Archiv für Dezember 2009

Die andauernde Krise der deutschen Fernsehlandschaft

„What fucking kind of human being am I, if my own mother wants me dead?“
Tony Soprano

Sopranos, Curb your Enthusiasm, Deadwood, Band of Brothers, The Wire u.v.m. (alles HBO), sowie Showtime Serien wie Weeds, Californication und Brotherhood; alles hochqualitatives Fernsehen.
Ok diese Produkte entspringen in den USA aber auch einer ganz anderen Kultur, der Pay TV Kultur, könnte man meinen. Doch auch das nicht – bezahl Fernsehen Amerikas, also Sender wie FX, AMC und auch FOX zeigen, dass mit Breaking Bad, Mad Men, The Shield, Damages, Simpsons oder Family Guy hochwertiges Fernsehen nicht alleine von einer entwickelten Pay – TV Kultur abhängig sein kann.
All diese Serien bestechen entweder durch großartige Plots, ausgefeilte Charaktere, gesellschaftlichen Anspruch (i.S.v. Kritik an der amerikanischen Gesellschaft) oder einfach auch nur durch Humor und manchmal sogar alles zusammen.

Warum aber scheint nichtmal ein Ansatz einer solchen Serienkultur in Deutschland zu existieren? Gut umgesetztes Fernsehen, also gelungen und vielleicht sogar innovativ adaptierte Serien gibt es zwar, vor allem mit Stromberg (Originalidee: The Office) oder Pastewka (Originalidee: Curb your Enthusiasm); bleiben aber doch in der Minderheit. Nun könnte man meinen, dass es zunächst reichen würde die genannten Serien einzukaufen und in Deutschland auszustrahlen, auf der einen Seite würde dadurch allerdings die mediale Reflexion auf die eigene Kultur verloren gehen und auf der anderen Seite werden diese Serien sowieso unzureichend bis gar nicht in Deutschland ausgestrahlt.
Apropos „Auf der anderen Seite“, im Bereich der Filme scheint eine eigene und innovative Kultur möglich zu sein. Fatih Akin z.B. hat mit seinen Filmen bewiesen, dass sich auch Themen mit deutschen Kulturkontext unterhaltsam, bewegend und anspruchsvoll umsetzen lassen.
Dies negiert also eher die Vorstellung, dass gar kein Potential an Ideen vorhanden sei. Eine Serie zu entwickeln, die sich seriös Migrationsproblemen, Kriminalität, jugendlicher Entwicklung o.ä. widmet und dies in den Kontext einer Großstadt, wie Berlin setzt, sollte durchaus möglich sein.

Was allerdings veranstaltet das deutsche Fernsehen in dieser Richtung? Voyoristische Reality – Doku – Soaps.
Auf der Suche nach kreativem eigenproduziertem Fernsehen verliert man in Deutschlands TV – Landschaft, zwischen Richter“Dokus“ mit Anti – Darstellern (selbst diese sind Adaptionen schlechter amerikanischer Fernsehformate) und Soaps mit der Authentizität eines Pazifisten in der Hamas, den Glauben an jegliche ehrliche Konstruktivität. Es scheint, dass Produktionskosten in Relation zu Einschaltquote und Werbeeinnahmen als einziger Bewertungsfaktor zu Rate gezogen werden und im derzeit vorhandenen Rahmen als völlig ausreichend angesehen werden.
Wessen Fehler dies nun ist, bleibt ein kleines Fragezeichen; gibt es in Deutschland vielleicht einfach gar keine Zielgruppe, aufgrund dessen hochwertige, anspruchsvolle Produktionen überhaupt erst rentabel wären? Hört man sich um, fällt allerdings schon auf, dass mindestens in studentischen Kreisen ein Mindestmaß an amerikanischen Serienwissen vorhanden zu sein scheint, was die Hoffnung auf die Existenz einer solchen Zielgruppe und damit auch ihre zukünftige Berücksichtigung nährt.

Medwedew setzt sich Kritik aus

Der russische Präsident setzt sich bei einer Jahresbilanz mit kritischen russischen Medien auseinander.

