parteiprogramm oder auch nur dem Wahlprogramm in den Wahlkampf? Sicherlich steht den BürgerInnen diese dröge Liste an vermeintlichen Standpunkte zur Verfügung, aber wer liest diese denn schon freiwillig? Die Wenigsten und in gewisser Weise auch zu Recht, denn das Profil im groben ist irgendwie auch jeder bekannt und die Positionierung zu einzelnen Themen sollte die Koalitionsverhandlungen dann auch erstmal überstehen. Inhalte nach Außen zu kehren und mit Themen einen (Wahl)Kampf zu führen, der sonst nur aus dem Fundus sozialer Bewegungen zu schöpfen ist, bleibt in der Zivilgesellschaft verhaftet. Dem (modernen) Parlamentarier geht es darum nicht angreifbar zu sein bzw. zu werden und kurzfristig, eben bis zur Schließung der Wahlkabinen, gegenüber dem Wähler Vertrauensgefühle zu wecken; Konzepte langfristiger Politikgestaltung haben sich unter dem Joch der Realpolitik längst verabschiedet.

Bei all dieser Profil- und Positionslosigkeit, eindrucksvoll durch die Kanzlerin der letzten Jahre demonstriert, ist der Unmut über die Funktionsweise der parlamentarischen Demokratie, u.a. anhand der Wutbürgerinitiativen zu beobachten, mehr als verständlich. Auch wenn einigen dabei ein Mangel an Realitätsverständnis* zu attestieren ist, bleibt dies eine Entwicklung hin zu demokratischerem Verständnis und auch Handeln sowie der schleichenden Erkenntnis das Demokratie auch zwischen den Wahlen stattfindet, nämlich im Rahmen einer problemidentifizierenden Zivilgesellschaft.

Interessant wird hierbei, ob die PolitikerInnen ihren Kurs beibehalten werden und auch in Zukunft den Wahlkampf nur als Bühne der personalisierten Selbstdarstellung fernab von Inhalten benutzen werden oder ob die neuerlichen gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen erkannt und ernst genommen werden. So ist der Erfolg der Berliner Piraten sicherlich als Erfolg von Profil und Position zu werten und die frühe Niederlage von Frau Künast eben gegenteilig. An dieser Stelle hatte es die FDP zwar mit anti-europäischen Inhalten versucht, doch scheint die Aufmerksamkeit für populistische Verzweiflung zumindest bei der vergangenen Berlinwahl auszureichen (bei der letzten Bundestagswahl war davon wenig zu sehen).

Zu welchen populistischen Niederungen die Personalisierung von Wahlkämpfen führen kann, ist in den USA seit Jahren zu beobachten, die in puncto Inszenierung ihrer Kandidaten wahrscheinlich eine einmalige Vorreiterrolle, ab von selbstdarstellenden Diktatoren, inne haben. Wenn der nachfolgende Wahlwerbespot des möglichen republikanischen Gegenkandidatens Rick Perry die Spitze des personalisierten Wahlkampfes abbilden sollte, kann man nur hoffen, dass die Entwicklung zur Abkehr von Inhalten nicht auch noch die Diffamierung des Gegners übernimmt.

*Das Schicksal dieses Mannes durch Polizeigewalt soll hier nicht relativiert werden, doch die Aussage „Er sehe im 30. September 2010 eines der schlimmsten Verbrechen, „das der gesamtdeutsche Staat nach dem Zweiten Weltkrieg begangen hat“.“ ist eine Relativierung aller Opfer des deutschen Staates, ob nun die unmenschliche Behandlung von Flüchtlingen im Allgemeinen oder insbesondere in Abschiebeknästen, die zahlreichen Opfer der willkürlichen Polizeigewalt (Herr Wagner ist nicht der erste Demonstrant, dem der Wasserwerfer das Augenlicht löscht), die Opfer die letztendlich auf die Kosten der deutschen Rüstungspolitik gehen, die zivilen Opfer der Kriegseinsätze im Kosovo oder in Afghanistan oder eben diejenigen Menschen, die durch das ökonomische Handeln Deutschlands in ihrem Elend verbleiben müssen. Die Folge eines solchen Ereignis kann und soll auch eine angebrachte Wut sein, doch sollte diese zu Sensibilität gegenüber anderen Ungerechtigkeiten und der entsprechenden Solidarität führen und nicht zu einer märtyrerischen Selbstdarstellung.

Ein Stück Musikgeschichte

Wynton Marsalis hat es schon getan und Eric Clapton auch. Beide Künstler haben sich ihren Platz in den Annalen der Musikhistorie erspielt. Nun war die Zeit gekommen sich zusammen zu tun und der Auflistung der zeitlosen musikalischen Unterhaltung ein neuen Teil hinzuzufügen. In Kollaboration dieser beiden Virtuosen mit Mitgliedern des „Jazz at Lincoln Center Orchestra“ gelingt ihnen das spielerisch. Das Album mit dem autoexplorativen Namen „Wynton Marsalis and Eric Clapton play the blues“ setzt sich aus Mitschnitten von Konzerten zusammen, die zwischen dem 7. und 9 April diesen Jahres in der ehrwürdigen Frederick P. Rose Hall im Lincoln Center, New York gespielt wurden.
Beide Musiker hatten schon ihre Erfahrung im Duett mit Legenden gesammelt. „Riding with the King“ von Clapton und B.B. King kann getrost als Maß aller Dinge im Blues Genre bezeichnet werden. „Two Men with the Blues“, das Duett-Album von Willie Nelson und Wynton Marsalis ist wahrscheinlich das meist gehörte Jazz Album der letzten 2 1/2 Jahre. Die Leichtigkeit mit der der Jazzvirtuose Marsalis und der Countrysänger Willie Neslon harmonieren, zeugt von einer tiefen inneren Verbundenheit der Musik gegenüber.
Nun wurde der nächste Schritt erreicht. Marsalis stellte eine Band zusammen die sich wie das who´s who des Jazz liest Dan Nimmer (piano), Carlos Henriquez (bass), Ali Jackson (drums), Marcus Printup (trumpet), Victor Goines (clarinet), Chris Crenshaw (trombone, vocals), Don Vappie (banjo) und Chris Stainton (keyboard) bieten ihr ganzes Können auf und stehen den beiden Protagonisten in nichts nach.
Die Songauswahl traf Eric Clapton (bis auf „Layla“, dieses Stück wurde auf Wunsch von Carlos Henriquez ausgewählt. Niemals vorher gab es eine schönere Version von „Layla“.). Angefangen bei Louis Armstrongs „Ice Cream“ über W.C. Handys „Joe Turners Blues“ bis zu „Careless Love“ wirkt die Setlist wie ein Spaziergang durch die Musikgeschichte und zeugt von Claptons Kenntnis und Liebe zur Musik die weit über den Blues hinausreicht. Sie reicht von den zwanziger Jahren, die goldenen Zeiten des New Orleans Jazz, des Boogie Woogies über den immer schon im Zentrum mitschwingenden Blues bis zu Swing, Rock und Rythm and Blues. Jedes dieser Stücke ist ein Teil dessen, ohne das die heutige Musik nicht ansatzweise denkbar wäre. Das musikalische Arrangement dieser Stücke hat Wynton Marsalis übernommen. In beeindruckender Art und Weise schafft er es diesen Oeuvren gleichermaßen die herzerfrischende Leichtigkeit des kreolischen Jazz als auch die gedankenverlorene Schwere des Blues zu verleihen. Noch niemals klang eine Jazz´n Blues Platte so anmutig und erfrischend zugleich.
Ein besonderes Highlight hält das Ende der Platte bereit. In dem besten Song („just a closer walk“) auf dem Album überrascht Taj Mahal mit einem Gastaufrtitt. Zum Abschluss überschlagen sich die drei Titanen noch einmal in einer atemberaubenden Interpretation von „Corinne, Corinna“.

