Archiv für April 2010

Stumpf is Trumpf

Hier mal das neue Video von Dendemann. Is ne eins, wenn das Lied auch ziemlich nervig is.
(Und Frankie und Matze: auf jeden Fall bis zum Ende gucken – wird euch gefallen!)

Die neuen Abenteuer des C. Montavaro

Das Dokument war leer, nur der Cursor blinkte wartend und auffordernd. Unbenannt 1. Langsam erschienen die Worte Liebe Brigitte, ich möchte schon so lange mal mit dir…
Dann rasierte der beschissene Blinkebalken alles wieder weg. Wieder war das Dokument leer. Seine Finger bewegten schusslig die Maus und schlossen das Fenster beim dritten Versuch. Sollen die Änderungen gespeichert werden? Na, mensch, nein.

Il Commissario schnaufte. Vielleicht verschnaufte er auch. Während der letzten halben Stunde hatte er vor seinem Computer gesessen und sich buchstäblich den Kopf darüber zerbrochen, wie er Brigitte, die rosig, pralle Königin, die Mutter aller emsigen Arbeiter dieses wuseligen, pulsierenden Termitenhügels, endlich erobern konnte. Er musste sie haben! Besser: gehabt haben! Die eine, nur noch die eine! Dann, aber erst dann, würde er Schluß machen mit der ewigen Schürzenjägerei, das Junggesellendasein wie eine alte, treue Rüstung ablegen und seinen Frieden finden. Er würde sich eine zum Liebhaben suchen, ‚n Baby.
Nun, da er die Scherben eingesammelt und sie notdürftig wieder zusammengebastelt hatte, empfand er Erschöpfung. Er zupfte bedächtig an den Enden seines Schnauzbarts, wie er es immer tat wenn er grübelte und schaute ins Leere. Scheiße, dachte er. Ich muss das von Wilko erledigen lassen.

Als das Telefon klingelte schreckte er unbeholfen hoch, sodass er seine blau-weiße Kaffeetasse umwarf und deren Inhalt über einen Papierstapel auf Wilko Bücks Schreibtisch vergoss. Oh Mist, dachte er. Die Unterlagen zum Neger-Fall. Beweismittel waren das. Wilko würde ausflippen, soviel war sicher. Es blieb ihm also nur eine Möglichkeit: Vertuschen und weiter machen.
Er nahm den Hörer ab.

„Montavaro.“
„Was, Wer? Kinnersen? Kinnersen, sind Sie das?“
Auch das noch: Der Boss. Er holte Luft und hielt den Hörer ein gutes Stück von der Ohrmuschel entfernt. Dann sagte er:
„Kinnersen hier.“
Kinnersen, haben Sie sich etwa gerade mit ihrem bekloppten Pseudonym am Telefon gemeldet!?“
„Nein.“
„Doch, haben Sie, Sie blödes Arschloch! Jetzt hören Sie mal zu: So ’ne Scheiße läuft nicht, Kinnersen, kapiert? Machen Sie mich verdammt noch mal nicht lächerlich! Die gesamte Abteilung…“
„D‘accord.“
„Was!?“
„Ich sagte, es sei in Ordnung, Boss.“
„Überspannen Sie den Bogen nicht, Kinnersen, ich…“

Montavaro legte auf. Der Boss würde ausflippen, soviel war sicher. Aber das passierte zwischen ihnen beiden eh ständig. Wilko dagegen; er brauchte Wilko.
Gründlich sein. Alles, was auf ihn verweisen konnte, musste beseitigt werden. Der umgestoßene Kaffee begann bereits in den Stapel Papier einzusickern. Das Telefon klingelte wieder. Diesmal lauter und wütender. Ganz und gar fürchterlich.