Es geht also doch mit sachlicher Berichterstattung bezüglich russischer (Führungs-) Politik.
Demokratiedefizite und Korruption sieht also nicht nur das westliche Ausland, sondern sogar die russische Führungsebene selbst. Es wird auch die Kaderfrage aufgegriffen, die einen Bezug zur surkowschen Souveränen Demokratie, über den Modernisierungswillen hinaus, nochmals verdeutlicht.

Dass die Kritik von den Staatssendern geäußert wird, spricht für (sich) eine wiederaufgenommene Demokratisierung hinsichtlich der vergangenen Gleichschaltung im Kontext des Oligarchieproblems.
Sollte es westlichen Medien noch gelingen die Dämonisierung Putins zu überwinden, scheint eine neutrale, differenzierte Berichterstattung über Russland vielleicht doch möglich zu sein.

Dieter machet nochmal

Da schaffen es die Wolfsburger dann doch wieder, nach hahnebüchenen Personalentscheidungen, wie Felix Magath, setzen sie ihre Tradition nun à la Strunz und Fach fort.

Dieter Hoeneß wird neuer Vorsitzender der Geschäftsführung!

Danke Wolfsburg und ich lob jetzt einfach mal den Tag vor dem Abend. Ihr schafft es nach zwei „Magathschen Chaosjahren“ wieder zurück in die Versenkung. Das viele Geld hat euch davon früher ja auch nicht abgehalten.

In diesem Sinne;
Hoch das DVD – Scouting, weitere so mutige Personalentscheidungen (was macht Erich Ribbeck eigentlich?) und auf zukünftig wolfsburgfreien Profifussball.
Ihr könnt es schaffen, ich glaub an Euch.

Das Dilemma autonomer Identifikation

Das Gebäude ist besetzt.

Das erste Plenum beginnt; Strukturen, Konzepte, Identitäten sind nicht vorhanden, sie sollen sich jetzt finden. Wie soll der Protest aussehen, basisdemokratisch oder nach Mehrheitsbeschlüssen konsolidiert, moderat oder radikal, ist es eine Besetzung oder ein vorübergehendes Bleiben? Alles eine Frage der Einstellungen, Ideologien, Bereitschaften und wahrscheinlich am Ende der bereits vorhandenen Lager.

Inhalte und Aktionsformen sollen diskutiert werden, doch die Skepsis zueinander bestimmt diese ersten Stunden. „Linker Hahnenkampf ist Urscheisse“ steht nun plötzlich an der Tafel und verschwindet ebenso eilig wieder. Die Ablehnung der lokalen Presse, welche unter einem Ultimatum zur Stellungnahme auffordert, entzündet bereits den alten Widerspruch in linken Protestformen.

Man müsse auf die Öffentlichkeit zugehen, Presse müsse gefüttert werden, sonst werde man in einem schlechten Licht dargestellt, sagen die Einen.

Man dürfe nicht mit dem System kooperieren, welches man bekämpft, sagen die Anderen.

Zur eigentlichen voraussehbaren Konfrontation kommt es so nicht einmal. Die Konfliktlinie zwischen den tendenziell radikaleren Aktionisten und den moderaten Streikenden. Der Protest plätschert folgend vor sich hin, findet weder Identität noch Zugkraft und wird ein weiteres Mal ohne Nachhaltigkeit verschwinden.

Wie so oft zeigt sich an diesem Beispiel die Unvereinbarkeit innerhalb linker Strukturen.
So ergibt sich eine Konfliktlinie zum Thema Gewaltbereitschaft in fast allen Themen linker Proteste. Die Autonome Bewegung sieht Gewalt als notwendiges Mittel, was im Sinne von Kontraproduktivität von anderen Aktivisten abgelehnt wird und schließlich zu einer Ablehnung und Spaltung untereinander spätestens bei Aktionen selbst führt.
Da hat es die Autonome Bewegung schwer, welche Themen schreiben sie sich und werden ihnen denn schon auf die Fahnen geschrieben, der Antifaschismus und früher sicherlich noch die Hausbesetzungen. Hauptsächlich allerdings wird ihnen immer wieder sinnloser Krawalltourismus vorgeworfen.
Dabei ist es doch klar, dass bei Zurückweisung des herrschaftlichen Anspruchs des staatlichen Gewaltmonopols, die Militanz auch ein identifikatorisches Kernstück für die Autonome Bewegung darstellt. Dies soll keine Legitimation eines Selbstzweckes von Gewalt sein, soll aber neben der emotionalen Reaktion auf staatliche Repressivität, den Kontext von Gewalt als autonomes Mittel einordnen. So ist die Solidarität und inhaltliche Übereinstimmung mit linken Protesten (ob nun Ökologie Anti- AKW, -Globalisierung, -Kapitalismus oder Gentrifizierung) von autonomer Seite meist gegeben, wird dann aber des Öfteren gar nicht gewünscht.