… weil die Justiz Scheiße baut !

2007 greifen rechte Hooligans eine Feier linker Ultras in Bremen an. Zwei Ultras werden krankenhausreif geschlagen, 40 weitere leicht verletzt.

Daraufhin versucht die Staatsanwaltschaft Zeugen für diese Tat zu finden. Auf den ersten Blick sollten bei einer solchen Feier genügend Zeugen zu finden sein, doch trübt eben der erste Blick, wie der Staatsanwalt feststellen musste und grundlegende Überzeugungsarbeit leisten. Dabei handelt es sich nicht um den fehlenden Koorperationswillen linker Ultras mit der Polizei, es hat schlicht und ergreifend mit Angst zu tun, denn die Angreifer können z.T. der Standarte Bremen und zum anderen Teil ihrer Nachwuchsgruppierung Nordsturm zugerechnet werden. Dies sind Hooligans mit denen untertrieben gesagt nicht gut Kirschen essen ist. Es sind Hooligans, die aus ihrer rechten Gesinnung keinen Hehl machen und in die NPD Strukturen Bremens involviert sind, auch wenn ihrer Meinung nach Fußball Fußball und Politik Politik bleibt. Außerdem sind es erfahrene Schläger, die in Hooligan – Kreisen seit ca. 20 Jahren einen deutschlandweiten Ruf erlangt haben, der ihre zahlenmäßige Unterlegenheit innerhalb der Werderszene relativiert und die Angst der Zeugen begründet.

So forderte der Staatsanwalt die Zeugen auf Zivilcourage zu zeigen und den Mut zur Aussage aufzubringen. Schöne Worte eines Staatsanwaltes, der dann viereinhalb Jahre braucht um das Verfahren zu eröffnen. In diesen viereinhalb Jahren wurde die Angst dann weiter geschürt, denn neben Hausbesuchen durch körperlich imposante Nazihools, ist natürlich auch schnell klar, dass die Liste der sechzig Zeugen, in Form von Akteneinsicht der Verteidigung, den Tätern mit Namen zur Verfügung stehen.

Die Verteidigung argumentiert anhand der EMRK, dass das Verfahren in seiner Dauer ihre Mandanten sozusagen rechtsstaatswidrig belastet und drängt auf eine vorzeitige Beendigung des Verfahrens. Dies ist ihr gutes Recht, denn auch diese neofaschistischen Hooligans haben ein Anrecht auf ein faires Verfahren, die Ächtung ihrer Menschenverachtung ist Aufgabe der Zivilgesellschaft; Aufgabe des Rechtsstaates ist es dieses Verfahren nach bestem Gewissen und neutral abzuwickeln. Doch in dieser Hinsicht ist der Fakt der politisch motivierten Tat von Nazis gegen antirassistisches Engagement nicht zu vernachlässigen. Die Täter sind allesamt selber oder ordnen sich zumindest offen einem Umfeld zu, welches sich zum Faschismus bekennt und darüber hinaus in der kriminellen Szene keine Unbekannte ist. Dies geht so weit, dass zu einem einschlägig bekannten Motorradclub Kontakte und Überschneidungen bestehen.

Warum sollte in diesem Verfahren auch für Gericht und Staatsanwaltschaft Politik eine Rolle spielen? Eindeutig aus dem Grund, dass diese Tat ein Ergebnis einer Entwicklung ist und damit ein zumindest schwelender Konflikt auch abgesehen vom Verfahren bleiben wird. Im Machoverständnis der Nazihools werden die sich nicht von ein paar „Antifatzkes“ ihren Verein kaputt machen lassen und in ihrer Primitivität werden sie das eben auch mit Gewalt durchsetzen, dies haben sie u.a. mit dem Überfall auf den Ostkurvensaal 2007 bewiesen. Es ist in diesem Fall davon auszugehen, dass Übergriffe durch die rechten Hooligans keine Ausnahmeerscheinung sein wird, dies wird durch die Charakterisierung der Angeklagten deutlich und dies wird umso mehr deutlich durch die Versuche die Zeugen innerhalb dieser viereinhalb Jahre immer wieder einzuschüchtern, einzig allein der unbekannte Ausgang des Verfahrens hat wahrscheinlich erneute körperliche Gewalt verhindert.

Nun wurde das Verfahren in der vergangenen Woche endlich eröffnet und schien fast sofort wieder beendet. Der Staatsanwalt der Mut und Zivilcourage vor vier Jahren einforderte war von seinem eigenen Engagement wohl noch so sehr gezeichnet, dass er sich zu diesem Zeitpunkt Urlaub nehmen musste, also musste eine Urlaubsvertretung ran. Dafür waren aber „Freunde“ der Angeklagten anwesend, die JournalistInnen und ProzessbeobachterInnen einschüchterten, abfilmten und beleidigten. Dies wurde vom Gericht insofern geahndet, dass eine der vermummten Personen mit Filmkamera des Saales verwiesen wurden, während die anderen mit Handy munter weiter fotographierten. Zu diesem Szenario (ver)passte dann auch die Einschätzung des Gerichts indem man davon ausginge, dass dem innerfamiliären Konflikt der Werder Fanfamilie nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer gegossen werden müsse, so dass eine Einstellung des Verfahrens in Verbindung mit einer mildesten Bestrafung der geständigen Täter völlig ausreichen sollte und überhaupt hatte die Verteidigung noch mit 100 zusätzlichen Zeugen gedroht und das könne man beim Bremer Amtsgericht nun wirklich nicht schaffen. (http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?id=055986)

