Archiv für Januar 2010

Schutzmasken für alle Israelis

Die israelische Regierung wird ab Anfang Februar die gesamte Bevölkerung Israels mit ABC-Schutzmasken versorgen. Vor einigen Wochen wurde das Nahbereichs-Raketenabwehrsystem “Iron-Dome” laut Verteidigungsminister Ehud Barak erfolgreich getestet. Diese und andere Maßnahmen zeigen, dass sich Israel auf den Ernstfall vorbereitet. Die Angst vor Raketenangriffen von Hamas und Hisbullah ist nach wie vor groß. Als schwerwiegendste Bedrohung aber wird Iran empfunden. Laut neuesten Analysen nicht zu unrecht: So soll das iranische Atomprogramm spätestens im Jahr 2015 genug Plutonium für die Herstellung von Nuklearwaffen abwerfen. Mittelstreckenraketen, die bis nach Tel Aviv reichen, befinden sich derzeit im Test. “Die israelische Angst vor einem nuklearen Holocaust ,einem zweiten Holocaust, ist überwältigend” erklärte ein israelischer Iran-Experte der Zeitschrift Zenith.
Der vollständige und sehr lesenswerte Artikel über die Situation in Israel unter:

http://www.zenithonline.de/kultur/gesellschaft/?article=669&pageb=1&cHash=63bb21278a

Deutschland ein Einwanderungsland?

Artikel 16 GG; „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht

So einfach sieht das Grundgesetz bezüglich des Asylrechts Anfang der Neunziger noch aus. Es stellt sich auch hier bereits die Frage, wie „politisch verfolgt“ definiert ist, aber sonstige Einschränkungen folgen erst.

Diese folgen mit der Änderung zum Artikel 16a GG, welche als Konsequenz einer Welle fremdenfeindlicher Übergriffe (u.a. Rostock-Lichtenhagen, Solingen, Mölln) vollzogen wurde. Diese fremdenfeindlichen Übergriffe zeigen nicht nur die Bereitschaft Rechtsextremer, sondern auch den latenten Fremdenhass beim Ottonormalbürger, der bei einem Anschlag auf ein Asylbewerberheim Beifall klatschte oder mindestens nichts unternahm.

Die Reaktion der Bundesregierung schließlich ist die Verschärfung des Asylrechtes und nicht die Auseinandersetzung mit der offenkundige Fremdenfeindlichkeit seiner Bürger.

Artikel 16a GG;

(1) Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.

(2) Auf Absatz 1 kann sich nicht berufen, wer aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften oder aus einem anderen Drittstaat einreist, in dem die Anwendung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sichergestellt ist. Die Staaten außerhalb der Europäischen Gemeinschaften, auf die die Voraussetzungen des Satzes 1 zutreffen, werden durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, bestimmt. In den Fällen des Satzes 1 können aufenthaltsbeendende Maßnahmen unabhängig von einem hiergegen eingelegten Rechtsbehelf vollzogen werden.

(3) Durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, können Staaten bestimmt werden, bei denen auf Grund der Rechtslage, der Rechtsanwendung und der allgemeinen politischen Verhältnisse gewährleistet erscheint, daß dort weder politische Verfolgung noch unmenschliche oder erniedrigende Bestrafung oder Behandlung stattfindet. Es wird vermutet, daß ein Ausländer aus einem solchen Staat nicht verfolgt wird, solange er nicht Tatsachen vorträgt, die die Annahme begründen, daß er entgegen dieser Vermutung politisch verfolgt wird.

(4) Die Vollziehung aufenthaltsbeendender Maßnahmen wird in den Fällen des Absatzes 3 und in anderen Fällen, die offensichtlich unbegründet sind oder als offensichtlich unbegründet gelten, durch das Gericht nur ausgesetzt, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Maßnahme bestehen; der Prüfungsumfang kann eingeschränkt werden und verspätetes Vorbringen unberücksichtigt bleiben. Das Nähere ist durch Gesetz zu bestimmen.