Schnell, Montavaro, dachte er,

„nutze deinen großartigen Lümmel (Verstand, Anmerkung MP) um aus dem Labyrinth der verfluchten Umstände heilen Leibes wieder herauszufinden!“

Verwundert schüttelte er den Kopf. Lydia strahlte ihn an. Sie zwinkerte ihm mit beiden Augen zu und formte mit den Lippen ein lautloses Du schaffst das, Prachtstück! Ich werde dich immer lieben und in einigen, wenigen Monaten werde ich dich mit etwas ganz Besonderem überraschen, mein superpotentes Ochsenschwänzchen! Dann senkte sie den Blick und sah herab auf ihren Bauch, wie sie es immer tat wenn sie arbeitete. Oder?

Ach, Lydia. Du gute Seele. Du gute, gute, verrückte, alte Schachtel. Sprichst mit niemandem, tust weiß Gott was in dieser Abteilung, aber jetzt, genau jetzt, erkennst du meinen Schlamassel und schickst mir bizarre Grüße aus deinem jenseitigen Zuckergussutopia. Mensch!
Il Commissario war hinreichend ermutigt. Er würde es schaffen, schließlich glaubten sie an ihn. Die Abteilung! Er würde sie nicht enttäuschen.

Er suchte nach einer Serviette, fand keine, sah ein Stofftaschentuch auf Wilkos Schreibtisch liegen, griff es und trocknete damit das gestapelte Papier. Dann hob er den oberen, versifften Teil des Papiers ab und schob ihn ungesehen nach unten. Noch eine kleine Korrektur mit dem Daumen, dann lag der nunmehr unleserlich und damit wertlose Teil der Dokumente bündig auf Kante. Aber hallo!
Nun das Telefon. Mutig ergriff er zum zweiten Mal den Hörer, führte ihn ans Ohr, öffnete den Mund und sagte:

„Aufgelegt.“ Scheiße.

Mensch, Montavaro! Zu langsam, du alter Kutschgaul! Keine Zeit zu verlieren, der Boss dürfte schon hierher unterwegs sein! Schnell ließ er das kaffeebefleckte Stofftuch in einer Schublade verschwinden, setzte sich auf seinen einstmals drehbaren, doch immerhin noch rollenden Bürostuhl und zupfte nervös an seiner Bürste. Arbeiten, Montavaro, du musst irgendwas arbeiten! Er öffnete wieder das Textprogramm, lud das zuletzt verwendete Dokument und stutzte. Nicht. Stutzte nicht. Das Dokument war leer.

„Kinnersen! Wo sind Sie, Sie verfluchter Penner!?“

Jetzt bloß locker und entspannt bleiben. Nichts verdächtiges tun oder sagen, du geiles Pferd. Er drehte sich geschäftig mit dem gesamten Stuhl herum, indem er sich auf stümperhafte, doch beeindruckend kraftvolle Weise mit den Füßen vom Boden abstieß und die Rollen des Stuhls in schwindelerregende Rotation versetzte. Dabei entwickelte er so viel Schwung, dass der Stuhl, in dem Moment, in dem er seinen fürstlichen Leib aus dem Kunstleder schälte, umfiel, gegen Wilkos Schreibtisch knallte und eine eigentlich unglaubliche Kettenreaktion auslöste an deren Ende, man mag es tatsächlich nicht für möglich halten, der rot-weiße Kaffeebecher Wilkos umgestoßen wurde und dessen Inhalt sich auf den bis hierher noch mangelfreien Stapel Beweisdokumente des Neger-Falls ergoss.
Der Kommissar bemerkte diese, im wahrsten Sinne des Wortes, unverhoffte Wendung der Ereignisse nicht und sagte:

„Locke, alter Freund! Na, was führt dich Prachtbullen denn hierher zu uns, in den bescheidenen Aservatenkeller?“

Montavaro sah sein Spiegelbild auf der bowlingkugelgleich-polierten Platte seines Chefs. Zupfte er an seinem Verwöhnerbärtchen? War er nervös?
Was, nein, er doch nicht! Er war der Fuchs der Abteilung, nicht wahr Lydia? Er würde das Pferdchen schon wiegen.