Was zu der Frage führt, ob andere Bewegungen einen alleinigen Anspruch auf die jeweiligen Proteste haben? Es gibt auf jeden Fall Beispiele, wie die Blockaden des G-8 in Heiligendamm oder auch die Castor – Transporte, bei denen alle Bewegungen, einschließlich der Autonomen, an einem Strang ziehen konnten.
Schlussendlich werden sich zwar an der Gewaltfrage immer wieder die Gemüter erhitzen, doch sollten beide Seiten versuchen Kompromissbereitschaft aufzubringen und ihre Kräfte für den einzelnen Zweck zu bündeln und nicht aufgrund von Klischees Ausschlussprinzipien verfolgen, die die Ziele am Ende weiter in die Ferne rücken lassen.

Aus dem Tagebuch keines katholischen Hochstaplers

por Don Diego del Pedro Cabrón

Am Ende marschierte ich wieder. Sieben Jahre lang hatte ich mir die Füße wund gelaufen, habe sie Frost, Entzündungen und Flechte erleiden, sie durch schwefeligen Morast und schlingendes Moor waten lassen, hatte sie in zu enge Stiefel gezwängt, sie gestaucht, verletzt und gebrochen. Alles, um sie nun erneut für sinn- und endlos lange Tage als Lastesel meiner Selbst, meiner zertrümmerten Seele und deren löchrig ledriger Hülle einzuspannen.
La guerra le roba el alma al guerrero. Ya eres muerto tan pronto como partas para la batalla.Tot.
O Dios, welch beneidenswerte, süße Gestalt für einen Krieger! Hättest du mich doch bereits zu Dir geholt, piadoso Padre, mich in deine liebenden Arme geschlossen, mich gehalten und mir Trost geschenkt!

Die Sonne stand hoch, brannte mir auf Schädel und Schultern. Ich konnte nicht sagen wie lange ich schon durch diese gottverlassene, leblos starre sierra marschierte. Bedeutungslos. Vielleicht hielt ich noch einen oder zwei Tage durch, spätestens dann bliebe ich neben einem dieser hässlichen, braunen Steine liegen, würde gleich glimmender Kohle verglühen und schließlich erlöschen. Fern der Heimat, der einsamste Tod imaginable.

Taub und trocken der Gedanken an mein baldiges Hinscheiden an diesem verfluchten, gottlosen Ort nachhängend und in diesen kaum Trost und Labsal findend, bemerkte ich, dass am Horizont eine Gestalt auftauchte.
Das flimmernde, gleißende Licht der sol del mediodía spielte dem suchenden Auge in der Ödnis del desierto zuhauf Streiche; doch dieses Mal waren es keine ilusiones del diablo!
Die Gestalt kam näher. Ich konnte an der Art seines kräftigen Schrittes einen Mann von großem Wuchs erkennen. Er trug oder zog irgendetwas Schweres hinter sich, vielleicht ein Maultier oder eine Droschke. Quién andaba aquí mit einem Karren oder seinem Esel entlang? Ich verspürte eine seltsame Furcht vor jenem Fremden.
Weiter gingen wir aufeinander zu. Ich erblickte sein Haar, seine Kleidung und das Antlitz, die Züge des caballero

y me estremecí…!

