Archiv für Juli 2010

Trombone Shorty & Orleans Avenue

Troy Andrews, genannt „Trombone Shorty“ verkörpert wohl die erfolgreichste Variante der neuen Generation von (Brass) Musikern aus New Orleans. Aufgewachsen im Stadtteil Treme in New Orleans, nimmt Troy Andrews die Musik bereits in frühester Kindheit auf.


Hier sieht man „Shorty“ 1991 auf dem New Orleans Jazz & Heritiage Festival

Während seine Kollaborationen mit U2, Aeorosmith oder Lenny Kravitz für seinen Erfolg im Mainstream – Bereich der Musik zeigen, sind es doch solche „Battles“, wie mit dem New Orleans Jazz Trompeter Wynton Marsalis,

die die wirkliche Qualität seiner Musik verdeutlichen. Trombone Shorty und seine Band „Orleans Avenue “ nennen ihre Musik aufgrund verschiedener Genre Einflüsse „SupaFunkRock“. Gerade die instrumentalen Stücke, die auf Andrews und seine Band beschränkt bleiben, imponieren.

New Orleans Voices: „Trombone Shorty“ from Alexia Prichard on Vimeo.

Die Bedeutung des Kosovo für Roma

Der Freitag widmet der Thematik der Abschiebung von Roma in das Kosovo ein Wochenthema.
Neben drei interessanten Hintergrundartikeln, mit den Schwerpunkten „In Dtld. sozialisierte Roma“, „Roma und Sinti im Kontext der Nazi – Verfolgung und deren heutige Bedeutung“ und einer Chronik des Umgangs mit den Menschen aus dem Kosovo, gibt es ein Interview mit dem Obmann für Menschenrechte im kosovoarischen Parlament, Sami Kurteshi.

Hier ein Ausschnitt:

Der Freitag: In den nächsten Jahren will Deutschland 12.000 Angehörige von Minderheiten ins Kosovo abschieben. Ihr Land hat insgesamt nur zwei Millionen Einwohner. Wie wird es diesen Zuwachs verkraften?

Sami Kurteshi: Ganz ehrlich, ich sehe nicht, wie dieser Staat, mit dieser Arbeitslosigkeit, in diesem Zustand, noch Menschen helfen könnte, die zurückkommen.

Die Arbeitslosigkeit im Kosovo liegt bei 40 bis 50 Prozent, die der Roma bei 98 Prozent.

Richtig. Und bedenken Sie, dass die Menschen aus Ex-Jugoslawien in Deutschland, Österreich oder der Schweiz noch eine kleine Unterstützung an ihre Familienmitlieder schicken. Wenn sie zurückkommen, werden diejenigen im Kosovo nicht einmal das mehr haben.

In der Gemeinde Obelic wurde die Hälfte der Häuser zerstört. In den beiden Mietskasernen für Roma leben auch Rückkehrer aus Deutschland. Wie landet jemand an so einem Ort?

Die Antwort muss ich Ihnen leider schuldig bleiben, denn wir wissen zu wenig über Rückkehrer. Kürzlich haben wir einen Versuch unternommen: Wir wollten verfolgen, was mit jemandem passiert, der zum Beispiel aus Deutschland am Flughafen ankommt. Zwei Tage lang haben sich unsere Mitarbeiter bei jenen Stellen durchgefragt, die am Prozess der Rückübernahme beteiligt sind. Das Ergebnis: Das Innenministerium ist für die Sicherung der Reisedokumente zuständig, das Ministerium für Arbeit und Soziales sichert für eine Woche eine Unterkunft und eine Sozialhilfe.

Diese Informationen sind reichlich dünn.

Genau. Auf unsere Fragen erhielten wir nur trockene, inhaltslose Antworten. Was passiert denn nach einer Woche? Wer hilft diesen Menschen, was machen sie, wohin gehen die Kinder? Was passiert, wenn sie krank sind? Tausend Fragen sind noch offen. Uns ist überhaupt nicht klar, was mit Rückkehrer-Familien geschieht. Weder unsere Behörden, noch die Länder, aus denen Menschen abgeschoben werden, sind an Transparenz interessiert.

