Archiv für Februar 2010

Treme

„Treme“ ist ein Serie, die in New Orleans spielt und zeitlich drei Monate nach der Katastrophe durch den Hurricane Katrina angesiedelt ist.

Verantwortlicher für diese HBO Serie ist David Simon, der für Qualtitätsfernsehen wie Homicide: Life on the Streets, The Wire, aber auch Mini Series wie Generation Kill oder The Corner steht.

Vergegenwärtigt man sich Simon’s Anspruch an Reflektion auf Gesellschaft, sowie der Kritik an amerikanischen Strukturen, kann man bei dem gegebenen Setting von „Treme“ auf anspruchsvolles und unterhaltsames Fernsehen gespannt sein.

Der Cast, der mit alten Weggefährten_innen Simon’s, wie Khandi Alexander (Denise Francine ‚Fran‘ Boyd aus „The Corner“), Clarke Peters (Lester Freamon aus „The Wire“, Fat Curt aus „The Corner“) und Wendell Pierce (The Bunk aus „The Wire“) aufwarten kann, bietet mit John Goodman aber auch einen Schauspieler, der einem breiteren Publikum bekannt sein sollte und verspricht Fernsehen auf außergewöhnlichem Niveau.

Die Serie beginnt am 11. April und man kann nur hoffen, dass HBO der eigene Anspruch wichtiger ist als Einschaltquoten, so dass „Treme“ die gleiche Geduld und Zeit gegeben wird, wie es bei „The Wire“ der Fall war.

Crazy Heart

This ain`t no place for the weary kind

This ain`t no place to lose your mind

This ain`t no place to fall behind

pick up you crazy heart and give it one more try

Ein Film über einen heruntergekommenden Country – Sänger, der seine besten Tage, sollte er welche gehabt haben, lange hinter sich gelassen hat. Er tritt in kleinen Bars oder auch mal in einem Bowlingcenter vor wenigen Leuten auf, die sich an ihn erinnern.
Ein Leben unterwegs von einem zum nächsten dreckigen Motelzimmern, von einem zum anderen Drink der all dies erträglicher macht.

Jeff Bridges gelingt es seinen Charakter mit Charme zu füllen, den er eigentlich verloren hat und dies wird dem Zuschauer von Minute zu Minute bewusster. So demontiert Jeff Bridges seinen zunächst „Dudesk“ wirkenden Charakter, nicht nur über seine Körperlichkeit, um das lebenslängliche Scheitern des talentierten Bad Blakes zu verdeutlichen. Der Plot bietet nichts Neues, er hat seine Höhen und seine Tiefen, eine Liebesgeschichte und verzichtet, wie nicht anders möglich auf ein Happy End, allerdings ohne dem Charakter wirklich „Böses“ anzutun.

Manchmal scheint diesem Film allerdings eine gewisse Detailtiefe zu fehlen oder der Schwerpunkt der Geschichte an der falschen biographischen Stelle betont. So wirkt Crazy Heart langsam und gediegen wie ein schöner Country Song, aber manchmal merkwürdig schnell bzw. unerklärlich abrupt. Maggie Gyllenhaal als Bad Blakes Sehnsucht und Colin Farrell als eine Art Ziehsohn, der nicht auf der Strecke zurück blieb, wirken solide an der Seite Jeff Bridges, doch es gelingt ihnen nicht die „fehlenden“ Stellen auszufüllen.

Ein guter Soundtrack und ein herrvoragender Jeff Bridges mit seiner vielleicht besten schauspielerischen Leistung machen diesen Film jedoch absolut sehenswert, auch wenn man das Gefühl nicht los wird, da wäre noch mehr drin gewesen.

neulich im Pub

The Road

Beeindruckend, Beklemmend und Verzweifelt

„The Road“

Ein Drama spielend nach einer apokalyptischen Katastrophe. Die Wälder sind verbrannt, Tiere selten bis ausgestorben. Die Welt hat sich von der Idee der Zivilisation, letzlich der Menschlichkeit abgekehrt. Kannibalismus ist eine Möglichkeit des Überlebens. Ein Vater (Viggo Mortensen) kämpft zusammen mit seinem Sohn jeden Tag wieder ums Überleben und um ihre eigene Menschlichkeit.

Die beiden Hauptcharaktere sind auf einem Weg der kein Ziel, der kein Ende hat. Sie sind allein, niemanden dem sie trauen können oder mit dem sie diesen Weg zusammen beschreiten könnten. Zwei Patronen sind die allgegenwärtige Möglichkeit der Erlösung.