Ein innerfamiliärer Konflikt? Was für ein Verständnis liegt denn dem Gericht da vor? Soll das eine kleinere Rauferei unter Freunden gewesen sein, die danach ein Bier getrunken haben und gemeinsam Werder Lieder gesungen haben? Nur weil beiden Parteien das Label Werder inklusive ist, handelt es sich doch hier nicht um eine Familie mit dem Potential bei ihren wöchentlichen Familientreffen sich auch mal zu streiten. Es handelt sich hier um nichts anderes als einen brutalen Angriff von Nazis, weil ihnen die politische Gesinnung eines Teils der Fankurve nicht passt und deswegen hat dieser kriminelle und vorbestrafte Schlägertrupp mal dazwischen gehauen um zu zeigen wer bei Werder das sagen hat. Das ist die Motivation zur Tat! Und diese hat auch in ein rechtsstaatliches Verfahren Einzug zu halten, denn der politische Hintergrund der Täter ist ja nicht im Sinne einer Sozialprognose am Rande miteinzubeziehen, es ist die Grundlage der Tat, die 42 Menschen verletzt hat und zwei davon so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Also nicht nur das sich der ach so couragierte Staatsanwalt keinen anderen Termin für seinen Pauschalurlaub vorstellen konnte, so wird dieser Prozess bewusst entpolitisiert und zwar nicht nur als Verteidigungsstrategie, sondern vom werten und zugegeben überforderten Amtsgericht Bremen. Dazu wird vom Gericht eine wahnwitzige Prognose erstellt, dass anhand von milderen Urteilen der zu erwartende Konflikt am wenigsten geschürt werden würde. Indem man also die Täter in Watte einwickelt hofft man also, dass diese in Zukunft die Füsse still halten werden. Dies ist eine Kapitulation der Bremer Justiz vor rechter Gewalt und hat mit einem fairen und objektiven Rechtsstaatsverfahren nichts zu tun. Dazu ist diese Ansicht bezüglich des zukünftigen Konfliktpotentials nichts als subjektive Spekulation und dies der naivsten Sorte, denn das einschlägig vorbestrafte Hooligans mit ihrer faschistischen Ausrichtung milde Urteile als Anlass nehmen werden das antifaschistische Engangement in Zukunft zu ignorieren ist entweder inkompetent oder bösartig. Die Angeklagten sind fast alle vorbestraft oder zumindest aktenkundig bekannt, dies hat sie vor viereinhalb Jahren auch nicht davon abgehalten sich zum Ostkurvensaal aufzumachen und den „linken Spinnern“ mal zu zeigen wo der Hase lang läuft. Jetzt soll dies dann durch Milde walten lassen in den resistenten Faschistenköpfen angekommen sein? Geht das Gericht und auch die Staatsanwaltschaft ernshaft davon aus, dass sie damit das Ende der Fahnenstange aufgezeigt haben? Die rechten Hooligans waren sich nicht zu schade die Zeugen während des laufenden Verfahrens einzuschüchtern, allein dies ist ein Akt höchster krimineller Energie, den Tätern kann alles andere als positive Sozialprognose erstellt werden, die Motivation zur Tat bleibt eine dauerhafte, die nach Ende des Verfahrens weiter Bestand haben wird und zu erneuten Gewalttaten führen wird. So bleibt es mir nur einen Satz eines Redebeitrags der Demo zu zitieren, die auf diese rechte Gewalt und die unwürdige Justiz aufmerksam machen sollte, “ […] die Bremer Justiz macht sich zur Mittäterin!“, wenn diese Milde wirklich walten gelassen wird, dann muss sich die Bremer Justiz zukünftige gewaltsame Übergriffe der Bremer Nazihools auf die Fahnen schreiben und ganz „nebenbei“ Herr Staatsanwalt können sie davon ausgehen, dass sich auf ihre Zusagen kein Zeuge mehr verlassen wird, denn sich mit ihnen einzulassen, bedeutet nichts anderes als mit Angst im Stich gelassen zu werden.

Das Urteil des heutigen zweiten und letzten Prozesstages lautet Geldstrafen zwischen 300€ und 700€.

Und da ist er wieder, der altbewährte Antisemitismus

Wenn man sich die Anstrengung macht sich mit den sog. Islamkritikern in der Bloggosphäre auseinander zu setzen, dann führt dies ab und an auch wieder zu Erkenntnissen bei denen einem die Schuppen von den Augen fallen.

Nachdem mir vor einiger Zeit das Prinzip der Entmenschlichung bei den sog. Islamkritikern aufgefallen ist, bin ich neuerdings auf Grundlage einer Auseinandersetzung auf einem anderen Blog dem Mysterium der kulturmarxistischen Weltverschwörung näher gekommen.

So war es auch nicht zuletzt Anders Breivik, der sich auf die Islamisierung Europas bezogen hat, die angeblich von Kulturmarxisten forciert werden soll, was dann eben auch seine Opferwahl definiert hat. Diese Theorien sind auf PI-News oder bei Fjordman ebenfalls immer wieder Diskussionsgegenstand und werden dann gerne im Copy&Paste Verfahren in der Bloggosphäre der Islamkritik als Argumentationsgrundlage angeführt. So wird eine Argumentation aufgebaut, dass die Überwindungen von Kapitalismus, Nationalstaaten und Patriachat einzig dem Zweck dienen einen Genozid an der weißen Rasse zu verfolgen. Hier ist alleine das Wort Genozid ein vokabularisches Highlight, denn dieser begründet sich eben daraus, dass machtpolitische Vormachtstellung der Weißen schließlich durch die Auflösungen bestehender Hierarchien gefährdet ist; der Genozid besteht also in deren Logik durch den zwanghaften Versuch der „Gleichmachung“. Dahinter steht dann zusätzlich ein kultureller Elitarismus, der durch die ethischen Errungenschaften der westliche Zivilisationen begründet ist, dabei reicht es aber dem sog. Islamkritiker in diese Kultur geboren zu sein, die Werte z.B. der Allgemeingültigkeit der Menschenrechte als Naturrecht jeden Menschens oder die Tragweite eines fairen Rechtsstaates gemäß aufklärerischer Gerechtigkeitsprinzipien werden dabei konsequent ignoriert. Dieser kulturelle Elitarismus ist schließlich die Basis für die berechtigten Privilegien der eigenen Kultur also sukzessiv der Vormachtstellung in der Welt und bildet ebenso die Grundlage sich als Definitionsmacht (gerade gegenüber dem Islam) definieren zu dürfen. Dabei wird dann gerne die Aufklärung angeführt, die wie gesagt per Geburt privilegiert, aber inhaltlich nicht vertreten werden muss, außer man nutzt sie zur Kritik anderer, vorrangig dem Islam.

Kommen wir zurück zur abstrusen Weltverschwörung, die nämlich im Denken einiger sog. Islamkritiker nicht der erste Versuch war. Der Marxismus und dann der Kommunismus ist nämlich der „erste“ Versuch gewesen gemäß seines Internationalismus und Betonung der menschlichen Gleichheit, die westlichen Kulturen zu zerstören. Hierbei wird dann gerne betont, dass Marx Jude war. Es geht weiter, denn der neue Versuch dieser Weltverschwörung, die die Islamisierung Europas nutzt um die alten Systeme aufzulösen und einen Neuanfang im Sinne einer NWO zu forcieren hat seine Grundlage im sog. Kulturmarxismus. Dieser Kulturmarxismus wird insbesonders von der Franfurter Schule bestimmt und gesteuert. Hierbei werden dann die „Aufforderung“ zur Überwindung der Nationalstaaten, kultureller Identität, Patriachat, Kapitalismus angeführt um diese in das Verhältnis zu einer NWO gesetzt, die im Sinne eines kulturmarxistisch Weltbürgertums die Weltherrschaft anstreben.

Das klingt alles zunächst einmal nach völlig abstrusen Schwachsinn. Denn es ist natürlich klar, dass Marxismus und auch die Franfurter Schule die Erkenntnisse der Aufklärung im Grunde genommen nur weiter denken und im Sinne einer universal gerechten Gesellschaft Nationalstaaten, Kapitalismus, Patriachat als Hemmnisse identifiziert haben, welche zu strukturellen Ungerechtigkeiten in Gesellschaft führen. Interessant bei der Charakterisierung der sog. Islamkritiker hinsichtlich der Franfurter Schule ist die Auslassung der Analysen bezüglich des gesellschaftlichen Antisemitismus. Insbesondere wird die Kritische Theorie der Frankfurter Schule ins Visier der ideologischen Grundlage der NWO Weltverschwörung gesetzt. Finanziert wird dieses Vorhaben von den Juden Rockefeller und Rothschild. An dieser Stelle wird die Einordnung als Juden betont und so quasi das jüdische Kapital hinter dieser Weltverschwörung herausgestellt, der Kern dieses modernen Antisemitismus bleibt allerdings die vorsätzliche Missinterpretation der Frankfurter Schule, hier wird eine aktuelle Version des Brunnen vergiftenden Juden gesponnen, der im Rahmen eigentlich wissenschaftlicher Gesellschaftstheorien, zu einem Plan zur Zerstörung von Kultur und Nation umgedeutet wird, der im Sinne einer gesellschaftlichen Gehirnwäsche umgesetzt werden soll. Vergegenwärtigt sich man nun noch die Tatsache, dass die angefeindeten Gesellschaftstheoretiker Adorno, Horheimer, Marcuse alle jüdischen Ursprungs sind ergibt sich langsam ein Gesamtbild. So werden andere (nicht-jüdische) Soziologen oder Gesellschaftstheoretiker im Kontext der Überwindung von Nationalstaaten, im Rahmen der Globalisierung oder des Patriacharts nicht mit derselben Schuld beladen, eigentlich sogar weitestgehend ignoriert . Dabei wird auf Nachfrage natürlich das Judentum (gerade im Gegensatz zum Islam) nicht diskreditiert, aber natürlich schon auf den politisierten Zionismus hingewiesen. Es handelt sich also bei der kulturmarxistischen Weltverschwörung mit dem Ziel einer NWO (einige würden hier trotz der angeblichen Inhalte und deren Überschneidung eine Verbindung leugnen) um einen klassischen Antisemitismus im Mantel einer zionistischen Weltverschwörung, der u.a. islamische Glaube an die „Protokolle der Waisen von Zion“ lässt grüßen.