Die Fortsetzung des Interviews hier

Weitere interessante Links: UNICEF – Studie, Schriftliche Stellungsnahme UNICEF Kosovo

Eva die zweite, Herzlichen Glückwunsch Frau Präsidentin

Viel fällt mir dazu nicht mehr ein, habe einen weiteren Artikel von Eva Hermann vom 20.03. diesen Jahres gefunden. (man mag es kaum glauben, dass dieser nicht aus dem „Mittelalter“ stammt)

In diesem Artikel nimmt Eva Hermann zum Thema „Gender“ Stellung, insbesondere zur Dekonstruktion der Geschlechterrollen in Kindergärten. Dazu Eva Hermann, „Je früher das Gehirn gewaschen wird, desto leichter funktioniert auch später das Umerziehungsprogramm! Ein bereits früh gegendertes Kind wird wie selbstverständlich einmal davon ausgehen, dass es Mann und Frau nicht gibt!

Sie kritisiert hier allerdings nicht Gender – Extreme, sondern bereits den Versuch an sich Jungen und Mädchen gleich zu betrachten, so heißt für Eva Hermann der folgende Teil eines Online-Handbuches für Kindergarten-Pädagogik,
Der klassische Kindergarten mit Bauecke und Puppenecke in jedem Gruppenraum sollte überprüft werden. Funktionsräume sind für die individuellen Bedürfnisse von Kindern besser geeignet, vor allem auch in Bezug auf die Gender-Thematik. Dort hat man festgestellt, dass Jungen und Mädchen Räume nicht geschlechtsspezifisch, sondern interessenbezogen nutzen.

im Klartext, „Ganz einfach: Dass es das typische Verhalten eines Mädchens oder eines Jungen eben auch nicht mehr geben soll.

Nein Frau Hermann, dass es heisst es nicht, das heißt nur, dass die konstruierte, traditionelle Rollenverteilung durchbrochen werden sollen und eben keine aufdoktrinierten Geschlechtsspezifika bereits im Kindergarten anerzogen werden sollen. Dies kann Eva Hermann natürlich nicht verstehen, denn ihr Männer und Frauen Bild ist nicht nur Genderinkompatibel, sondern auch mit der bereits vorhandenen Realität nicht mehr vereinbar. „Auch das Kindergarten-Personal agiert nach klaren Gender-Regeln: »Wichtig ist auch, dass Kinder erleben, dass auch Männer für Kindererziehung und hauswirtschaftliche Tätigkeiten gerne zuständig sind und so positive Vorbilder in diesen Bereichen sein können.« Hier wird früh eingeleitet, was eine Wahrnehmung formen soll, die mit derzeitigen Gendergesetzen kompatibel ineinander wirkt: Nach EU-Plänen zum Beispiel sollen Frauen in der TV-Werbung nicht mehr vor dem Herd oder der Waschmaschine gezeigt werden, dies sei sexistisch und diskriminiere die Frauen. Stattdessen soll der weibliche Mann in den heimischen Fokus gerückt werden.

Die Beschränkung der Frau auf den Haushalt und die Reproduktion dieses Rollenbildes ist sexistisch, genau wie Hermanns Meinung, dass Jungs oder Männer weiblich und weich werden wenn sie lernen sollen zu „verlieren, beim Warten und Zurückstecken eigener Bedürfnisse, Hilfsbedürftigkeit zugeben können, Umgehen damit, dass Mädchen Paroli bieten!