„Kinnersen, Sie halten sofort das Maul oder ich lasse Sie für den Rest ihres Lebens die Scheiße aus dem Bauchafter meiner Querschnitter-Schwägerin fressen, ist das klar, Sie elender Penner!?“
„Klar wie..“
„Sie sollen das Maul halten, hab ich gesagt!!“
„In Ordnung, Locke, Boss, aber lassen Sie mich..“

Jemand schrie schrill. Und zwar sehr nah. Ganz fürchterlich.

Molto bizzarro, Monti, aber darum konnte er sich jetzt nicht auch noch kümmern, schließlich forderte Locke, Boss, seine ganze Aufmerksamkeit. Wenn er nur

„Montavaro!“
„Wilko? Mein Gott, Sie sehen ja aus wie ’ne Schippe Schrauben? Was für ein Elefant ist denn bei Ihnen..“
„Haben Sie den Kaffee über die Beweisdokumente des amerikanische-Menschen-eventuell-afrikanischer-Herkunft-Fall verschüttet, mensch!? Das ist die Arbeit von drei ganzen Tagen! Morgen früh sollen diese Leute, die zum Zwecke eines Konzerts nach Deutschland migriert und gegen das hier geltende Betübungsmittelgesetz verstoßen haben, verurteilt werden und wenn die Beweise nicht…“

Montavaro hörte Wilko noch sprechen, verstand ihn aber nicht mehr. Wozu auch? Das Entscheidende hatte er bereits gesagt.

Apokalypse! Wie konnte Bück es nur herausgefunden haben? Er hatte doch dafür gesorgt, dass alle Spuren beseitigt waren! Mit aller gebührenden Sorgfalt. Dieser miese, kleine Schnüffler, die Ratte, das wieselige Vierauge! Hatte wohl die Lupen auf und schnurstracks Fingerabdrücke analysiert, um dann in Sekundenschnelle mit seinem YPS-geprüften Computer (seinem Hirn, Anmerkung MP) alle Puzzleteile zusammenzubringen und…

Montavaro fühlte sich zuerst ohnmächtig, dann kodderig.
Schließlich etwas blümerant.
Es gab nichts mehr zu erledigen. Alles vorbei, Brigitte.
Der Fuchs hatte wahrlich zum letzten Mal im Hühnerstall gefrevelt.

Und damit endet der erste Teil der spannenden Abenteuer des Commissario Montavaro. Bleiben Sie unbedingt am Ball und erleben Sie, wie der Kommissar im nächsten Teil versucht aus dieser schier ausweglosen Situation wieder herauszufinden! Wird er das Duell mit dem klugen Wilko Bück für sich entscheiden können? Wird er Brigitte, seine Herzdame, doch noch für sich gewinnen? Und was hält Locke von alldem?
Bleibt gespannt, liebe Kriminalfreunde! Bald mehr, hier, auf Frankie’s Polizeiblog!

30 Rock

Dr. Leo Spaceman: I don‘t know how to say this. – Di abe tes?

Tracy: Diabetes! How bad is Diabetes, really?

Dr. Leo Spaceman: Quiet serious, if left untreated, you can lose a foot.

Tracy: Could i replace it with a wheel, like Rosie from the Jetsons?

Dr. Leo Spaceman: I suppose. But then you have to register as a motorvehicle.

oder

Liz Lemon: Even Mrs. Doubtfire shimself couldn‘t pull this up.

Solche Dialoge war man zuvor nur von Familiy Guy gewohnt, doch 30 Rock schafft es den absurden Humor in eine Real-Life Comedy Serie zu transferieren. Hinzu kommen auch noch die völlig überdrehte Charakterzeichnungen, die vor allem in Tracy Jordan (l.a.) und Kenneth Parcel (r.a.) ihre Höhepunkte finden.