(5) Die Absätze 1 bis 4 stehen völkerrechtlichen Verträgen von Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften untereinander und mit dritten Staaten nicht entgegen, die unter Beachtung der Verpflichtungen aus dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, deren Anwendung in den Vertragsstaaten sichergestellt sein muß, Zuständigkeitsregelungen für die Prüfung von Asylbegehren einschließlich der gegenseitigen Anerkennung von Asylentscheidungen treffen.

Aus diesem Gesetz, welches aufgrund der erforderlichen 2/3 Mehrheit von Regierung, sowie Opposition zu verantworten war, ergibt sich in aller erste Linie das Prinzip über einen sicheren Drittstaat nicht einreisen zu dürfen bzw. sein Recht auf Asyl zu verlieren.

Die BRD ist allerdings komplett von diesen sicheren Drittstaaten umgeben,
de facto gibt es also keine Möglichkeit in Deutschland Asyl zu bekommen. Es folgte also auf den Art. 16a ein enormer Rückgang von Asylanträgen.

In der Praxis heisst dies für Asylsuchende, seine Einreise zu verschleiern und sich entweder auf gewisse Zeit dulden zu lassen oder in den Untergrund zu gehen. So erhalten auch Geduldete eine geographische Aufenthaltsbeschränkung, kein Geld [anstatt dessen Rabattmarken (Rote Buchladen tauscht diese gegen Geld)]. Im Endeffekt wird von staatlicher, sowie seitens der Behörden alles getan, um Flüchtlingen ihren Aufenthalt zu erschweren und ihnen ihre Rückreise nahezulegen. Eine Konsequenz dieses Umganges mit Asylsuchenden ist deren Kriminalisierung, ob nun Schwarzarbeit, Beschaffungskriminalität o.ä., welche dann als Gründe für Abschiebungen herangezogen werden können.

Nun kommt es im Kontext dieses Asylgesetzes also immer wieder zu Abschiebungen, die zunächst die Rückkehr in ein krisengeplagtes Land, mit ethnischer Verfolgung u.ä. bedeuten können, aber in erster Linie auch die Entwurzlung von Familien. Kinder die hier geboren wurden, zur Schule gehen, müssen in ein völlig fremdes Land oder verlieren ihren Vater, welcher unabhängig von der Familie abgeschoben wird (womit natürlich auch ein „freiwilliger“ Zwang zur Nachreise initiiert wird).

Genau solch ein EinzelFall ereignete sich in der letzten Woche in Göttingen, hier sollte ein Roma in den Kosovo abgeschoben werden, die Lage dort ist gerade in Bezug auf rassistische Übergriffe auf Roma alles andere als stabil, zusätzlich lässt er eine Familie mit Kindern zurück. Als Reaktion von staatlicher Seite auf Kritik solcher Praxen wird gesagt, dass solche Abschiebeverfahren rechtlich legitim vollzogen werden würden und jegliche Kritik von Inkompetenz in diesem Bereich zeugen würde. Nur bezieht sich diese Kritik nicht darauf, ob ein solches Verfahren nach gültigem Recht legitim war, sondern stellt das gültige Recht an sich in Frage, da es für unmenschliche Zustände und Konsequenzen die Grundlage bietet.
Vergegenwärtigt man sich zusätzlich noch den Kontext der Entstehung dieses Gesetzes und die damit verbundene Reproduktion von Fremdenfeindlichkeit bezüglich Asylsuchender darf eine solche politische Praxis nicht unkritisiert bleiben, sondern muss im Gegenteil von einer breiten Öffentlichkeit getragen werden, welche sich auch überregional engagiert, denn

Kein Mensch ist illegal!

Sturmhoch über Hamburg

Die Kirchtürme wanken im Takt krachender Donnerschläge. Grelle Blitze durchziehen den pechschwarzen Hamburger Himmel. Die Elbe füllt sich mit unbeschreiblichen Wassermassen, spült die steinernen Deiche fort, als wären sie Schutzwälle aus Sand. Vögel fallen leblos zu Boden, der Wind peitscht Äste und Totenkopfflaggen rücksichtslos über den dreckigen Fischmarkt. Selbst der Kiez ist menschenleer und an dem mit hölzernen Latten verschlagenen Eingang der Ritze prangert eine rautenförmige Tafel. Mit zittriger Hand hat hier jemand geschrieben, in blau weiss rotem Likör: “Heute geschlossen. Sturmhoch im Anmarsch….Dibdibdibbep”