Zuletzt stellt sie ihre Zugehörigkeit zum Kopp Verlag nocheinmal eindrucksvoll anhand einer Verschwörungstheorie unter Beweis, „Wer zudem die derzeitigen politischen Bemühungen beobachtet, dass nämlich Kinderrechte von fast allen übrigen Parteien partout und unbedingt in der Verfassung festgeschrieben werden sollen, damit u.a. das Recht eines Kindes auf »frühkindliche Bildung« gewährleistet wird, muss erkennen, dass in Wahrheit damit nur ein einziges Ziel verfolgt und somit auch erreicht wäre: Der gesetzlich vorgeschriebene Krippenaufenthalt! Krippenpflicht! Und das bedeutet Zwangs-Genderisierung für ALLE Kleinkinder! Kinderrechte sind durch die Menschenrechte automatisch und längst im Grundgesetz verankert!

Frau Hermann, die für mich offizielle Präsidentin der Sektion Wahnsinnig.

Komplett nachzulesen unter http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/gender-in-der-kita-wie-kleinkinder-umprogrammiert.html

Boardwalk Empire

Am 19. September könnte eine neue Ära in Sachen Mafia Fernsehen beginnen.

Boardwalk Empire bündelt die Erfahrung aus Kino und Fernsehen gepaart mit exzellenten Darstellern.

Die Serie ist zur Zeit der Prohibition angesiedelt und der aktuellster Trailer lässt Vorschusslorbeeren lockerleicht aus der Pistole schiessen.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Serie nicht nur von Martin Scorsese (Goodfellas, Casino) entwickelt wurde, sondern mit Terence Winter auch ein Mitverantwortlicher der „Sopranos“ die Hände am Steuer dieses episch anmutenden Werkes hat. Mit Allen Coulter (Regisseur) und Steve Kornacki (Autor) sind zwei weitere Personen mit Sopranos – Erfahrung dabei.

Der Cast verspricht darüber hinaus, die Vorstellungen der genannten Kreativabteilung umsetzen zu können; hier sind neben Steve Buscemi, Michael Pitt (Funny Games) und Stephen Graham (This is England) zu nennen. Hinzu kommen verschiedene Schauspieler, die ebenfalls ihre Erfahrungen bereits im Cast von den Sopranos sammeln konnten. (Vincent Piazza, Aleksa Palladino und Max Casella) Nicht verschwiegen werden darf das Mitwirken von Michael K. Williams aka Omar Little, der in The Wire bereits gezeigt hat zu welchen fantastischen Charakterdarbietungen er fähig ist.

Ein solches Gesamtpaket führt zwar zu extrem hohen Erwartungen, doch wie schon im Falle „Treme“ bin ich überzeugt davon, dass „Boardwalk Empire“ diesen standhalten kann.

Die vielen Gesichter des Wladimir P.

Immer wieder scheint sich Wladimir Putin neu zu erfinden, seine neueste Idee, warum nicht mal in Biker Kreisen sein Unwesen treiben.

So fiel der russische Politiker schon vor Jahren durch seine maskulinen Inszenierungen auf.

Die sicherlich nicht „nur als vorteilhaft“ anzusehen sind. So könnte er durchaus
folgendermaßen auf seine alten Entgleisung reagiert haben. Sicherlich nur aus optischen Gründen, aus der „Gender – Perspektive“ ist er sich seiner Männlichkeit bewusst.

Aber dabei ist er doch eine so coole Sau, die einen Mantel der Zwiespältigkeit vielleicht gar nicht abzulegen gedenkt.

So kann dann auch Putin doch mal mit einem „natürlichen“ Lächeln erwischt werden.

Warum nun dieser Blogartikel? Sitze in der Bib, lernen ist nicht mehr, draussen regnet es Katzen und Hunde; Und Putin fuhr mir gerade über den Bildschirm,
Was für ein Typ!

Eva Hermann bewirbt sich auf den Posten der Präsidentin der Sektion Wahnsinnig

Frau Hermann bekannt geworden als Tagesschausprecherin und sukzessiv als Relativierungskünstlerin der NS – Zeit (es war ja nicht alles schlecht…), sowie sich der Aufrechterhaltung der traditionellen Geschlechterrollen (…z.B. die Mutterrolle) verschrieben, hat zu einem neuen Meisterstück ausgeholt.