Dieser Riese, so grässlich en su presencia estaba, wie er entsetzlich anzuschauen war: Vollkommen mit Haaren bedeckt, in Manier eines wilden Tieres, una bestia, trug er in der Linken einen Schild aus schwerem und festem Eisen. Auf seiner Brust prangte la cruz des heiligen Sohnes. In seiner Rechten hielt er das Bild einer Frau, gemeißelt in lichthellen Stein, die von solcher Schönheit war, dass es mir das Augenlicht trübte. Aus ihrem Bildnis schossen mehrere Blitze von fuego, die den Körper eines Mannes, den der Wilde gewaltsam hinter sich her zog, alle paar Schritte in Form von peitschenden Flammen in Brand setzte. Diese torturada alma ächzte unter den wuchtigen Feuerstößen und beschwor betend und im Takt seiner Folterschläge:
„Im Glauben, lässt es sich erleiden.“ La Fé.
Und als wir uns auf gleicher Höhe begegneten, die Wege kreuzten, sprach er zu mir in tödlicher Angst:
Caminante, por Dios, ich bitte dich, folge mir und hilf einem, der in solch furchtbarer Pein der ayuda einer barmherzigen Seele bedürftig ist!“
Ich, der ich in diesem Moment mehr Grund mich zu fürchten als rechten Verstand um zu antworten besaß, blieb stehen und überlegte. Mi coracon hacía saltos; es schien als ob Gott, der wahrhaftige Vater mir in den Leib gefahren, mein Herz zum Bersten gefüllt; Oh, ich spüre seine unendlich große, alles überschattende Liebe…Sííííí! Dios mío, ya estaré en el paraíso???

Mais non“, quakte der langhaarige Wilde, der seinen Gefangenen lustsam eng führte. „Rien n‘est beau que la vrai, n‘est-ce pas?“. Und er hielt sich den Bauch und lachte so fürchterlich laut und froschig nauséeux, dass sich sein Kinn bis zum Hals blähte und sein Gelächter in ein rauschendes, Ohren betäubendes Getöse verwandelte.

Ay ay ay“, seufzte ich ein letztes Mal, „esto ha de ser el infierno del que me hablaron toda la puta guerra santa.“

datiert irgendwann im Januar 1492, im Spanien der Reyes Católicos.

Jetzt wirds´aber Zeit!

So langsam ist es an der Zeit sich Gedanken zu machen, wo man denn den 21.12.2012 verbringt. Ja genau an diesem Tag wird die Welt nun wirklich untergehen, sprich dies ist der Tag nach dem nun wirklich nichts mehr so sein wird, wie es einmal war.
Ich habe gerade mal im Innernet geforscht und kein pauschales Reiseangebot der Tourismusbranche finden können- also ab in die Marktlücke. Mit Frühbucherrabbatz schicken wir die Leute an einzigartige und exklusivste Super-Weltuntergangs-Beobachtungsorte. Für jeden sollte was dabei sein. Vielleicht ne beschwerliche alpine Bergsteigertour für nen guten Aussichtspunkt, oder einfach nur diverse Strandliegen auf Malle für einfachere Gemüter vorbuchen…? Die Gedanken sind auch hier frei und der Kreativitätät wiedereinmal kaum Grenzen gesetzt (PLENUM).
Also ich wittere hiern dickes Geschäft für 2 letzte fette Jahre, bis dann alles vorbei is`, zumindest für die von euch , die kein Platz, gleich welcher Kategorie, auf der dann bereitstehenden Arche ergattern konnten.
Allen Skeptikern dieses omnipräsenten Ereigneisses empfehle ich diese Liste, aber dass mir keiner kommt und jammert, wenn ihm oder ihr der letzte Wind durch die offene Hose um die Ohren weht. http://www.unmoralische.de/weltuntergang.htm…und wech

Putin – naiv, machthungrig oder doch vorausschauend?

Russland:
Demokratisierung oder nur Propaganda?

