Sturmhoch über Hamburg

Die Kirchtürme wanken im Takt krachender Donnerschläge. Grelle Blitze durchziehen den pechschwarzen Hamburger Himmel. Die Elbe füllt sich mit unbeschreiblichen Wassermassen, spült die steinernen Deiche fort, als wären sie Schutzwälle aus Sand. Vögel fallen leblos zu Boden, der Wind peitscht Äste und Totenkopfflaggen rücksichtslos über den dreckigen Fischmarkt. Selbst der Kiez ist menschenleer und an dem mit hölzernen Latten verschlagenen Eingang der Ritze prangert eine rautenförmige Tafel. Mit zittriger Hand hat hier jemand geschrieben, in blau weiss rotem Likör: “Heute geschlossen. Sturmhoch im Anmarsch….Dibdibdibbep”

Die Republik ist verunsichert. Droht ihr jetzt der Untergang? Sturmexperte Eric Meijer, der das Hoch noch aus Eindhoven kennt: “Er ist nicht Daisy, er ist auch nicht Pizza“ Meijer beugt sich nach vorne und kühlt sich das kontraktierende Gesicht mit Wasser “Er ist Ruud.” Nervös ergänzt Meijer: “Er wird Deutschland in Schutt und Asche legen. Wie vorher England und Spanien.“

In der Tat jagt die Bilanz von Ruud jeder noch so professionellen Sturmabwehr den Schreck bis ins Mark: In den Jahren 2003 und 2006 hatte er in England und Spanien den mit Abstand tödlichsten Zug zum Tor. In insgesamt 218 Versuchen fielen dem Kraftprotz 141 Tore zum Opfer.
Der Bremer SA-Chef Mertesacker über Ruud: “Er ist eine Killermaschine. Er wird so lange wüten bis es nichts mehr zu wüten gibt”

Die Experten sind sich einig. Ruud wird kommen. Aus Hamburg. Ein Feuersturm über das ganze Land.

Während in der Hansestadt die Helfer die Ruinen des zerfallenen Millerntors beiseite räumen, sitzt einige Kilometer südlich ein schmieriger Peruaner in einem niedlichen Cafe am Fluss. Lässig nippt er an seinem Latte Machiato. Er lehnt sich zurück und steckt seine Sonnenbrille ins ölerne Haar. Dann greift er sich den um die Schulter gebundenen orangegrünen Strickpulli und flüstert: “Ziehen wir uns warm an. Es wird windig”.


9 Antworten auf „Sturmhoch über Hamburg“


  1. 1 Frankie 24. Januar 2010 um 15:14 Uhr

    Ersteinmal Danke, dass auch jemand anderes mal wieder schreibt.

    Aber es stellt sich doch die Frage, darf man einen, ohne Zweifel herausragenden Stürmer mit einem von der Natur in Perfektion geschaffenen Mörderhai (plus eine Portion psychopathischer Wahnsinn) gleichsetzen?

    Für mich ist das Realitätsrevisionismus, dem „Großen Weißen“ gegenüber und letztendlich auch bezüglich seines letzten Opfers, an dem sich ein Rutgerus Johannes Martinus van Nistelrooij vergeblich die Zähne ausgebissen hätte.

    Farewell and adieu to you fair Spanish ladies. Farewell and adieu to you ladies of Spain. For we‘ve received orders for to sail back to Boston. And so never more shall we see you again.

    Rest in Peace
    quint

  2. 2 M.L. 27. Januar 2010 um 14:57 Uhr

    Den Transfer von Van Nistelrooy mit der Metapher eines aufkommenden Sturmes zu beschreiben, ist treffend: Das zeitlich begrenzte Aufkommen eines, von dem überwiegenden Teil der Bevölkerung als negativ begriffenen Phänomens.
    Die Schreibweise des Textes macht deutlich, dass dem Autor bewusst ist, welch traurigem Zusammenhang er anhängt. Während einige Kilometer südlich über Jahre hinweg attraktivster Fußball gezeigt wird, gepaart mit unglaublichen Transfercoups, die eben nicht die Verpflichtung eines Weltstars beinhalten, sondern die Entdeckung von Talenten und deren Aufbau zu Spielern mit internationalem Format, blieb dem gemeinen HSVer wenig, um der ihm eigenen Überheblichkeit und Großkotzigkeit zu frönen. Es schmeckt ihm nicht einzusehen, dass er auf sportlicher Ebene dem „kleinen Fischerdorf“ eigentlich in allen Bereichen unterlegen ist, denn selbst die stärkere Finanzkraft des HSV kompensieren die grün-weissen mit hanseatischem Geschäftssinn und der damit verbundenen Bodenständigkeit. Einer Bodenständigkeit, die genannte junge Talente erst ihr Potenzial ausschöpfen lässt, denn neben kleinen, niedlichen Cafés wird dem in Bremen angestellten Fußballprofi traditionell ein Umfeld geboten, in dem Stabilität, menschliche Nähe und ein gewisses Maß an Unaufgeregtheit vorherrscht. Grds. anders sieht es ein paar Kilometer weiter nördlich aus, die Anführung von Beispielen würde den Rahmen sprengen.
    Der Natur seines neuen Vereines entsprechend, wird Van Nistelrooy Fussballdeutschland auf die Nerven gehen. Er wird nicht der Vollstrecker einer begeisternd aufspielenden Mannschaft sein, er wird durchschnittliches Stellinger Auftreten zu Siegen machen. Er wird dem Spiel keinen Glanz verleihen, er wird ihm Effektivität geben und damit keinen Zweifel an der Bremer Gesamtüberlegenheit lassen.

  3. 3 M.L. 27. Januar 2010 um 15:11 Uhr
  4. 4 ralf 28. Januar 2010 um 2:18 Uhr

    hamburg is humbug!

  5. 5 Frankie 28. Januar 2010 um 11:28 Uhr
  6. 6 M.L. 28. Januar 2010 um 17:54 Uhr

    Ist trotzdem nen Quadrat du Arschloch!

  7. 7 sek.umfeld 28. Januar 2010 um 18:05 Uhr

    wenn sich der sturm am ende nicht doch nur als warmes lueftchen entpuppt. zugegeben sehr unwahrscheinlich, deshalb geschenkt, aber diese phrase wollte ich einfach mal fuer mich verbuchen.
    sektion umfeld pumpt fuer den 34. spieltag. von wo dann der wind weht?!? mensch darf gespannt sein.

  8. 8 Rudfred Blazevic 27. März 2010 um 22:49 Uhr

    und wer ist der schmierige peruaner? meinst du mit „ein paar kilometer südlich“ peru? da wo der kleine junge sich aufhielt, der lieber schiffchen fährt, weil er in flugzeugen nach eigenen angaben „auch schon mal schreit“? der ist echt schmierig. und dass er angst vor sturmtief ruud hat, kann man auch nachvollziehen. der hat ja anscheinend vor ziemlich vielem angst.

  9. 9 sek.umfeld 12. Mai 2010 um 7:34 Uhr

    so, was los nu? doch kein sturm, eher so mittelklasse wagen.
    wir schauen uns so lange mal europa an, bis dahin!

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