Wie schon in ihren vergangenen Kritiken ist die „Ausgeburt“ des Unglücks die 68er Generation (Wer sich betrunken und mit Drogen vollgedröhnt die Kleider vom Leib reißt, wer die letzten Anstandsrnormen feiernd und tanzend einstürzen lässt, und wer dafür auch noch von den Trägern der Gesellschaft unterstützt wird, der ist nicht weit vom Abgrund entfernt. Die Achtundsechziger haben ganze Arbeit geleistet!). Diesmal sind die Achtundschziger also (indirekt) für das Unglück auf der Loveparade in Duisburg verantwortlich. Dieses sei nämlich eine Veranstaltung der Kategorie „Soddom un Gomorrha“ gewesen.

Hermann wörtlich, „Dieses »friedliche Fest fröhlicher junger Menschen« ist in Wahrheit eine riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie, geplant, genehmigt und zum Teil finanziert von der Stadt Duisburg und NRW.“.
[…] Man muss nicht ausgesprochen prüde sein, um sich hier nach kurzer Zeit mit Grausen abzuwenden. Riesige dunkle Wolken der Enthemmung und Entfesselung treiben über dem Geschehen, die jungen Menschen wirken, als hätten sie jegliche Selbstkontrolle abgegeben, ekstatisch und wie im Sog folgen sie dem finsteren Meister der sichtbaren Verführung.“, so Eva Hermann weiter auf der Online Seite des Kopp – Verlages, ihrer neuen Plattform. (Der so „vertretbare“ Bücher wie „Stalins verhinderter Erstschlag“ oder „Der Aids – Mythos; AIDS-Lügen entlarvt!“ vertreibt.)

Doch damit nicht genug, Eva Hermann reicht es nocht nicht eine Veranstaltung wie die Loveparade aus ihrer erzkonservativen Perspektive zu überzeichnen, was in Anbetracht der Geschehnisse schon anstandslos (den Anstand, den sie einfordert/vermisst) genug wäre. Sie setzt ihrer ganzen Betrachtung letztendlich noch die Krone (der Wahnsinnigen) auf, denn für Eva Hermann wurden „Für die Zukunft […] jedoch Weichen gestellt: Denn das amtliche Ende der »geilsten Party der Welt«, der Loveparade, dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!

Auch wenn Eva Hermann nach dieser Veröffentlichung noch einmal betont, dass sie den Angehörigen der 19 Toten ihr Beileid ausspricht und dies auch an einer Stelle des zitierten Textes getan hat (Den Familien und Angehörigen der Toten gebührt tiefstes Beileid, sie haben schwerste Zeiten vor sich.), relativiert sich diese Aussage doch auf zynische Art und Weise, wenn sie nur wenige Sätze später von einem „erleichterten Aufatmen“ schreibt.

Aus einem solchen Ereignis ein konservatives Pamphlet gegen den angeblichen Werteverfall der Gesellschaft zu konstruieren, zeigt deutlich, dass die „Ausrutscher“ Hermann’s in der Vergangenheit kein Zufall waren. Falls sie in Zukunft im aktuellen Kontext erneut eine Plattform bekommen sollte, hoffe ich allerdings, dass kein Leim die Talkshowsitze benetzt und sie durch argumentative Kompetenz ihren, sich in die Sphären der Geschmacklosigkeit aufgeschwungenen, Wahnsinn in der Öffentlichkeit vorgeführt bekommt.

Moon

Moon, ein Film, der ein spannendes und kontroverses Thema als Grundlage bietet, dieses allerdings nicht direkt thematisiert.

Sam Bell (Sam Rockwell) arbeitet auf dem Mond. Er besitzt einen 3 Jahresvertrag für die Sicherstellung und Bedienung einer Station, die für ca. 3/4 des Energiebedarfes der Erde verantwortlich ist. Sam Bell ist die einzige Person, die auf dieser Station arbeitet. Ihm zur Seite steht ein Computer, GERTY (Stimme von Kevin Spacy), der darauf programmiert ist dem „einsamen Wächter“ der Raumstation in allen Belangen zur Seite zu stehen. Die mehrjährige Einsamkeit der Hauptfigur scheint zunächst als Thema des Filmes den Mittelpunkt zu bilden. Auch wenn die Einsamkeit nie aus dem Fokus verschwindet, entwickelt „Moon“ doch schnell eine andere Ebene als Sam Bell in einem Mondfahrzeug verunglückt und daraufhin von „sich selbst“ geborgen und gerettet wird.