Nicht unerwähnt darf Alec Baldwin bleiben, der seinem Charakter „Jack Donaghy“ zwar durchaus die größte Seriösität verleiht, dies aber in der Welt von 30 Rock nicht viel zu bedeuten hat. Die Witze sind flach, die „Rück(Seiten)blenden“ sinnlos (ähnlich Family Guy) und das Konzept einfach nur verrückt. Der Stand-Up Comedian Tina Fey, bekannt aus Saturday Night Live (insbesondere durch ihre Sarah Palin Parodien), ist es gelungen eine Serie zu kreieren, die keinen Vergleich zu scheuen braucht, weil nichts Vergleichbares in diesem Genre existiert. Auch wenn kontroverse Themen immer mal wieder angeschnitten werden, verarbeitet 30 Rock diese doch auf die eigene, unkonventionelle Art und Weise, anhand derer zwar die liberale Positionierung der Serienautoren zu erahnen ist, ein erhobener Zeigefinger allerdings weit und breit nicht zu sehen ist.

Wer also das Bedürfnis nach kurzweiligen (20 min. Folgen), unterhaltsam absurden Fernsehentertainment hat, ist bei 30 Rock an der richtigen Adresse.

Er machts nochmal

Now you‘re talking Larry

„Curb your Enthusiasm“ (Das Original zu Pastewka) geht in die achte Staffel.

„After much soul-searching – and by the way, it was nowhere to be found – I have decided to do another season of Curb,“ gab Larry David, der Creator und Hauptdarsteller der Serie bekannt.

„I look forward to the end of shooting, when I can once again resume the hunt for my elusive soul. I know it’s here somewhere or perhaps in the rugged mountainous regions of Pakistan.“ so David (auch Creator von Seinfeld) weiter.

Gedreht wird diesen Sommer und ausgestrahlt werden soll die achte Staffel dann irgendwann 2011. Man kann gespannt sein welche Fettnäpfchen sich Larry dann suchen wird, sicher ist, dass Larry David wieder Fernsehen der Marke pretty, pretty, pretty good schaffen wird.

Intoleranz gegenüber Rassismus

Einer Frau wird ihr Frühstück an einem gewöhnlichen Sonntagmorgen in einem Café versagt. Wie kann dies angehen, könnte Mensch sich nun fragen.

Nun, diese Frau ist eine Mitarbeiterin in der Göttinger Ausländerbehörde und das Café, ist das sich links verstehende Café Kabale.

Folglich stellt sich die Situation also in folgendem Licht dar, die betroffene Person arbeitet für eine Behörde, welche den bürokratischen Teil der menschenverachtenden Abschiebepolitik in der Region Göttingen übernimmt und unterstützt somit aktiv die Abschiebepolitik Deutschlands.

Diese Abschiebepolitik hatte jüngst in Hamburg bei zwei Menschen, die in Abschiebehaft saßen zum Selbstmord geführt. Die Abschiebung von Aschkali und Roma (viele davon betroffene in Göttingen) wird von verschiedenen Menschenrechtsorganisationen kritisiert, da den Abgeschobenen im Kosovo im schlimmsten Fall sogar der Tod droht. Weiterhin bedeutet die Abschiebung die Trennung von Familien, wobei hier aufgewachsende Kinder aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen werden. Auch die Aufrechterhaltung von Duldungsstatus (keine langfristige Lebensplanung möglich), sowie der Residenzpflicht bedeuten für die Asylsuchenden unmenschliche Lebensumstände.

Das Café Kabale machte nun an diesem Sonntagmorgen von seinem Hausrecht Gebrauch und verwies die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde der Lokalität. Daraufhin prüft die Stadt jetzt, ob es sich in diesem Fall um ein diskriminierendes Verhalten handelt. Das GT fragt sich gar, wie sich dieses intolerante Verhalten („Wer von anderen aber breite Toleranz erwartet, muss diesem Anspruch auch selbst genügen“) mit einer linken Ideologie vereinbaren lässt.