Wirklich Neues, außer einer gewissen Polemik, scheint der oben verlinkte Beitrag zunächst nicht zu transportieren. Medwedew und Putin ziehen am gleichen Strang, vertreten ähnliche bis gleiche Positionen, das ist nicht gerade eine neue oder erkenntnisreiche Information und ist aber auch ebensowenig ein Indiz für die implizit mitschwingende Einordnung Medwedew’s als Marionettencharakter.
So ist die Unterscheidung bei Medwedew und Putin in die klischeebehafteten Good- und BadGuy Kategorien eine eher weniger konstruktive Einschätzung von Personen oder Ämtern, auch wenn diese Außenwahrnehmung bezüglich der internationalen Diplomatie natürlich durchaus seinen Stellenwert hat. Zudem wird hier eine Diskrepanz zwischen den Modernisierungsvorstellungen beider Politiker aufgemacht, welche sich meiner Kenntnis entzieht, da beide eine dezedierte Industrie- und Technologiepolitik, basierend auf Wladislaw Surkow’s Ideen der „Souveränen Demokratie“ anstreben.
So wird es relativ schnell klar, wenn man sich näher mit der Thematik beschäftigen konnte, dass die Modernisierung Russlands und die damit verbundene Bestrebung seine Abhängigkeit von den Energieressourcen zu minimieren, bereits unter der Präsidentschaft Putins verfolgt wurde. Da die „höchstens konservativen Erneuerung“ durch den Beitrag auch nicht weiter erläutert werden, gehört diese Einschätzung des Beitrages meinem subjektiven Empfinden nach in den Bereich der Polemik.

Die Aussagen Medwedew’s in puncto Versäumnisse aus alten Amtszeiten (die der Beitrag gar nicht nennt) wiederum müssen von zwei Seiten betrachtet werden, auf der einen Seite als Emanzipation zu seinem starken Vorgänger Putin, gerade aufgrund des oft von außen zugeschriebenen Marionettenstatusses, auf der anderen Seite darf der Kontext der Finanzkrise nicht außen vor gelassen werden, der natürlich ein Hemmnis in der russischen Entwicklung darstellt.

In neuerer Literatur wird die russische Führungsstruktur auch als Tan-Demokratie eingestuft, was den dualen Charakter durch die beiden Führungspersönlichkeiten verdeutlichen soll, daher ist die Übereinstimmung der Inhalte, die in dem vorliegenden Beitrag illustriert werden keineswegs überraschend, beide Ämter in Kombination bestimmen nunmal seit Beginn der Medwedew – Ära den russischen Politikurs.

Die angesprochenen Defizite im Bereich der Demokratisierung Russlands dagegen sind nicht zu negieren. Verdeutlicht man sich die Situationen der neunziger Jahre unter Jelzin, die sog. „Chaos – Zeit“, ohne realistische Möglichkeiten von demokratischer Politikumsetzung, sowie die autoritären Maßnahmen Putin’s vor allem in seiner ersten Amtszeit zur Wiederherstellung von Regierungsfähigkeit und Rechtsraum (die Entmachtung der Oligarchen, die Vertikale der Macht, mediale Gleichschaltung, sowie der Umgang mit oppositionellen Parteien), ergeben sich elemantare Demokratiedefizite, gerade hinsichtlich der Gewaltenteilung.
Man könnte durchaus sagen, dass die Russische Föderation was ihren Fortschritt der Demokratisierung angeht noch in den Kinderschuhen steckt und im Prinzip erst ab der zweiten Amtszeit Putin überhaupt willig ist einen demokratischeren Weg einzuschlagen und diesen dann allerdings trotz alledem noch der russischen Souveränität unterzuordnen. So sieht Surkow seit einer gewissen Zeit den Schritt weg von repressiven Methoden als notwendig an, um die auch in seiner Vorstellung stabilste Herrschaftsform, also Demokratie in Kombination mit einer Zivilgesellschaft Schritt für Schritt zu etablieren.
Aufgrund der tendenziellen Top – Down Initialisierung von regierungstreuen Zivilgesellschaftsstrukturen und dem Stellenwert russischer bzw. kremlscher Souveränität (Bsp. NGO – Gesetz) kann die Frage nach dem Anteil von Propaganda nur schwer eingeschätzt werden, was nicht heisst, dass in einem demokratieunerfahrenen Staat, wie Russland, nicht trotzdem in Richtung Demokratie gedacht wird, auch wenn sie einen eigenen, russischen Weg anstreben.
Die wirklich interessante Nachricht dieses Beitrags war die mögliche Kandidatur Putin’s für das Präsidentenamt 2012. Hatte Putin doch nach der letzten Duma – Wahl die notwendige 2/3 Mehrheit um eine dritte Legislaturperiode anstreben zu können. Falls er sich aufgrund der zu erwartenden westlichen Kritik dagegen entschlossen hatte, wird eine erneute Kandidatur nicht plausibler, da er immer noch an seinem Ruf als „Anti – Demokrat“ im internationalen Rahmen gemessen werden würde und dies letztendlich für Russland im Sinne von internationalen (Wirtschafts-) Beziehungen tendenziell zum Nachteil gereichen würde.
Wenn Putin sich das Präsidentenamt 2012 erneut sichern würde, kann man zumindest von einer Fehlinterpretation hinsichtlich der optimistischen Einschätzung über die Aufwertung des Ministerpräsidentenamtes durch Putin als Amtsinhaber und die damit verbundene Stärkung der parlamentarischen Ebene gegenüber des verfassungsmäßig mächtigen Präsidentenamtes ausgehen.