Die sterile Optik der Mondstation, sowie GERTY als allgegenwärtige Computerstimme wecken bereits nach den ersten Minuten und der Betrachtung des Trailers Assoziationen zu Kubricks Klassiker „2001 – A Space Odyssey“. Allerdings beschränken sich diese Assoziationen letztendlich auf die Atmosphäre, da der HAL 9000 von deutlichen anderem Charakter als GERTY ist.

So legt „Moon“ seinen Schwerpunkt eben nicht auf den Überlebenswillen einer „Maschine“. „Moon“ transferiert diese Problematik auf das Thema der Klonproblematik, in dessen Kontext das Recht auf Selbsterkenntnis und eigenes Leben zwar nicht im moralischen Sinne thematisiert wird, aber anhand des Plots und vor allem der dualen Charakterentwicklung dem Zuschauer als Diskussionsanstoss hinterlassen wird. So antwortet Sam auf eine Anmerkung GERTY’s am Ende des Filmes „ We‘re not programmed, we‘re people“, welches als einzige direkte Aussage zurückbleibt. Auf diese Weise wird der problematische Zeigefinger nicht erhoben und die Stellungnahme bezüglich des Themas auf einem Minimum belassen.

„Moon“ überzeugt durch einen herrvoragenden Sam Rockwell, der einmal mehr sein schauspielerisches Potential abrufen kann, sowie eine dichte, beklemmende Atmosphäre in der die Thematik des Filmes reift, es aber letztendlich dem Zuschauer überlässt in welcher Intensität er/sie über die Problematik nachdenken oder diskutieren möchte.

Demoflyer gegen Abschiebungen

Niedersachsens Innenministerium und Göttinger Stadtverwaltung
halten noch immer an Abschiebungen fest

– BEGLEITUNG ZUR AUSLÄNDERBEHÖRDE –

Dienstag 27.07.2010 | 10.00 Uhr | Neue Rathaus | Göttingen

– DEMONSTRATION GEGEN ABSCHIEBUNGEN –

Samstag 31.07.2010 | 15.00 Uhr | Kornmarkt (Gänseliesel) | Göttingen

Nachdem wir der Abschiebemaschinerie in Göttingen Sand ins Getriebe gestreut haben und die
geplanten Abschiebungen von 30 Roma ins Kosovo am 22. Juni 2010 vorläufig verhindert werden konnten, müssen wir gemeinsam mit den betroffenen Menschen den Druck auf die rassistische Asylpolitik Göttingens, Niedersachsens und nicht zuletzt Deutschlands aufrecht erhalten. Dieser menschenverachtenden Praxis muss endlich ein Ende bereitet werden.

An Bord des Air Berlin-Flugzeuges, das an diesem Tag von Schweden über Düsseldorf und Wien
nach Pristina flog, befand sich unter anderen Abgeschobenen eine sechs-köpfige Roma-Familie,
die seit 21 Jahren in NRW lebte. Alle Kinder dieser Familie wurden in Deutschland geboren (die
älteste ist 13 Jahre alt!). Es konnte lediglich verhindert werden, dass mit diesem Flug Menschen
aus Niedersachsen abgeschoben wurden. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Risiko weiterer
Abschiebeversuche vermindert wäre. Die Situation in Göttingen: Bei drei der Familien wurde durch das Stellen von Asylanträgen die Abschiebung gestoppt werden. Zwei Menschen waren gezwungen, sich in ein Kirchenasyl zuflüchten, und hoffen auf der juristischen Ebene, eine Wiedereinsetzung ihres Duldungsstatus zu erreichen. Das niedersächsische Innenministerium wartet nur auf einen negativen Ausgang der Verfahren, um anschließend die bereits geplanten Abschiebungen vollziehen zu können.