So werden die sog. Islamkritiker oft nicht müde den Stellenwert der Aufklärung zu betonen, setzen das daraus resultierende Wertesystem aber einzig und allein zur Kritik anderer ein. Die eigenen Positionen, ob nun generelles Verbot des Islams in Europa, die Reduzierung des muslimischen Individuums auf die islamischen Lehre und damit die sukzessive „Freisprechung“ vom freien Willen oder die Ausweisung aller Muslimen u.a. werden nicht am gleichem Wertekatalog überprüft, hier reicht eine Dämonisierung der Religion und die geschürte Paranoia vor einer Islamisierung im Namen des allgegenwärtigen Jihads aus um die zur Kritik notwendige Ethik für sich selbst über Bord zu werfen. Die ganz spezielle Version (wenn auch glaube ich nicht seltene) der sog. Islamkritik ist diejenige, die die wahre Gefahr in ihrem Wegbereiter sieht, dem Kulturmarxismus. Hier wird die Aufklärung als abgeschlossenes Kapitel der Historie gesehen und die ideelle Fortentwicklung von Gesellschaftstheorien ignoriert um den sog. Kulturmarxismus als Einzelphänomen hinzustellen. Dabei scheint es sich dann eben um nichts anderes als die jahrhunderte lange Tradition des Antisemitismus in einem neuen Gewand zu handeln. Bei all dieser impliziten und expliziten Menschenverachtung wundern sich diese sog. Islamkritiker ernsthaft, dass sie an den rechten Rand verortet werden?

Hier ein Link ähnlicher Thematik

http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/gegen-den-kulturmarxismus-glaubte-der.html

Cultural Marxism Wikipedia:

Cultural Marxism ist ein politisches Schlagwort der amerikanischen Rechten, das eine angebliche Verschwörung der „Linken“ beschreibt.

[…]

Als „Verschwörer“ werden unter anderem Feministinnen, Homosexuelle, Multikulturalisten, Umweltschützer, Migranten und Philosophen der Frankfurter Schule angesehen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Cultural_Marxism_%28Schlagwort%29

Die natürlichen Grenzen des Kapitalismus; der Versuch einer Bestandsaufnahme

Das Jahr 2011 hatte bisher einiges zu bieten, was in der historischen Retrospektive irgendwann einen großen Stellenwert in den zukünftigen Geschichtsbüchern haben könnte. Die Wende in der deutschen Atompolitik, ausgelöst durch die atomare Katastrophe von Fukushima, die das Stimmungsbild hinsichtlich der Sicherheit von Atomstrom zumindest in Deutschland grundlegend verändert hat, der vor Jahren angedachte Atomausstieg wird von der konservativen Bundesregierung reaktiviert und kurioserweise für sich beansprucht. In Maghreb breitet sich ein Flächenbrand der Revolten aus, dem die autoritären Herrscher peux a peux nicht mehr stand halten können, was sich daraus entwickeln wird, ob dies zu einer Chance für die Demokratie wird, bleibt offen. Im Gegenzug erfährt die Islamophobie ihren frühzeitigen Höhepunkt durch das Massaker von Anders Breivik, der im Namen des „Counter Jihads“ in Norwegen 76 Menschen tötet, weil er von der kulturmarxistisch forcierten Islamisierung Europas überzeugt war und daraus eine geisteskranke Handlungsnotwendigkeit ableitete. Damit aber noch nicht genug, im Zuge der hohen Jugendarbeitslosigkeit entwickeln sich Proteste, die die Jugend u.a. in Spanien auf die Straße treibt, aber auch in Israel im Kontext horrender Wohnungsmieten die Stimmen erhebt und in London zu einem nächtelangen Wutausbruch der „Vergessenen“ führt. Womit wir beim Thema wären, denn die Jugendarbeitslosigkeit, die israelische Wohnungskrise lassen sich beide nicht von einer Entwicklung trennen, die sich erstmals massiv im Jahr 2008 gezeigt hat; eine Finanzkrise unvorstellbaren Ausmaßes.

Es schien überwunden, im Jahr 2008 platzte die Spekulationsblase des amerikanischen Imobilienmarktes und die Folgen erschütterten die ganze (Finanz)Welt. Durch Verbriefungen, Hedgefonds und weitere Erfindungen der virtuellen Finanzwelt erfasste die Krise der amerikanischen Banken die ganze Welt. Lehman Brothers wurde im Namen der (ökonomischen) Ethik fallen gelassen, das Credo „Too Big to Fail“ bewusst ignoriert, das Loch des Vertrauens mit vielen Milliarden von der US-Regierung gestopft. Die Märkte erholten sich wieder, die Krise war intensiv, aber sie konnte durch wirtschaftspolitische Maßnahmen und Eingriffe korrigiert werden. War dies das Ende der neo-liberalen Prinzipien in der Welt des Kapitalismus?

In Deutschland schien es ganz im Gegenteil, da wurde im Folgejahr der parteiische Vertreter des Neo-Liberalismus die FDP zur Belohnung in die Regierung gewählt. Auch war zwar hier und da vom Ende der Deregulierung zu hören, doch am Ende sind die Marktprinzipien dann doch heilig und die Eingriffe in diese nichts Weiteres als ein verkleideter Sozialismus. 2011 jedoch sieht die Sache wieder ganz anders aus. Die Finanzkrise erlebt nicht nur ihren zweiten Frühling, sie kommt drei Jahre später mit einer Gewalt zurück, die den Glauben in die Marktwirtschaft grundlegend erschüttern könnte. Dabei ist es gar nicht notwendig im Sinne einer Kapitalismuskritik, die bedingenden Ungerechtigkeiten aufzuarbeiten oder Grundproblematik der Chancengleichheit als Voraussetzung für funktionierende Marktprinzipien zu erörtern. Der Kapitalismus zeigt seine Fratze der Unkontrollierbarkeit, die sich von Maßlosigkeit und Gier seiner Akteure hatte nähren können und ist sukzessiv in seiner Funktionsfähigkeit in Frage gestellt.