An dieser Stelle muss allgemein festgestellt werden, dass Rassismus, Faschismus und Sexismus eben nicht toleriert werden dürfen, wenn sie weder thematisiert noch angeprangert werden, bedeutet dies die Reproduktion solcher menschenverachtenden Einstellungen.

Wenn solche Handlungen, wie das vom Café Kabale ausgesprochene Hausverbot, also als Diskriminierung verstanden werden würde, wäre der Kampf gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus grundlegend zum Scheitern verurteilt, da jede Person die in diesen Kontexten handelt im Namen der Toleranz weder Kritik noch Konsequenzen für ihr Handeln zu befürchten hätte.

Da die Person das Café nicht mit „offener ausländerfeindlicher Gesinnung“ besucht hat, sei ein solcher Rausschmiss unverständlich, so Ulrich Schubert vom GT weiter.

Bedeutet dies, dass versteckte und/oder latente ausländerfeindliche Gesinnung hinzunehmen ist? Die Ausländerbehörde verweist, ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen, Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer (neuen) Heimat. Das Café Kabale engagiert sich hingegen in der Kampagne „Kein Mensch ist illegal“. Diese beiden Selbstverständnisse sind eben nicht kompatibel. Da überrascht es, dass die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde ernsthaft überrascht ist, sie ist gar schockiert vom Verhalten des Café Kabale. Ein Café, welches sich allerdings als anti-rassistisch versteht, kann eben eine Unterstützerin der deutschen Abschiebepolitik (und das ist sie halt als Teil der Ausländerbehörde) nicht tolerieren, dies wäre ein Widerspruch im eigenen Engagement.

Treme

„Treme“

Treme

Der 78 minütige Pilot der David Simon Serie ist ausgestrahlt und zeigt, dass die gespannten Erwartungen nicht zu hoch gesteckt waren.

Die Serie ist zeitlich drei Monate nach Katrina angesiedelt, also in eine Zeit in der sich New Orleans im zögerlichen Status des Wiederaufbaus befindet. Treme, ein Stadtteil von New Orleans, der von der Katastrophe direkt heimgesucht wurde bildet den Mittelpunkt der Hauptcharaktere. Die einen sind während des Hurricanes geblieben, andere kommen in ihre zerstörten Häuser zurück. Der Eindruck der hierbei vermittelt wird, scheint so gar nicht in das „Land der Möglichkeiten“ zu passen, sondern könnte eher aus einem dritte Weltland in Südamerika stammen.

Zerstörte Häuser und Strassenzüge, kaum bis keine Wasserversorgung in einigen Gebieten.

So wirkt aber nicht nur die zerstörte Infrastruktur atypisch für Amerika, denn die Kultur von New Orleans vermittelt ebenfalls den Eindruck einer geradezu, wie eine Enklave wirkende Teil der amerikanischen Kultur. Insbesondere wird das Hauptaugenmerk auf die musikalische Kultur New Orleans‘ gelegt. In der ersten Szene zieht eine kleinere Menschenmasse mit verschiedenen Blasinstrumenten erstmals wieder durch die Strassen von New Orleans. Die dabei gezeigte Lebensfreude scheint die katastrophale Situation in der sich die Stadt befindet fast vergessen zu machen.

Dieser kulturelle Sonderstatus den New Orleans inne zu haben scheint, wird wohl eines der Hauptthemen sein, den „Treme“ vermitteln will und dies gelingt der Serie bereits im Piloten außergewöhnlich gut.

Ein anderes Thema wird wohl neben der persönlichen Verarbeitung der Katastrophe, die Aufarbeitung der Verantwortung bezüglich des Ausmaßes der Katastrophe sein. So wird neben natürlichen Auswirkungen des Hurricanes, das menschliche Versagen thematisiert. Der von John Goodman gespielte Charakter versucht immer wieder die Öffentlichkeit für das verantwortungslose Handeln seitens verschiedenster staatlicher Stellen zu sensibilisieren und eine Aufmerksamkeit bezüglich der mangelnden Vorkehrungen vor Katrina zu schaffen.