Silvio, hast du sowas verdient?

Da versucht Italiens Bester seit Jahren einfach nur durch Bodenhaftung, Understatement, Altruismus und jeglicher Art von Fairness von sich Reden zu machen

und dann das:

Ein feiger, hinterrückser Angriff auf eine Politlegende, einen wahren Staatsmann, manche sehen ihn gar als einen Rockstar des Volkes.

Immer wieder wurden Kampagnen gestartet die sein Image, seine Handlungen und letztenendes ihn selbst auf Augenhöhe mit der untersten Schublade versucht haben zu diffamieren und ihn damit in das Fadenkreuz von verwirrten, leichtgläubigen Staatsfeinden gerückt haben.

Da konnte es nur eine Frage der Zeit sein,
bis „Ein terroristischer Akt“ [… geschehen würde]

Vertreter des regierenden konservativen Lagers machten ein „Klima der Konfrontation“ gegen Berlusconi für den Vorfall verantwortlich. Umberto Bossi von der Lega Nord, Berlusconis Koalitionspartner, sprach von einem „terroristischen Akt“.

Dies hat ein lupenreiner Demokrat mit seinen Verdiensten nun wirklich nicht verdient.
Da kann man nur hoffen, dass der flexible Rechtsstaat Berlusconischer Prägung eine passende Antwort auf eine solche Schreckenstat findet und die knappen medialen Ressourcen des Ministerpräsidenten ausreichen, um im Namen von Wahrheit und Gerechtigkeit die kleinen Teile von fehlgeleiteter Bevölkerung auf den rechten Weg zurückzuführen.

Bis dato sollten sich diese italienischen Staatsbürger, welche Silvio’s Staat im Sinne des Demonstrationsrechtes nur als Bühne mißbrauchen, die Frage stellen, ob durch eine derartig manipulative Öffentlichkeitsdemagogie nicht die Grundlage für quasi moralbefreite Räume geschaffen wird, die abscheuliche Taten wie diese überhaupt erst möglich machen.

In diesem Sinne steht mal wieder ein ganzer Batzen an reformerischer Schwerstarbeit für Italien‘ s Cavaliere del Lavoro (Ritter des Ordens der Arbeit; verliehen 1977) an, bedenke aber „chi pecora si fa, il lupo lo mangia“ und auch wenn Berlusconi sicherlich durch die Unschuld des Lammes gekennzeichnet ist,
kommt er wohl nicht umher erneut den Isegrim mimen zu müssen,

um sich gegenüber anti-demokratischen Kräften, wie Bevölkerung oder dem
italienischen Verfassungsgerichtshof u.a. in puncto Immunitätsgesetz,
unabhängig und frei verhalten zu können und damit nicht nur seine Art von Politik fortzuführen, sondern darüber hinaus in der Lage zu sein menschenverachtende Attentate, wie diesen Angriff auf Berlusconi selbst, bereits vor ihrer Ausführung unter Strafe zu stellen.

Zinédine

Ich finde, da noch keine Person in der Kategorie Sport seine Erwähnung bekommen hat;

Ehre wem Ehre gebührt

Da es durch seine beendete Karriere wahrscheinlich erstmal keinen Anlass mehr geben wird ihn zu würdigen, möchte ich das hiermit tun.