Nun wurde 2008 schon prophezeit, dass es sich um die größte Krise der Wirtschaft seit dem schwarzen Freitag 1929 handeln könnte. Schon damals war es der Zusammenbruch der amerikanischen Börse, der eine Wirtschaftskrise nach sich zog, die u.a. den Aufstieg des Faschismus in Deutschland begünstigte und somit einen Weltkrieg nach sich zog, der im Rahmen der Kriegsrüstung und des Kriegszustandes die Weltwirtschaft spätestens wieder einebnete. Doch schien das Ausmaß der 2008er Krise auch den Wirtschaftsexperten zu diesem Zeitpunkt nicht klar zu sein. Die USA müssen zum Wohle des Vertrauensvorschusses in die eigenen kapitalistischen Akteure immer wieder investieren und doch scheint die Spirale der Liquidität abwärts zu gehen. So stufte die Ratingagentur S&P die Kreditwürdigkeit der Weltwirtschaftsmacht USA trotz aller Investitionsbemühungen auf AA+ herunter. Das die USA sicherlich in den letzten drei Jahren an ihrer Wirtschaftlichkeit eingebüßt haben, so wie dort mit unvorstellbaren Beträgen um sich geworfen werden musste, erscheint noch nachvollziehbar, doch was befähigt eine solche Ratingagentur eigentlich zu einem letztendlich nicht konsequenzlosen Downgrade.

Am Beispiel Griechenlands lässt sich die fragwürdige Bedeutung von Ratingagenturen am anschaulichsten demonstrieren. So hängt von der Beurteilung der Ratingagenturen das Vertrauen in die griechische Wirtschaft ab. Denn das Urteil, was hier gefällt wird über die Kreditwürdigkeit des Staates bedeutet gleichzeitig den Maßstab nach dem sich die anderen Akteure richten. Fällen die Agenturen ein negatives Urteil, wird das Vertrauen in die Wirtschaft Griechenlands auch nicht initiiert werden können. Wird ein positives Urteil gefällt, bedeutet dies gleichzeitig ein Signal für den Glauben in die griechische Volkswirtschaft. Das Ergebnis der Ratingagentur kann also gar nicht autark betrachtet werden, weil es einen elementaren Einfluss auf zukünftiges Vertrauen impliziert. Es ist also im Grunde genommen eine politische Entscheidung. Vor dem Hintergrund, dass die Wirtschaftswissenschaften in ihrer Prognosefähigkeit mehr als eingeschränkt sind, da ihre Abstraktionsmodelle zwar zu ex post Erklärungen in der Lage sind, aber Komponenten, wie z.B. Vertrauen auch nur spekulativ bedienen können, bleibt die Funktion der privaten und gewinnorientierten unternehmerischen Rating Agenturen in ihrer Unabhängigkeit sehr fraglich.

So sind also die beiden traditionell einflussreichsten Wirtschaftsräume, also die USA und die EU in einer tiefen Krise angekommen. Die drohende Insolvenz bzw. Zahlungsunfähigkeit Griechenlands belastet neben den Folgen ausgehend von 2008 den europäischen Bankenmarkt zusätzlich und stellt eine Gefahr für die Eurowährung da. Der Dollar hat seine stärksten Zeiten ebenfalls hinter sich. Da könnte man jetzt meinen, dass der Markt eben schlechte Akteure „bestraft“ und da er sich selbst eben regelt, werden andere ökonomische Akteure die Gunst der Stunde nutzen. Aber dies scheint sich bei näherer Betrachtung ebenfalls als Irrtum herauszustellen, da der Finanz- und Währungsmarkt so eng miteinander verknüpft ist, dass es in dieser Krise des Marktes einen wirklichen Gewinner gar nicht zu geben scheint. China, in den letzten Jahren zur zukünftigen ökonomischen Hegemonialmacht hochgejubelt, verliert mit dem Downgrade der US-amerikanischen Wirtschaft aufgrund der hohen Beteiligung an amerikanischen Staatsanleihen ebenfalls an Status. Sie sind geradezu abhängig davon, dass es nicht noch weiter bergab geht mit den USA.

Welche Problematiken durch die globalisierte und komplexisierte Weltwirtschaft entstanden sind zeigt sich auch am Beispiel der Schweiz, die sich aus der Eurozone traditionell rausgehalten hat. So bekommt der Schweizer Franke eine enorme Aufwertung im Spiel der Währungskurse im Kontext der erodierenden Stabilität des Euros. Dies bedeutet aber für die Schweiz nichts anderes als Deflation, womit die Waren der Schweiz aufgrund des zu hohen Währungskurses für das Ausland viel zu teuer werden. Die Konsequenz, die die Schweiz daraus zieht ist ein Mindestkurs des Euros bei 1,20 Franken, also ein weiterer Eingriff in den Markt, der bei bleibender Tendenz nicht aufrecht zu halten wird. Der Kapitalismus wirkt ohne Ausnahme.

Wir befinden uns also an einem Zeitpunkt, wo dem Markt derart komplexe Strukturen zu Grunde liegen, dass einzelne Akteure nicht mehr dazu in der Lage sind entsprechende Konzepte hinsichtlich der Negativ-Entwicklung zu entwerfen. Der Kapitalismus ist in diesem Zusammenhang nicht nur unkontrollierbar geworden, sondern es scheint auch den kompetentesten Experten an dem nötigen Verständnis zu fehlen und es bleibt nichts anderes übrig als Maßnahmen zu beschließen, die auf nichts anderem als Spekulation fußen. Die Rettungshilfepakete für Griechenland werden geschnürt und auf den Weg gebracht, ob sie die bevorstehende Staatspleite Griechenlands dann verhindern können steht in den Sternen. Man setzt auf die Hoffnung, Vertrauen stiften zu können indem man mit immer größeren Zahlen öffentlich hantiert. Dieses Vertrauen allerdings ist eine völlig abstrakte Größe, niemand kann dieses messen oder ernsthaft prognostizieren, so werden auch die auf das Vertrauen gerichteten Investitionsmaßnahmen geschätzt und mit einer großen Portion Hoffnung garniert.

Gerade in Deutschland wird dann die Krise von den Verantwortlichen klein geredet, was dann angesichts des wahrscheinlich verzögerten Ankommens der Krise in der BRD auch nicht grundlegend hinterfragt wird. Was ist dieses Phänomen aber, was 2008 begann und den letzten Monaten von einem Tiefpunkt zum nächsten Tiefpunkt führte? Es ist eine grundlegende Krise des kapitalistischen Systems, welches gerade versucht sich verzweifelt an die letzten Strohhalme zu krallen. Stellen sich die Milliardenpakete für Griechenland als Fehlinvestition heraus, geht Griechenland trotz aller Register der Wirtschaftspolitik bankrott und die Auswirkungen auf den europäischen Wirtschaftsmarkt scheinen unvorstellbar. Die Eurowährung könnte im Sinne einer Hyperinflation kollabieren und die Folgen wären eine weltweite Krise in der der Begriff Kreditwürdigkeit seinen Sinn verlieren würde.