Die Republik ist verunsichert. Droht ihr jetzt der Untergang? Sturmexperte Eric Meijer, der das Hoch noch aus Eindhoven kennt: “Er ist nicht Daisy, er ist auch nicht Pizza“ Meijer beugt sich nach vorne und kühlt sich das kontraktierende Gesicht mit Wasser “Er ist Ruud.” Nervös ergänzt Meijer: “Er wird Deutschland in Schutt und Asche legen. Wie vorher England und Spanien.“

In der Tat jagt die Bilanz von Ruud jeder noch so professionellen Sturmabwehr den Schreck bis ins Mark: In den Jahren 2003 und 2006 hatte er in England und Spanien den mit Abstand tödlichsten Zug zum Tor. In insgesamt 218 Versuchen fielen dem Kraftprotz 141 Tore zum Opfer.
Der Bremer SA-Chef Mertesacker über Ruud: “Er ist eine Killermaschine. Er wird so lange wüten bis es nichts mehr zu wüten gibt”

Die Experten sind sich einig. Ruud wird kommen. Aus Hamburg. Ein Feuersturm über das ganze Land.

Während in der Hansestadt die Helfer die Ruinen des zerfallenen Millerntors beiseite räumen, sitzt einige Kilometer südlich ein schmieriger Peruaner in einem niedlichen Cafe am Fluss. Lässig nippt er an seinem Latte Machiato. Er lehnt sich zurück und steckt seine Sonnenbrille ins ölerne Haar. Dann greift er sich den um die Schulter gebundenen orangegrünen Strickpulli und flüstert: “Ziehen wir uns warm an. Es wird windig”.

„Filmrezensionen“ im Schatten des Antisemitismus

Schaut man sich die negativen Kommentare auf IMDB an beschleicht einen schon das Gefühl eines (vielleicht noch latenten) Antisemitismus.

Der Film „A Serious Man“ von Ethan und Joel Coen ist aufgrund seines jüdischen Religionskontextes (inklusive der jiddischen Sprache) sicherlich nicht die einfachste Kost. Diesen Anspruch leichte Kost zu sein oder überhaupt eine schwarze Komödie zu sein hat der Film meiner Meinung nach gar nicht, ganz im Gegenteil er versucht zu verwirren und mit den Emotionen des Publikums zu spielen (fantastische Traumsequenzen).

So muss man diesen Film nicht beim ersten mal verstehen (falls das überhaupt geht) um von ihm in den Bann gezogen zu werden. Es sind die skurrilen Charaktere, die Tempowechsel in der Erzählweise, die verschiedene Musik (Jefferson Airplane und jiddische Folklore) und letzendlich einfache optische Tricks als Wirkungsverstärker einzelner Szenen.
Letztendlich ist „A Serious Man“ die skurrile Tragödie eines anständigen Mannes in einem jüdisch geprägten Viertel.

Bei den oben angesprochenen Kritiken fällt dann aber schnell die Meinung auf, dass diesen Film nur Juden gut finden können. Kann ein Film in einem christlichen/islamischen Milieu nur von Christen/Muslimen geschätzt werden? Ich glaube das dieser Film mit breiterem Wissen über das Judentum (der Film soll an die Geschichte des Hiob angelehnt sein) und der religiösen Ausübungen sich im Detail mehr erschließt, aber ohne diese Voraussetzungen trotzdem funktioniert. Wenn dann „yiorgos78″ (inzwischen nach Anmerkung bezüglich Antisemitismusses gelöscht) bei IMDB zu diesem Film schreibt, „If it goes to the Oscars it will be because of the jews involved in the movie and nothing more!“, muss ich mein „vielleicht noch latent“ aus dem Eingangssatz zurücknehmen, sowas ist nur mit Antisemitismus zu erklären.

Es ist schade das bei der Betrachtung dieses Filmes der jüdische Kontext bereits als Ausschlussprinzip zu dienen scheint, da man ihn (im besten Falle) nicht verstehen würde. Ich habe natürlich von ein paar IMDB Kommentaren auf eine Repräsentativität dieser Einschätzungen geschlossen, die ist zwar spekulativ, aber nicht unwahrscheinlich.