Der letzte grosse 10er

Zinédine Zidane

Nebenbei:

Vielen Dank und Glückwunsch an die Organisatoren der VV. Rundum gelungenes Ding, mit guten bis tollen Redebeiträgen: konstruktiv, informativ und motivierend. Hoffe, daß die einzelnen Aktionen genug Mitstreiter finden und es eine erkennbare Vernetzung von Leuten in prekären Lebens – und Arbeitsstrukturen geben wird. Für soziale Unruhen ( vlt. kann dabei das ein oder andere KFZ verschont bleiben!)…Gründe jibts jenuch! Und wech

Immer noch ein bischen Hertha

Und mitten drin steht sie, die Alte Dame aus Berlin. Einsam fröstelnd, knietief im Morast und mutlos nach Halt suchend im bitterkalten, pechschwarzen BuLiwinter. Niemand und Nichts sind mehr da. Sie ist wahrlich, wie sie selbst feststellt: JWD. Janz weit draussen. Auch wenn sie nicht gänzlich allein frieren muss, so haben ihre nächsten Leidensgenossen doch zumindest ab und an Zeit für ein wenig Rast, um mal zu verschnaufen und in das selten durchsickernde Tageslicht zu blicken. Das fördert das Wohlsein und schafft Seligkeit.
Der Alten Dame bleibt dieses Privileg verwehrt: Mit beiden kraftlosen, knochigen Händen um letzte Strohhalme geklammert, sieht sie nur das spärlich schimmernde Licht der roten Laterne.

Ihren Stolz hat sie abgelegt, wie einen alten Mantel, der nicht mehr (zu ihr) passt. Ihre noch im Sommer höchst gegenwärtige, jugendlich-frische Lust, ihre Verliebtheit (auch in sich selbst), verlor sich in der Wirklichkeit des gnadenlos darwinistischen Kampfes um GELD.MACHT.SCHWEIZER KÄSE. Ein langes, berauschendes Sommerfest und nun ein fürchterlich hilfloser und ungelenker Tanz auf dem Eis.
Eine alte Dame, ohne Mantel und mit gesenktem Haupt steht immer noch am Rande des winterlich gefrorenen Sees, der Kristallarena, während die anderen fort gleiten, rutschen, schliddern oder robben. Alle irgendwie in Bewegung, um ans andere, rettende Ufer zu gelangen. Bis zum Frühjahr müssen sie es geschafft haben. Dann setzt der Tau ein und die Scheiße, durch die es dann nunmehr sinnlos und gedemütigt, mit letzten Zügen zu schwimmen gilt, kommt zum Vorschein.

Nein, all das ist der Alten Dame nicht würdig. Viele betrachten ihre missliche Lage mit Häme, Spott und Hässlichkeit. Sie haben, so behaupten sie, die alte Hertha noch nie gemocht und ihr familiärer Anhang bestünde vor allem aus faschistischen Arschlöchern. Arrogant sei sie im Sommer herumstolziert, sich selbst feiernd und dies unangemessen laut und nicht besonders damenhaft.

Mag alles stimmen.

Und doch verspreche ich dir, du altes, kränkelndes Weib, dass ich bei dir bleibe, auch in Zeiten der Cholera.
Ich ertrage deinen Violeta-Mief, ich halte dein armseliges Unterkleid hoch, der letzte Rest der dein schlotterndes Gerippe zu bedecken sucht, damit es nicht weiter beschmutzt und besudelt wird und – um das größte, fetteste und schwerste Opferlamm, das ich für dich zum Altar trage zu zu ächzen – ich schaue dich weiterhin an.

Ich werde nicht behaupten, dass ich dich liebe, denn das tue ich, habe ich nie getan.
Ich werde auch nicht behaupten, dass du schön, attraktiv und mondän wärst, wie es uns dein langjähriger, unanständig unvermögender Patenonkel so lang glauben machen wollte.
Du kannst hässlich sein und schwach und alt.
Das Schicksal, das verfluchte, schöne Berlin, die Heimat, hat mir deine Hand einst gegeben. Ich werde sie nicht los lassen, mögest du noch so sehr stinken, verblühen und veröden.
Ich werde sie drücken.
Immer ein bischen hertha.