Der Cast, bekannt aus den vergangenen Produktionen David Simons (Homicide, The Corner, The Wire), erfüllt ebenfalls die an ihn gesetzten Erwartungen und vermag es die Lebensart des Big Easy zu transportieren und gleichzeitig die frustrierte Situation der Bürger von New Orleans zu illustrieren.

Die Vorfreude auf die Serie hat sich also als berechtigt herausgestellt und es ist jetzt schon schade, dass die Serie in neun weiteren Folgen bereits in die erste Staffel Pause gehen wird. Bis dahin versorgt HBO den Zuschauer wiederum erneut mit dem wöchentlichen Genuss einer außergewöhnlichen Fernsehproduktion. Sicherlich sollte diese Euphorie unter dem Vorbehalt stehen, dass es sich erst um die 1. Episode handelt, doch kann ich mir nicht vorstellen, dass „Treme“ nicht hält was es verspricht.

Homicide: Life on the Street

Homicide ist wie der Name schon sagt eine Serie über eine Mordkommission.

Die Serie ist indirekt das Erstlingswerk David Simons (The Wire, The Corner, Generation Kill), da es auf seinem Buch „Homicide: A Year on the Killing Streets“ basiert. Dieses Buch beruht auf Simons Arbeit als Polizeireporter für die Baltimore Sun. So spielt auch diese Serie, wie „The Wire“ in Baltimore. Sie lief von 1993 bis 1999 und umfasst 7 Staffeln, sowie einen Film als Serienfinale.

In der dritten Staffel angekommen überzeugt Homicide in puncto Detailtreue und Authentizität (vor allem bezüglich der Emotionen des regulären und nicht regulären Casts, wie z.B. Robin Williams in S02E01), aber auch in Erzählweise und Charakterdarstellung. Gerade über die verschiedenen Charaktere werden immer wieder verschiedenste Problematiken, wie Rassismus, Sexismus und auch polizeiinterne Mißstände thematisiert. (Der folgenden Szene vorrausgehend hat sich ein Mord ausgehend von einem Polizisten ereignet, der Verdächtige der verhört wird, war Zeuge und hat nun Angst gegen den Polizisten auszusagen – Der verhörende Polizist Frank Pembleton (Andre Braugher) wollte in Richtung Polizei ermitteln, was ihm aber untersagt wurde)

Die Folgen sind weitestgehend abgeschlossen, in den meisten Episoden werden ein oder auch zwei Mordfälle dargestellt. Es gibt auch Fälle die sich über mehrere Episoden ziehen, sind aber bis zu Beginn der dritten Staffel eher die Ausnahme. Kontinuität erzielt Homicide vor allem über die Entwicklung der einzelnen Charaktere, bei denen man ähnlich wie bei „The Wire“ keine klaren Hauptcharaktere ausmachen kann, am ehesten noch den oben zu sehenden Frank Pempleton, aber auch ein Charakter wie (John) Munch, der immer wieder für amüsante Dialogsituationen sorgt, soll nicht unterschlagen werden.

„Homicide: Life on the Street“ ist sowohl Unterhaltung als auch Charakter- bzw. Gesellschaftsstudie, anhand der einzelnen Mordfälle werden immer wieder (manchmal aber auch nicht) die Probleme bezüglich sozialer, gesellschaftliche Brennpunkte aufgezeigt. Homicide ist eine Serie, die in ihrer Machart sehr schlicht und einfach gehalten ist und sich dadurch auf ihre wesentlichen Aussagen konzentrieren kann.

Fazit: Wer „The Wire“ mochte, wird „Homicide“ lieben.
Auch wenn man sich in beide Serien reinsehen muss.

Die Fremde

„Die Fremde“ ist ein Film, der klischeehaft gesagt unter die Haut geht. Ein Film, welcher in die intimsten Sphären einer türkischen Familie vordringt und dort die Dauer des Filmes über verweilt.