Doch ist dies natürlich ein Worstcase-Szenario was vielleicht abgewendet werden kann, aber bleibt die elementare Frage nach der Funktionsfähigkeit des Kapitalismus nicht trotzdem bestehen? Muss sich diese Frage nicht vor einem Zusammenbruch eines solchen Systems gestellt werden? Die Möglichkeit des Kollabieren des Kapitalismus hat sich angedeutet, doch ein Sinneswandel, wie es im Kontext von Fukushima durch eine Veränderung der gesellschaftlichen Wahrnehmung statt gefunden hat, von der ist weit und breit nichts zu spüren. Selbst in der antikapitalistischen Linken ist nichts von einem Aufbäumen a la „Jetzt erst Recht“, wir nutzen „die Gunst der Stunde“ Stimmung in der Öffentlichkeit zu bemerken. Ganz im Gegenteil hat man das Gefühl, dass an der alteingesessenen Kapitalismuskritik festgehalten wird und die natürlich richtige Schiene der ideologischen Strukturkritik an den Ungerechtigkeiten des kapitalistischen Schweinesystems der einzige Fokus bleibt. Doch gerade jetzt, wo der pragmatische Ansatz gerade zu einlädt, ist von Seiten der Antikapitalisten nicht mehr zu hören als zuvor. So ist die Situation aber doch geradezu prädestiniert für die Kritik des Kapitalismus in seiner Funktionsweise, dass die z.T. gewollte Unkontrollierbarkeit der Märkte am Ende sich selbst abschaffen könnte, ist kein Lesen im Kaffeesatz mehr, sondern sich andeutende Realität. Dieser pragmatische Ansatz hätte das Potential im Kontext der Krise diskursives Bindungspotential zu schaffen, was dazu in der Lage wäre den Antikapitalismus mehrheitsfähig zu machen und in den Diskurs der Mitte der Gesellschaft einzubringen. So muss der Fokus vielleicht nicht von der ideologischen Kritik verschoben werden, aber zumindest um die pragmatische Ebene grundlegend erweitert werden. Hier sind keine künstlichen Abgrenzungsmechanismen zum Establishment zu bewahren, wenn man ernsthaft vor hat den Kapitalismus zu überwinden.

Diese Kritik richtet sich natürlich nicht nur an die antikapitalistische linke Szene, sondern muss natürlich in Anbetracht des Ausmaßes und der Tragweite der Krise auch von der parlamentarische Ebene gefordert werden. Wie kann es sein, dass die Regierung, aber auch die Oppositionsparteien neben einer fehlenden Transparenz der Wirtschaftspolitik, die natürlich auch durch Ahnungslosigkeit bestimmt sein könnte, die Krise nicht in das Verhältnis zum Kapitalismus an sich setzt? So erwarte ich dies natürlich nicht von der FDP als Inbegriff der Turbokapitalisten, auch nicht von einer CDU, die als Regierungspartei die Zweifel ausgehend von der Krise so gering wie möglich halten will. Ich erwarte dies auch weniger von den Grünen, die ihre Ressorts gerade besser denn je nutzen kann. Von wem ich es erwartete ist von der Linken, die in dieser Thematik eigentlich zu Hause sein sollte, aber aufgrund mangelhafter Professionalität wahrscheinlich gar nicht in der Lage ist einen Diskurs zu initiieren und gerade nicht zuletzt von der Arbeiterpartei SPD, die im Grunde genommen ihre marxistisches Wurzelwerk wiederbeleben könnte. Die SPD, zwar in die Mitte gerückt, betonte in den vergangenen Jahren immer wieder gerne ihre Rolle als Arbeiterpartei, wenn sie es im Rahmen des Wahlkampfes rhetorisch für angebracht hielt. Doch wäre der Anstoß einer Debatte in der breiten Öffentlichkeit unter der pragmatischen Prämisse der kapitalistischen Funktionsfähigkeit nicht nur angebracht, sondern im Rahmen einer demokratischen Transparenz notwendig. Alleine die Vollständigkeit sich dem Thema der Finanzkrise und insbesondere der Eurokrise zu widmen gebietet die grundsätzliche Frage, ob die Marktprinzipien wirklich funktionieren oder sich nicht ein System entwickelt hat, dass im Sinne einer Unbeherrschbarkeit und den damit verbundenen möglichen Konsequenzen nicht seine Legitimität verloren hat. Denn geht man davon aus, dass die Märkte kollabieren könnten, ist der Zweck des Kapitalismus, die allgemeine Wohlstandsmaximierung ad absurdum geführt.

Der Kapitalismus hat am Ende des Horizonts seine Endlichkeit offenbart. Dabei ist es grundsätzlich zweitrangig, ob die aktuelle Krise noch einmal abgewendet werden kann, denn wird die Leitlinie der sich selbst regelnden Marktprinzipien weiter verfolgt ist es nur eine Frage der Zeit bis die nicht mehr abzuwendende Krise kommt. Es muss ein Diskurs entstehen der als Minimum die Deregulierung der Märkte nicht nur in Frage stellt, sondern verurteilt; diese Krise muss bei gesundem Menschenverstand das Ende des Neo-Liberalismus bedeuten. Darüber hinaus sollte die Frage nach der Funktionsfähigkeit des Kapitalismus nicht ausgeblendet werden, sondern sie muss sich zu einem zentralen Diskurs entwickeln an welchem sich die Entwicklung der zukünftigen Wirtschaftlichkeit orientieren kann. Das größte Problem der Kapitalismuskritik ist das Fehlen einer Alternative, die große Stärke muss die Identifikation falscher Entwicklungstendenzen sein. Sollte es gelingen den Antikapitalismus zu einem gesamtgesellschaftlichen Diskurs zu machen, bietet dies vielleicht auch die Chance konstruktive Alternativtheorien zu entwickeln und zu diskutieren.

Person of Interest

Am Horizont des Unterhaltungsfernsehens braut sich etwas zusammen und die Beteiligten versprechen außergewöhlichen Serienkonsum. Jonathan Nolan (Prestige, The Dark Knight), Bruder von Christopher Nolan und Schöpfer der Memento zu Grunde liegenden Kurzgeschichte, die seinem Bruder den Durchbruch ermöglichte, hat seinen Weg in die TV-Landschaft gefunden. Vergegenwärtigt man sich, dass die besten Werke Christopher Nolans auf die geschriebene Mittäterschaft seines jüngeren Bruders zurück zu führen sind, dann kann man nur gespannt sein auf die ersten Schritte Jonathan Nolans als Creator der neuen Serie „Person of Interest“ (Premiere 22.09.2011 auf CBS).

So ist es dann auch kein geringerer als J.J. Abrams (Alias, Lost), der mit all seiner Serienerfahrung als ausführender Produzent diesem Projekt bei Seite steht. Es ist von „Person of Interest“ sicherlich keine Revolution der Serienlandschaft zu erwarten, die irgendwie mit The Wire, den Sopranos oder Brotherhood konkurrieren kann oder will. Was den Faktor Unterhaltung angeht, könnte dieses Projekt aber dann doch mit den Großen der Branche mindestens mithalten können. Auch die schauspielerische Besetzung mit Jim Cavaziel (Der schmale Grat, Die Passion Christi), Michael Emerson (Benjamin Linus bei Lost) oder Kevin Chapman (Brotherhood, Rescue Me, Sons of Anarchy, Mystic River) trüben die Erwartungen in keinster Weise. Für wen die Tiefe eines David Simon (Homicide, The Wire, The Corner, Generation Kill, Treme) nicht eine absolute Voraussetzung für vollkommenes Fernsehvergnügen sein muss, kann die Vorfreude auf einen vielleicht neuen Meilenstein auf den Spuren von Lost u.ä. Serien in den kommenden zwei Wochen bis zum Start der Serie auskosten.


Nixon’s back

Oh, no? Well, listen here, missy. Computers may be twice as fast as they were in 1973, but the average voter is as drunk and stupid as ever. The only one who’s changed is me. I‘ve become more bitter and, let’s face it, crazy over the years. And when I‘m swept into office, I‘ll sell our children’s organs to zoos for meat, and I‘ll go into people’s houses at night and wreck up the place! “ Richard Nixon (3004)

So scheint es sicher, dass Richard Nixon das Böse schlechthin, vielleicht sogar der Leibhaftige selbst ist. Der Mann mit der guten republikanischen Wirkung verkörperte wohl wie kaum ein zweiter den Typus des Machtpolitikers der über Leichen geht, selbst wenn er sie suchen muss wie einst Jiří Štajner den dritten Zweikampf auf dem Weg zum Torschuss. Aber was sagt uns dies über das bedingslose Grundeinkommen?