Alles beim Alten

Wenn die ersten Vögel zwitschernd den neuen Tag anklingen lassen, das schrille Scheppern des Glases in der Zimmertür noch nachhalt und die Alkohol- und Liebestrunkenen den Lattenrost des Bettes zum knarzenden Xylophon der Lust empordeuten, ja dann heißt es womoglich bald schon wieder: Verdammt Kondom „vergessen“. Vielleicht haben sich einige penistragende Wesen unter euch ja schon mal gefragt, warum bei ihnen das schlechte Gewissen umgehend einsetzt, während die Partnerin noch grinsend schweigt (ich zwar noch nicht)?! Hier die Antwort: wie ich gerade gelesen habe, hat Sperma eine antidepressive Wirkung auf die Frau! Na super…braucht Mann sich nicht gezwungen ein` abrackern, sie hat auf jeden Fall auch was davon; sind doch alle zufrieden:-)
Jedoch sei Singles pädagogisch wertvoll wohl weiter angeraten, nicht auf die kleine Lustbremse zu verzichten ( habe für alle Fälle Kondome, aber auch vollstes Verständnis dabei…so oder so).
Spätestens wenn sich die mehr oder weniger wildfremnden Personen als Mama und Papa ihres Sprösslings gegenüberstehen,von den anderen, weitaus schlimmeren Horrorszenarien nicht zu schreiben, könnte sich eben jene antidepressive Wirkung wohl schnell in ihr Gegenteil verkehren… hier wäre der Schuss nun wirklich nach hinten losgegangen… Allen Frauen und Männern, sowie allen anderen Geschlechtern in einer Partnerschaft, in der kondom- und sorgenfrei gepoppt wird – Glückwunsch.

Anne Frank und die Hisbollah

Im Libanon lernen Kinder aus Schulbüchern, in denen Auszüge des berühmten Tagebuchs der Anne Frank abgedruckt sind – Für die Hisbollah ein “krimineller Akt”. Nach Auffassung der Partei Gottes verstößt die Bücher gegen ein libanesisches Gesetz, dass den Import israelischer Waren und die Zusammenarbeit mit israelischen Institutionen verbietet. Dass die Tagebucheinträge selbstredend vor der Gründung Israels verfasst wurden, scheint die islamistischen Retter der Jugend nicht zu stören.
Besorgt um die zukünftige Kampfbereitschaft der Kinder, spricht die Hisbollah von einem “schamlosen Gesetzesbruch und einen Schritt in Richtung einer Normalisierung des Verhältnisses mit Israel”.
In der Tat könnten libanesische Kinder ja so etwas kontraproduktives wie Mitgefühl entwickeln, sollten sie die “theatralische, mitreißende und emotionsgeladene Darstellung der Judenverfolgung” lesen.

Vollständiger Artikel unter:
http://www.alsharq.de/2009/12/wie-du-mir-so-ich-dir.html

Alter Wein in neuen Schläuchen

Die libanesisch-schiitische Hizbollah hat ein neues politisches Manifest. Parteichef Hassan Nasrallah präsentierte das Papier am Montag der Öffentlichkeit. Große Überraschungen beinhaltet dies indes nicht. Bezüglich Israels bleibt alles beim Alten, wenn Nasrallah auf der Vorstellung des Manifests auch großherzig verkündete: „Das Problem ist nicht, dass sie Juden sind, sondern dass sie Palästina übernommen haben.“
An der grundlegenden Ablehnung der Existenz Israels ändert dies nichts. So stellte Nasrallah unmissverständlich klar:

„We categorically reject any compromise with Israel or recognizing its legitimacy. This position is definitive, even if everyone recognizes Israel.“

Was dies konkret bedeutet, lässt sich im Manifest der Hizbollah nachlesen:

„The history of the Arab-Israeli conflict proves that armed struggle and military resistance is the best way of ending the occupation. The method of negotiations has proven that the Zionist entity becomes more boastful and more belligerent, and that it has no intention of reaching an accord“

Ein freundlicher Wink gen Teheran darf selbstverständlich auch nicht fehlen, muss man seinen Geldgeber doch bei Laune halten:

„In this context, Hezbollah considers Iran as a central state in the Muslim world, since it is the State that dropped through its revolution the Shah’s regime and its American-Israeli projects, and it’s also the state that supported the resistance movements in our region, and stood with courage and determination at the side of the Arab and Islamic causes and especially the Palestinian one.“

Der vollständige antisemitische Erguss unter:
http://www.almanar.com.lb/NewsSite/NewsDetails.aspx?id=113379&language=en