Es ist gut zu sehen, dass „Burn after Reading“ nur ein Ausrutscher war (obwohl ich ihn vielleicht doch noch ein zweites Mal sehen sollte) und die Coen Brüder an ihren etablierten Qualitätsstandard a la Fargo, Millers Crossing, No Country for old Man, The Man who wasn‘t there und The Big Lebowski (wenn auch ihre einfachere Kost) anschließen konnten.

Ach die tolle NPD, äh tschuldigung CDU

Klar ist die (vor)letzte Hessenwahl schon ein wenig her, aber 2008 ist auch noch nicht das Mittelalter, die Aussagen von Christean Wagner, dem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der CDU Hessen, sowie ehemaligen hessischen Justizminister, sicherlich schon.

Auch unsere neue Familienministerin Kristina Köhler scheint sich um alle Familien ihrer Nation Gedanken zu machen.

Solche Meinungen finden sich also in der oberen Struktur eines CDU geführten Landtages wieder, wozu dann noch die NPD, viel offener als Christean Wagner gehen die mit ihrer Ausländerfeindlichkeit auch nicht um.

Nachtrag zu Scorsese

Martin Scorsese wird ein Teil der Seriengemeinde.

Boardwalk Empire wird wohl im Herbst dieses Jahres anlaufen.

And the Golden Globe goes to …

Die Hollywood Foreign Press hat gewählt und Christoph Waltz zu Recht für seine Rolle als widerlichen Nazi Hans Landa mit dem Golden Globe ausgezeichnet.

Wieder einmal leer ausgegangen ist Quentin Tarantino. Dies verstand nicht einmal sein Konkurrent Jason Reitman („I am confused Quentin“), der den Golden Globe in der Kategorie bestes Drehbuch erhielt.

Die zweite Chance Tarantino zu ehren, nämlich Inglorious Basterds als bestes Drama auszuzeichnen vergab die Hollywood Foreign Press ebenfalls. Als bestes Drama wurde wie zu erwarten Avatar gekürt, sicherlich ein beeindruckender Film, aber als bestes Drama ist aufgrund des doch sehr simplen Plots eher unverständlich.

Die einleitenden Worte Leonardo DiCaprios über seinen Mentor und Freund Martin Scorsese, welcher für sein Lebenswerk mit dem Cecil B. DeMille Award geehrt wurde, gehörten wohl zu den nachhaltigsten des Abends, man werde in 1000 Jahren von Scorsese in Bezug auf die (aktuell noch junge) Historie der Filmkunst sprechen, wie man heute über Picasso oder Beethoven als Meister in ihrem Ressort spricht, so DiCaprio sinngemäß.

Die größten Überraschungen waren wohl Robert Downey Jr., als bester Hauptdarsteller Musical oder Comedy für seine Rolle als Sherlock Holmes im gleichnamigen Guy Ritchie Film, sowie die Komödie „The Hangover“ die sich als bester Film Musical oder Comedy gegen Konkurrenten wie dem Musical Nine oder Julie & Julia (Golden Globe für Meryl Streep als beste Hauptdarstellerin Musical oder Comedy) durchsetzen konnte und mit Iron Mike Tyson wohl auch die außergewöhnlichste Entourage auf der Bühne präsentierte.

Sehr erfreulich dann auch der erstmalige Gewinn des Golden Globes, mit seiner vierten Nominierung, von Jeff Bridges als bester Hauptdarsteller für seine
Rolle als heruntergekommender Country-Musiker Bad Blake in dem Drama
„Crazy Heart“. Er ist einer der Großen und das nicht nur in puncto Stil,
sondern auch in seiner Qualität als Charakterdarsteller.

The Pacific

Nach so langer Zeit (um genau zu sein 9 Jahre) kommt sie doch, die lange angekündigte Nachfolgeserie zu Band of Brothers.

Die Trailer zeigen, dass HBO keine Kosten gescheut hat, es scheint mir aber pathetischer als sein Vorgänger zu sein und das war ja gerade die Stärke von Band of Brothers, den Level an Pathos zugunsten von Authentizität erstaunlich gering zu halten. Kann man nur hoffen, dass dieser Eindruck der Funktion des Trailers (also Massengewinnung) geschuldet ist.