Es scheinen zwei völlig verschiedene Themen zu sein; der republikanische Satan im Kellergewölbe des Watergate und die quasi sozialistische Idee des Grundeinkommens liegen dann doch so fern voneinander wie ein Friteuse und ein Schokoriegel. Doch in dieser völlig anderen Thematik wurden wir einst durch den Gaumen der ästhetischen Engländer Lügen gestraft, es scheint sich nicht immer alles zu widersprechen was sich auf den ersten Blick gegenseitig aufzulösen scheint.

So spielt die Zeit entweder ein Spiel der geschmacklosesten Art und Weise indem sie uns weismachen will, dass Richard Nixon nix anderes war als ein Kommunist in einem republikanischen Körper oder die selektive Wahrnehmung der Geschichte hat diesem Politiker der Fairness übler mitgespielt als bisher ans Tagelicht gekommen ist.

Nixons bedingungsloses Grundeinkommen

Die USA standen 1970 vor der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Präsident Nixons Plan hätte das Land grundlegend verändert, schreibt Leser C. Johann.

Als der frisch gewählte Präsident Richard Nixon 1969 in das Weiße Haus einzog, blickten seine Landsleute auf ein Jahrzehnt voller Enttäuschungen zurück. Vietnamkrieg, Attentate und Rassenunruhen stellten das Selbstverständnis der Supermacht auf eine schwere Probe. Als fundamentales Problem wurden die rasant wachsenden Zahlen der Sozialhilfeempfänger gesehen. Die Innenstädte waren zu Ghettos geworden für Minderheiten, die abhängig von staatlicher Hilfe ohnmächtig den Zerfall ihrer Familien erleiden mussten. Als nun auch die Löhne der Arbeiter stagnierten, wuchs bei diesen die begründete Angst vor dem Leben als „working poor“: Armut trotz Arbeit.

Nixons Family Assistance Plan (FAP) basierte auf dem Steuersystem. Dank eines komplexen Systems variabler Steuerraten sollte der Anreiz, trotz Grundeinkommen weiter arbeiten zu gehen, erhalten bleiben. Der Plan war bereits seit einigen Jahren von Experten der Demokraten ausgearbeitet worden. Hätte ihn ein Demokratischer Präsident vorgeschlagen, wäre er als größte sozialpolitische Errungenschaft des 20. Jahrhunderts gefeiert worden.

Der Republikaner Nixon aber symbolisierte in den Augen liberaler Demokraten den Feind. Daher blieb ihr Enthusiasmus, ihrer Klientel den FAP zu erklären, gering. Im Gegenteil, immer wieder wurde er absichtlich falsch dargestellt. Die von der Regierung vorgesehene Grundsicherung sei zu niedrig, behaupteten Kritiker: Dabei sah der Plan lediglich vor, einen bundesweit einheitlichen Grundsockel bereitzustellen, der von einzelstaatlichen Sozialhilfen und Erwerbseinkommen aufgestockt werden sollte.

Nachdem das Repräsentantenhaus den FAP mit großer Mehrheit verabschiedet hatte, versandete der Gesetzesvorschlag im Senat. Den Senatoren lag mehr an öffentlicher Aufmerksamkeit und Wiederwahl, als an der Unterstützung für den Plan des politischen Gegners; selbst wenn dieser ihren erklärten Zielen nahe stand. Die öffentliche Gegnerschaft zu Nixon, der lange vor Watergate Persona non grata der Linken war, versprach diese Aufmerksamkeit.

In der Folge erkannten immer mehr Politiker, dass es aussichtsreicher war, auf polarisierende Symbole statt komplexe Lösungsvorschläge zu setzen. Rasch begriff das auch Ronald Reagan. Als kalifornischer Gouverneur konnte er sich auch dank seiner Gegnerschaft zum FAP bundesweit einen Namen machen.

Seine Komplexität und Nixons Politikverständnis ließen den FAP 1970 scheitern. Die Visionen und Versprechen seiner beiden Vorgänger, John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson, hatten die Grenzen des politisch Machbaren immer mehr verwischt. Nixons nüchterner Ton bei der Bewerbung des FAP war nichts im Vergleich zur Verve von Mondflug-Versprechen und Kriegserklärungen gegen die Armut. Vielleicht erinnert sich auch deswegen heute keiner mehr daran.


http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2011-09/Leserartikel-geschichte-usa

Ist Nixon somit nichts anderes als missverstanden oder ist dies nur ein neuer Schachzug des Bilzebubs der seine Rückkehr durch die Hintertür der Zeit vorbereiten will und C. Johann niemand anderes als Nixons guter Freund Morbo, der medial nicht ruhen wird bis Richard Milhous Nixon die Rückkehr in sein ihm zustehendes Amt geschafft hat.

Berühmte letzte Worte

Mein lieber …… , zu sterben ist nicht das Schlechteste was einem passieren kann. Ich bin nun schon drei Tage tot und ich habe tatsächlich meinen Frieden gefunden. Du hast mal gesagt mein Leben hängt an einem seidenen Faden. Nun fürchte ich aber, dass es dein Leben ist, was an besagtem Faden hängt, denn es wird immer ein paar Leute geben, die darauf aus sind deinen Lebensfaden zu kappen, aber dir macht das ja nichts aus. Ich habe fast das Gefühl du brauchst das. Das ist im Übrigen auch der Unterschied zwischen uns. Ich habe immer versucht jeder Form von Ärger aus dem Weg zu gehen, während du den Trouble nicht nur suchst, sondern offenbar auch das Unheil anzuziehen scheinst.

Du hast ziemlich hoch gespielt mein Freund und du bist auch nicht leise dabei gewesen. Ich will damit sagen, man weiß inzwischen, dass du Jemand bist.

Du wirst nicht mehr allzuviel Zeit finden um deine komischen Spielchen zu spielen. Das Leben wird etwas härter für dich werden, aber du wirst es meistern, davon bin ich überzeugt. Bis; tja; bis eines Tages eine neuer …… auftaucht und den Wunsch verspürt aus dir einen Helden zu machen, damit du in die Geschichte eingehst. Du wirst dahinter kommen, dass sie einzige Möglichkeit wieder unter zutauchen, der Tod ist.

Du weißt es selbst mein Junge. Der Westen war mal riesig, grenzenlos und verlassen. Er war so groß, dass man in einem Menschenleben einen Mann den man kannte, nie ein zweites Mal traf. Aber plötzlich kamst du und ich habe das Gefühl plötzlich wurden die riesigen Prärien klein, übervölkert und ich finde man traf jede Person die man kannte zu jeder Stunde wieder.

Vergiß aber eins nicht, dass du heute so leben kannst wie du lebst, verdankst du auch der Zeit, wo ein Pistolenschuss noch jedes Problem lösen konnte und damals waren Leute wie ich hier. Inzwischen ist das Land größer geworden und damit ist auch die Gewalt gewachsen und hat sich organisiert. Wenn man nachdenkt kommt man dann zu dem Schluss, dass Leute wie ich gehen müssen. Vielleicht bin ich müde geworden, aber es ist nicht wahr, dass die Jahre weise machen, sie machen alt. Ich hoffe, dass du noch ein oder zwei Leute triffst, die die gleiche Blutgruppe haben wie du.