The Road ist ein Film, der es schafft ein post-apokalyptisches Szenario in seiner ganzen Grausamkeit zu zeigen. Die Verlorenheit , die Einsamkeit – letztendlich die Hoffnungslosigkeit die diese Welt ausmacht, die sie letzten Endes nicht lebenswert macht. Der Sohn als Überlebensgrund für den Vater und der Sohn der nie eine andere Welt kennengelernt hat.

In einer dichten, intimen, zuweilen auch überwältigend spannenden Atmosphäre gelingt es dem Film das Leid der Charaktere geradezu unangenehm zu vermitteln. The Road ist schwere Kost, die den Zuschauer in seinen Bann zieht und auch nicht los lässt, wenn es schwer zu ertragen wird.
Das zeichnet diesen Film aus und macht ihn am Ende zu außergewöhnlichem Kino.

Wir Kinder vom Bahnhof Z.*

Und jetzt kommt er wieder. Ich hör ihn. Du auch, man? Hörst du? Jetz kommter. Ahaaaaaa, ja, ja, da isser! Jetz die Hände hoch. Es kocht, alle rasten aus. Der Beat wuchtet. Oder schrammelt er mehr? Egal, man, feiern!
Ich hüpfe, stampfe, zappel irgendwie. Ein Schritt links. Ich tret die Kippe aus. Ein Schritt rechts. Ich tanze gut heute. Die Atzen auch. Wir tanzen alle gut, besser als gewöhnlich. Die Mucke is aber auch der Hammer heute, schreit einer, als habe er meine Gedanken gelesen. Vielleicht kann er das ja. Vielleicht hab ichs gesagt? Sinnlos. Ah, er geht runter. Ich verlier den Blick kurz an ein bekanntes Gesicht, keiner der Atzen. Irgendwer anders. Ich lege den Kopf zurück und fühle mich atemberaubend schön. Ah, er geht rauf. Ich verharre.
Das Meer tanzt zum immer tiefer bohrenden Sound der Computer, dem Biorhythmus unserer großen Mutter, der Taktung ihrer digitalen Einspritzdüse, die uns wie Kolben in den Zylindern dieses furchtbar-wunderbaren, so wahnsinnig-sinnleeren, tollwütigen Biomassemotors rasend schnell die Luft auspumpen lässt… bevor sie diese dann gepresst und verdichtet im beinah atocha-getimeten Sekundentakt detonieren lässt. Sie ist es, ist alles. Ihrem Diktat bedingungslos folgend wie die Arbeiterinnen eines Ameisenstaats verfallen wir ihrer Macht, beugen uns ihrem Gewaltmonopol, lieben sie als Herrscherin über die Welten: du wundersames Geschöpf, du jenseitige Offenbarung, du d-d-d-DJane! Jahhhh! Lotzestrasseeeee!
Ja!? Was will er von mir? Raus? Nee, noch nich. Auf keinen Fall. Ich dreh mich wieder. Es graut schon, sagen die, die von draußen kommen. Mir graut es auch. Ich verlasse den Motor heute nicht mehr, ich überlasse ihn. Anderen. Wir müssen doch weiter, weiter bis nach Mex…

„Matze, man gehn wir jetz endlich?“
„Ja, ja, klar. Is doch eh immer disselbe.“
Er macht einen Schritt zu Seite, schaut mich an.
„Hast du was gezogen heute?“
„Ich? Nee. Wieso? Du?“
„Deja?“
Das Grauen ist vorbei. Der Tag strahlt in all seiner fürchterlichen sonntäglichen Kraft. Mir wird schlecht.
„Auf jeden, Deja.“
Wir stapfen los, um noch verletzt das letzte Geld für Bier und Zigaretten zu entwerten. Ich bekenne, denn ich habe Sehnsucht.

Hip Hop is still okay.

*Expertise zum Bahnhof Z.

Wenn die Polizei mit der Justiz

Es ist das alte Thema „willkürliche Polizeigewalt“.

Bei 0:40 dieses Videos -vom 20.08.2008 aus St. Pauli- ist klar zu sehen, von wem unverhältnismäßige Gewalt ausgeht. Wie es zu dieser Situation kam ist zwar nicht zu sehen, aber ein unmittelbares Bedrohungsszenario scheint nicht gegeben zu sein, welches diese Festnahmen rechtfertigt, die Übergriffe auf die Einzelperson bei 0:40 sind ohnehin nicht im geringsten zu rechtfertigen.

Warum aber nun erneut auf einen weiteren Fall aufmerksam machen und diese Mißstände gebetsmühlenartig runterbeten?