In Deutschland einen dauerhaften Aufenthaltsstatus zu bekommen, ist nach der Aushebelung des Asylrechts durch den sogenannten Asylkompromiss im Jahre 1993 fast unmöglich geworden. Auch die sogenannte Bleiberechtsregelung aus dem Jahr 2007 bietet nur für wenige Menschen eine Option zum Bleiben. Durch die ständige Drohung einer Abschiebung sowie weitere rassistische Sondergesetze wie Residenzpflicht, Gutscheinpraxis, de-facto Arbeitsverbot oder willkürlich auferlegte Aufenthaltstitel wird ein Leben in Würde hierzulande vielen Menschen verwehrt. Neben den Abschiebevorhaben von Roma ins Kosovo sind auch andere Menschen betroffen: so sollen aktuell u.a. auch Kurden nach Syrien abgeschoben werden.

Wir fordern ein Bleiberecht für alle und werden dies am Samstag, den 31.07.2010, erneut
auf die Straße tragen. So wollen wir zeigen, dass diese menschenunwürdige Asylpraxis auf einen
immer breiteren Widerstand stößt. Dazu treffen wir uns um 15.00 Uhr am Kornmarkt
(Gänseliesel), um mit viel Kraft und Kreativität unsere Solidarität zu demonstrieren.

Am Dienstag, den 27.07.2010 um 10.00 Uhr, werden wir Flüchtlinge zur Ausländerbehörde
begleiten, um sie bei der Verlängerung ihrer Duldungen zu unterstützen. Die Menschen sollen
nicht länger alleine der Willkür der Mitarbeiter_innen der Ausländerbehörde ausgesetzt bleiben.

Zu diesen Aktionen werden ALLE Menschen mit antirassistischem Selbstverständnis aufgerufen.

BLEIBERECHT FÜR ALLE !

DER WIDERSTAND GEHT WEITER !

SEID SAND IM GETRIEBE DER ABSCHIEBEMASCHINERIE !

NO NATION – NO BORDER – FIGHT “LAW AND ORDER” !

Achtet auf weitere Ankündigungen!

z.B.: http://www.alle-bleiben.info/news oder
http://www.papiere-fuer-alle.org/
Jeden Dienstag findet um 20 Uhr ein Treffen von
Unterstützer_innen im Autonomicum (Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben, unten im „Blauen Turm“) statt. Ihr seid herzlichst dazu eingeladen vorbeizukommen und mitzumachen

Louie

„Louie“, eine neue Serie des Senders FX. In der Serie geht es um einen Stand – Up Comedian, dem außerhalb seiner Show nicht immer zum Lachen ist. Es sind zwar Louie’s Auftritte als Stand Up in jede Folge inbegriffen, so dass sich ein rein struktureller Vergleich zu „Seinfeld“ aufdrängt, aber Louie ist schließlich doch bissiger, geradezu zynischer und an einer Stelle der zweiten Folge gar wertvoll. So lässt sich nach den ersten beiden Folgen eher der Vergleich zu „Curb your Enthusiasm“ herstellen, von der Machart, zum Teil vom (Umgang mit dem) Hauptcharakter, aber Louie hat das Potential seinen eigenen Stil zu entfalten.

Louie wirkt ein wenig, wie der hässliche, unberühmte Bruder von Larry David, der das Leben zwangsweise ernster nehmen muss. Louies Dateversuch der ersten Folge löst Fremdscham und Mitgefühl in horrendem Maße aus, die Pokerrunde der zweiten Folge mit einem Schwerpunkt auf dem Thema Homosexualität und Homophobie funktioniert hingegen auf einem außergewöhnlich gutem und seriösem Niveau.

Sollte die Serie diesen Stil(mix) weiterführen oder sogar ausbauen, könnte „Louie“ neue Fußstapfen im Bereich der Comedy hinterlassen.