Naja, was soll ich noch sagen? Freundschaft scheint mit der Entfernung zu wachsen und eine Trennung verbindet nur noch mehr. Du bist zwar ein Junge, der mitten im Leben steht, aber trotzdem ein Tip, solltest du mal bei einem Babier sein, vergewissere dich mein Junge, dass in dem Kittel auch immer der Richtige steckt.

Ich bin froh, fast erleichtert, weil ich weiß, dass du bleibst. Vielleicht sehen wir uns nochmal irgendwann, irgendwo wieder. Bleib gesund mein lieber Junge.

Jack Beauregard (1973)

Sog. Islamkritik im Schatten von Menschenverachtung

Kann der Islam als Religion kritisiert werden? Natürlich, gerade aus meiner atheistischen Position fällt mir das noch nicht einmal schwer. Bedient man sich einer feministischen oder GenderPosition muss insbesondere die Rolle der Frauen im Kontext der Quellen und Bräuche (z.B. Burka) ebenfalls grundlegend kritisiert werden. Der Islam und seine verschiedenen Ausformungen bleiben Gegenstand einer angebrachten und z.T. notwendigen Kritik um auch auf gesellschaftliche Problemfelder besser reagieren zu können. Dabei bleibt der Islam allerdings ein Faktor und wird nicht zu einem monokausalen Ursachenprinzip. Millieubedingte und ökonomische Erklärungsansätze, die ein Prekariat von Bildung und Einkommen in das Verhältnis von gesellschaftlichen Schwierigkeiten setzen und somit konstruktive Lösungsansätze sowie eine vollständige Betrachtung der Problematiken bieten bleiben unerlässlich und dürfen nicht ignoriert werden.

Aber geht es den sog. Islamkritikern wirklich um die konstruktive Kritik an einer Religion? Die Lösung in den einschlägigen Foren und Blogs ist klar, der Islam muss verschwinden und zwar mindestens aus Deutschland und Europa, aber eigentlich sogar auf der ganzen Welt. Es sei eine faschistische Ideologie, keine Religion; hier werden zwar Definitionen konsequent ignoriert, aber mit einer „Degradierung“ zu einer Ideologie gestaltet sich eben das Verbieten auch gleich leichter.

Was unterscheidet allerdings einen islamkritischen Menschen von einem der sog. Islamkritiker? Es ist die Angst vor der Islamisierung Europas, man könnte von einer Phobie des invasierenden „Muselmanens“ sprechen, man könnte von Islamophobie sprechen. So werden dann demographische Charakteristika zu nichts anderem als einem schleichenden Dschihad und Multikulti ist der Anfang vom Ende, die Scharia quasi schon eingeführt. Das in diesem Kontext die Konsistenz z.B. des deutschen Grundgesetzes einfach ignoriert wird, interessiert den sog. Islamkritiker wenig, denn der Islam wird seinen Weg schon finden, dass hätte die Historie bewiesen.

Interessant aber in dieser Hinsicht ist letztendlich die Motivation zu dieser Islamkritik. Es handelt sich hier allzuoft um nichts anderes als der Angst vor Überfremdung, den Verlust der völkischen Identität. Multikulti als Zustand der sich auflösenden Heimat, den es nicht nur zu verhindern gilt, sondern gar zu revidieren. Dabei ist es dann egal mit welchen Mitteln dies geschehen muss, die Perspektive auf die allgemeinen Menschenrechte, auf die Demokratie beginnen zu verschwimmen. Es werden Abschiebungen gefordert, nicht nur für hier geduldete Menschen, sondern für Angehörige des Kollektivs Islam per se, die zweite und dritte, hier geborene und aufgewachsene Generation habe nicht das Anrecht hier zu leben, schließlich habe sie niemand eingeladen zu bleiben. Es wird offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen, Menschenrechtsverständnis und Autokratie wird in der islamischen Welt (in Teilen durchaus zu Recht) angeprangert, allerdings in seinen eigenen „Lösungsansätzen“ negiert, Wahlrecht u.ä. zu einem Privileg der „einheimischen“ Kulturangehörigen. In diesem Zusammenhang wird, wenn man schon mal dabei ist, auch gleich noch ein Kulturelitarismus par exellence geschürt, völlig inkonsequent aber zweckdienlich. So werden die Kulturen (als Schutz vor dem Rassismusvorwurf wird das Wort Rasse möglichst gemieden) nach ihren Errungenschaften bewertet und in eine Reihenfolge gebracht.

An erster Stelle stehen natürlich die westlichen Zivilisationen, mit der Aufklärung, dem Rechtsstaat, dem Liberalismus und natürlich zu guter letzt der Demokratie hat das Abendland seinen Wert mehr als deutlich herausgestellt. Da die sog. Islamkritiker aber gar keine Rassisten sind, findet sich im asiatischen Raum auch noch die ein oder andere Hochkultur, was am Ende für Afrika und den Islam (plötzlich wird daraus eine Kultur, erst Ideologie, jetzt Kultur, aber in diesem Kontext nur Araber zu benennen könnte angreifbar werden, also wirds zu einer übergreifdenden Kultur) nicht mehr reicht.

Auch hier erkennen wir dann das krude Verständnis von Elite, denn diese westlichen Errungenschaften müssen gar nicht inhaltlich vertreten werden. Es genügt in dieses Privileg geboren zu werden. Via Kulturzuhörigkeit werden die besseren Menschen von den schlechteren Menschen unterschieden, dabei dient das Instrument der Islamkritik einzig und allein dazu den schlechteren Menschen einen Rahmen zu geben. Damit aber noch nicht genug, da die (Rechts-)Quellen des Islams „studiert“ sind, ist es dem sog. Islamkritiker möglich das Denken und Handeln jedes Muslims zu bestimmen, es steht folgendermaßen geschrieben, so hat sich dann der Muslim an sich zu verhalten, äußert sie/er sich anders ist dies dann nichts anderes als die Lüge gegenüber dem Ungläubigen aus der noch schwachen Position. Ein einfaches und sehr genehmes Weltbild, entweder sie sind böse im Zeichen ihrer Religion, pardon Ideologie oder wenn sie kritisch oder gleichgültig mit dem Islam umgehen belügen sie „uns“ eben; sie werden einer eigenen Meinung beraubt, der Islam verbleibt als ihre einzig gültige Definition, der sog. Islamkritiker wird zur Definitionsmacht.

Was bedeutet ein solches Verständnis dann aber in seiner Konsequenz? Es ist nichts anderes als die Entmündigung des muslimischen Individuums. Muslime werden zu religiösen Befehlsempfängern degradiert, ihnen wird der freie Wille qua Religionszugehörigkeit abgesprochen. Geht man davon aus, dass es der freie Wille ist, der den Menschen als Menschen definiert, kann man sukzessiv sagen, dass die sog. Islamkritiker die Muslime entmenschlichen und das scheint auch sinnvoll zu sein, denn so kann sich der Kreis schließen, die allgemeinen Menschenrechte werden als Beweis der eigenen kulturellen Überlegenheit präsentiert, sinngemäß zwar auf partielle Menschenrechte reduziert, doch vergegenwärtigt man sich die angesprochene Entmenschlichung der Muslime verschwindet dieser Widerspruch wie von Geisterhand und die Verwehrung von Menschenrechten wird im kruden Weltbild der sog. Islamkritiker nichts anderes als logisch und legitim. Doch zeigt dies nicht nur die Zweckentfremdung von Religionskritik als Rechtferigung eines unbegründeten Überlegenheitsdenkens, sondern offenbart die menschenverachtende Qualität hinter der Fassade eines angeblichen Tabuthemas.



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. google.com (5)