Ganz einfach – weil auf diesem Video die Beamten klar identifiziert werden können und die Staatsanwaltschaft Hamburg, sowie das „Dezernat Interne Ermittlungen“ der Polizei nicht nur ein dreiviertel Jahr zur Aufnahme des Ermittlungsverfahrens (gegen einen der Beamten) brauchte, sondern bis heute mit keinen Ergebnissen aufwarten kann.

Es zeigt sich mal wieder, dass in Hamburg die Justiz „auf dem blauen Auge blind ist„,schlimmer noch den polizeilichen Mißbrauch des Gewaltmonopols nicht nur zu decken scheint, sondern ihn gar unterstützt.

Dies wird durch den -vor einigen Tagen verlinkten- Bericht deutlich, in welchem geschildert wurde was passiert wenn man sich an die Justiz wendet.
So wurde einer 32. Jährigen Demonstrantin bei einer Demo gegen den §129a am 15.07.2007 in Hamburg von einem Polizisten durch einen Faustschlag die Nase gebrochen. Ziel der „polizeilichen Maßnahme“ wäre die Festnahme ihrer Freundin gewesen, die gegen das Vermummungsverbot verstossen haben soll – Sie hatte im Dezember einen Schal über dem Mund.
Die vom Faustschlag betroffene Demonstrantin erstattete daraufhin Anzeige wegen Körperverletzung im Amt. Die zunächst folgende Reaktion war eine Gegenanzeige wegen versuchter Gefangenenbefreiung, welche allerdings wegen Geringfügigkeit eingestellt werden musste.
Die Anzeige gegen den prügelnden Polizisten wurde ebenfalls eingestellt, der Schlag wäre aufgrund der Umstände gerechtfertigt gewesen, schließlich hatte es sich um eine Maßnahme bezüglich einer Straftat (Verstoss gegen das Versammlungsgesetz) gehandelt.
Auf den Punkt der Verhätnismäßigkeit der Maßnahme möchte ich nun gar nicht weiter eingehen, denn am vergangenen Heiligabend kam bei der geschlagene Demonstrantin ein Strafbefehl a 50 Tagessätzen (in ihrem Fall bedeutet das 1000€) wegen „falscher Anschuldigung“ ins weihnachtliche Haus geflattert.
Da sich der Faustschlag schließlich als „gerechtfertigt“ herausgestellt hatte, dachte sich die Staatsanwaltschaft ist eine Anzeige wegen „Körperverletzung im Amt“ im Grunde genommen nicht nur abzuweisen, sie ist strafbar im Sinne einer „falschen Anschuldigung“ und ein Richter der dies mit 50 Tagessätzen absegnete hat sich anscheinend auch gefunden.

Bei allen Rufen nach Kennzeichnungspflicht von Polizisten und nach unabhängigen Kontrollinstanzen wird einem dann aber schon übel, wenn sich der Corpsgeist bis in die Staatsanwaltschaften und Gerichte fortsetzt. Dabei möchte ich nicht falsch verstanden werden, die Forderungen nach Kennzeichnungspflicht und unabhängige, polizeiexterne Kontrollinstanzen sind elementar wichtig und wären ein Schritt in die richtige Richtung,
aber zwischen zweifelhaften Durchsuchungsbeschlüssen (ob nach 5 Tage alten Personenspuren oder Plakaten bezüglich des Aufrufs zu Blockaden), der Kriminalisierung ganzer Demos und Szenen, Sperrung von Internetseiten (Bündnis Dresden Nazi frei), Verwanzungen von Wohnungen (vor dem G8) und dem Missbrauch des Paragraphen 129a als Pauschalisierung politisch engagierter Leute als Terroristen frage ich mich wie wenig sich dadurch letztendlich bessern würde.

Et jibt keen Battle…

Zuweilen ist der Abonnent dieses kleinen Blogs ja durchaus geteilter Meinung bezüglich der (Berliner) Rapgilde. Einig mag er sich werden! Bernd E. und der Edel Ulli haben jetzt kaum überseh- resp. -hörbar einen dieser berühmtberüchtigten Straßenjungen „in die Champions League“ der Unterhaltung gezeichnet. Ach! Mhm! Was!? Der…, viel habe ich angesetzt, abgewogen, mit (wenig) gefährlichem Halbwissen gepoltert; alles für die Katz. Alice Schwarzer hat ersguterjunge „so wahrheitsgetreu und passend gedisst, [wozu] in all den Jahren kein einziger Rapper“ fähig war. Mutig findet das die taz. Unendlich richtig denn berechtigt finde ich das. Und Frank. Gib den Opfer, Alice!
Unbedingt lesen, du Student (siehe Nachrichtenlink)!