Das Spektakel beginnt am 14.3.2010, hat erneut 10 Teile und die Hoffnung auf das ein oder andere Wiedersehen mit einem der alten Charaktere ist trotz vergeblicher Suche im Cast ungebrochen.

Wie gewollt ist Gentrifizierung?

Führt man sich die Entwicklung alternativer Stadtteile vor Augen, ergibt sich die Frage, welche Ursachen für die (neuerdings) aufkommende Kommerzialisierung dieser „Szeneviertel“ verantwortlich sind?
Grundlegend ist dies natürlich ein Prozess der Ökonomisierung dieser „boomenden“ Viertel. Dabei fällt dann auf, dass diese Stadtteile durch linke, alternative Lebensausrichtungen geprägt sind. Ergo scheint dies auf zumindest ein Teil der Bevölkerung eine gewisse Faszination auszuüben, was wiederum zu einer „Wachstumssteigerung“ in den entsprechenden Vierteln zu führen scheint. An diesem Punkt kommt dann die altbekannte BWL – Milchmädchenrechnung, Preissteigerung durch erhöhte Nachfrage ins Spiel und die voranschreitende Ökonomisierung dieser Stadtteile scheint in ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Logik vollends erklärt.

Vergegenwärtigt man sich aber die Prägung dieser Stadtviertel und vor allem ihrer Bewohner fällt auf, dass diese der Kommerzialisierung und dem Kapitalismus kritisch bis ablehnend gegenüber stehen. Daraus ergibt sich durchaus das Paradox, dass die Ökonomisierungsprozesse gerade in dieser ablehnenden Kultur zu fassen scheinen.
Die einfachste Erklärung wäre dann das Marktprinzipien im kapitalistischen System eben akulturell bzw. apolitisch funktionieren und die Faszination alternativer Lebensstile über gelebte Ideologien hinaus seine Wirkung entfaltet, also jeden Hinz und Kunz anzieht. Damit scheint dann jeglicher kommerziellen Ausschlachtung auch nichts mehr im Wege zu stehen.

Aber da war doch noch wer?

Ach ja, die ursprünglichen Menschen, welche diese Viertel erst zu dem gelebt haben was nun so gefragt ist und mit den angesprochenen zu Grunde liegenden Überzeugungen lässt sich dann im Kontext von Ökonomisierung und Ausverkauf in seinem/ihrem Zuhause nicht nur finanziell kein Überleben sichern.
Jetzt erdreisten sich diese Menschen aber tatsächlich dort wohnen bleiben zu wollen und basierend auf ihren Ideologien „alte“ Strukturen zu bewahren und neue „Strukturen“ abzulehnen. Einige gehen den moderaten Weg von Boykotts, andere einen radikaleren Weg. Da diese Chaoten mit ihrer systemablehnenden Einstellung (Die machen z.B. Strassenfeste wie es ihnen gefällt) aber sowieso nicht in das schöne deutsche Heiterkeitsbild a la WM 2006

passen kommt doch so eine Gentrifizierung zum richtigen Zeitpunkt.
So kann ich mir nicht vorstellen, dass Politiker wie Ahlhaus oder Körting Gentrifizierungsprozesse nicht unterstützen wo sie nur können, schließlich befinden sich in diesen Vierteln die Brutstätten für aktuelle und zukunftige Linksterroristen. Ob diese ganzen Prozesse von staatlicher Seite vielleicht sogar initiiert wurden, wäre harte Spekulation, aber dass sie unterstützt und vorangetrieben wurden, ist wohl nicht zu bestreiten.

Auf dem Weg zum deutschen Einheitsottonormalspiesser also jegliche Ausdifferenzierung von Kultur und Lebensart im Keim ersticken,
daher gegen Freiräume für mehr Sicherheit und Überwachung, im Sommer endlich wieder Stolz die Fahne tragen und falls dieser Spass von irgendwelchen Spielverderbern mies gemacht wird, findet sich bestimmt noch das ein oder andere Ass im Ärmel.