Die Geschichte ist einfach erzählt, eine Ehefrau (Sibel Kekilli) verlässt ihren gewalttätigen Mann und flieht mit ihrem Sohn von Istanbul zurück zu ihrer Familie nach Berlin. Ihre Familie kann jedoch nicht aktzeptieren, dass ihre Tochter/Schwester sich von ihrem Ehemann trennen will und ihr Enkel ohne Vater aufwachsen soll, egal was dies für Mutter und Sohn bedeuten würde. Schließlich beginnt der Kampf einer Frau um ihren Sohn, ihre Unabhängigkeit, aber auch um ihre Aktzeptanz in ihrer sich von ihr abgewendeten Familie.

Der Film von Regisseurin Feo Aladag schafft es wie kein Film dieser Thematik zuvor, die Ängste aller Seiten zu vermitteln. Dies gelingt ihr unter anderem durch die sehr intime, authentische Atmospäre, die z.B. dadurch erreicht wird, dass die jeweiligen Wohnungen kaum verlassen werden (besonders in der ersten Filmhälfte), so entsteht schon fast der Eindruck eines Theaterstückes oder einer Dokumentation. Auch der authentische Umgang mit der Sprache, also das Verhältnis zwischen dem Gebrauch der türkischen zur deutschen Sprache trägt zu weiterem Realismus bei. Der Zuschauer wird direkt mit der Familiensituation konfrontiert, auch wenn der Fokus immer auf Umay und Cem bleibt, also auf Mutter und Sohn, werden einem die weiteren Familiencharaktere geradezu auf familiäre Weise näher gebracht.

So entwickelt sich schnell ein Unverständnis bezüglich des Verhaltens der Familie gegenüber Umay, doch zeigt der Film im gleichen Moment die Beweggründe für ihre Handlungen. Die Familie muss sich entscheiden zwischen ihrer Ehre und ihrer Tochter. Diese Ehre, dieser Gesichtsverlust, welcher gesellschaftliche Isolation und Scham für die Familie bedeutet, relativiert ihr Handeln zwar nicht, zeigt aber die Verzweiflung die sie in einer solchen Situation nicht zu Gunsten ihrer Tochter bewältigen können, obwohl sie die Liebe zu ihrer Tochter nicht zu verlieren scheinen. (Sinngemäß: „… du hast Schande über unsere Familie gebracht, aber komm doch wenigsten wieder zu uns zurück“, so der Vater in einer Szene zu sich selbst)

Der Film bietet wenig bis gar keine positiven Momente, der beschriebene Lebensweg von Umay zeichnet sich durch einen verzweifelten Kampf aus, den sie nicht gewinnen kann, auch wenn man es ihr immer wieder wünscht.

Wenn man diesen Film in einen Vergleich setzen müsste, dann liegt, nicht nur wegen derselben Hauptdarstellerin, „Gegen die Wand“ auf der Hand. „Die Fremde“ jedoch hinterlässt den intensiveren und auch authentischeren Eindruck, wo „Gegen die Wand“ unterhaltsam ist, lässt einen „Die Fremde“ kurz auf- oder durchatmen (was durchaus selten der Fall ist), in Szenen in denen „Gegen die Wand“ den Zuschauer in seinen Bann zieht, schafft es die Fremde, dass sich dem Zuschauer der Magen umdreht.

Im Endeffekt ist „Die Fremde“ der seriösere Film, welcher die Probleme einer türkischen Frau, aber auch einer türkischen Familie, die sich aus ihren kulturellen Traditionen und Rollenbildern nicht befreien kann, beeindruckend darstellt, was vor allem an den überragenden schauspielerischen Leistungen liegt, den man irgendwie nicht glauben kann, dass nicht auch ein Teil ihres Lebens in den Charakteren verarbeitet ist.
Ein äußerst bedrückender, aber absolut sehenswerter Film.