Archiv für Januar 2011

„Always on the run! No sleep til Brooklyn!“

Anfang Februar kommt endlicht eine neue Graffiti Doku auf den Leinwand, die das Potential besitzen könnte neue Maßstäbe zu setzen. „Unlike U“ heißt das Werk von Henrik Regel und Björn Birg. Über sieben Jahre beschäftigten sich die beiden Filmemacher mit der Thematik und erarbeiteten sich so das Vertrauen der Szene, die man durchaus als geschlossene Gesellschaft beschreiben könnte. Und so wirkt es zumindest im Trailer, dass sie hier ein liebevolles und detailliertes Portrait einer Szene geschaffen haben könnten, das so wohl noch nie gesehen wurde.
Warum macht man das, wenn man es doch niemanden erzählen kann? Worin besteht der Kick? Warum kriminalisiert (bzw. wird kriminalisiert) man sich, obwohl man keinen öffentlichen Ruhm oder Geld dafür bekommt? Vielleicht hat SKIM recht und letztendlich ist es nur die Liebe zur Farbe, die jemanden dazu bewegt, soziale Ausgrenzung, Paranoia oder Schlafentzug auf sich zu nehmen, um Züge zu „gestalten“, die ja doch sofort wieder aus den Verkehr genommen werden.
Der Film verspricht auf jeden Fall viel und ist wohl nicht nur was für Kenner der Berliner Sprüher Szene.

The Oscar should go to…

So nun sind die diesjährigen Nominierungen für die Acadamy Awards raus.

Nominiert für „Best Motion Picture of the Year“


127 Hours (2010): Christian Colson, Danny Boyle, John Smithson

Black Swan (2010): Mike Medavoy, Brian Oliver, Scott Franklin

The Fighter (2010): David Hoberman, Todd Lieberman, Mark Wahlberg

Inception (2010): Christopher Nolan, Emma Thomas

The Kids Are All Right (2010): Gary Gilbert, Jeffrey Levy-Hinte, Celine Rattray

The King’s Speech (2010): Iain Canning, Emile Sherman, Gareth Unwin

The Social Network (2010): Scott Rudin, Dana Brunetti, Michael De Luca, Ceán Chaffin

Toy Story 3 (2010): Darla K. Anderson

True Grit (2010): Ethan Coen, Joel Coen, Scott Rudin

Winter’s Bone (2010): Anne Rosellini, Alix Madigan

Legt man die Golden Globes zu Grunde ist hier sicherlich „The Social Network“ der große Favorit. Der Film von David Fincher hat allerdings meiner Einschätzung nach keinen weiteren Preis verdient, da der Film ohne den Hype rund um Facebook keine Relevanz oder größere Tiefe aufweisen kann, denn es wird nur beschrieben wie der Gründer von Facebook einen Rockstarartigen Aufstieg im Mantel eines trivialen Plots hinter sich bringt. Hätte der Film es geschafft die soziale bzw. gesellschaftliche Bedeutung des Mediums Facebook aus welcher Sicht auch immer zu diskutieren, hätte dies durchaus ein gehaltvoller Film werden können, dies scheint allerdings niemals die Absicht der Verantwortlichen gewesen zu sein.

So ist auch Inception, sicherlich ein optisches Meisterwerk, bezüglich seiner tiefergehenden Qualität kein wirklicher Kandidat für diesen Oscar. Meine Favoriten wären hier Darren Aronofskys „Black Swan“, der in Sachen Atmosphäre sicherlich herausragend war im vergangenen Kinojahr. „True Grit“ von den Coen Brüdern hat sicherlich nicht die Wirkung wie z.B. „No Country for old Men“, doch kann der Film die Tradition des Western Genres durchaus fortführen. Auch „The Fighter“ ist sicherlich kein „Raging Bull“, ihm gelingt es allerdings über die Darstellung des Aufstiegs Micky Ward’s hinaus ein Milieu zu beschreiben, was dem Film neben den großartigen schauspielerischen Leistungen eine notwendige Tiefe verleiht.

Meine Favoriten wären daher „Black Swan“ oder „The Fighter“, wobei ich mich darüber hinaus für „True Grit“ trotzdem freuen würde.

Update: Winter’s Bone rückt nach meiner nun erfolgten Sichtung in meinen persönlichen Favoritenkreis, ich rechne dem Film allerdings leider keine realen Erfolgschancen aus.

Nominiert für „Best Performance by an Actor in a Leading Role“

Javier Bardem for Biutiful (2010)

Jeff Bridges for True Grit (2010)

Jesse Eisenberg for The Social Network (2010)

Colin Firth for The King’s Speech (2010)

James Franco for 127 Hours (2010)

„The King’s Speech“ habe ich noch nicht gesehen, gestehe ihm allerdings durchaus anhand von Kritiken und bisherigen Awards ungesehen erstmal seine Qualität zu, der Golden Globe Gewinn Colin Firth’s rückt ihn sicherlich nach ganz oben im Favoritenkreis. Jesse Eisenberg hat es vielleicht geschafft einen zweifelhaften Charakter darzustellen, doch steht diese Leistungen maximal in der Tradition des Oscargewinnes von Denzel Washington für „Training Day“. Jeff Bridges Perfomance als heruntergekommender Marshall in „True Grit“ hingegen bietet eine durchweg ansprechende Schauspielleistung, doch wird er nach „Crazy Heart“ wohl kaum das zweite Jahr hintereinander dafür belohnt werden. Leider war es mir noch nicht vergönnt Alejandro González Iñárritu’s „Biutiful“ zu sehen, doch bin ich nach der Sondierung der Kritiken von einer erneuten außergewöhnlichen Leistung Javier Bardems überzeugt.

Ich sehe Bardem und Firth in dieser Kategorie als die beiden großen und einzigen Favoriten.

Nominiert für „Best Performance by an Actress in a Leading Role“

Annette Bening for The Kids Are All Right (2010)

Nicole Kidman for Rabbit Hole (2010)

Jennifer Lawrence for Winter’s Bone (2010)

Natalie Portman for Black Swan (2010)

Michelle Williams for Blue Valentine (2010)

Das Natalie Portman für ihre Rolle der Nina in Black Swan einen Oscar bekommt steht für mich außer Zweifel. Als Geheimfavoriten sehe ich vielleicht noch Michelle Williams für ihre Rolle in „Blue Valantine“ doch bin ich mir ziemlich sicher, dass kein Weg an Portmans erstem Oscargewinn vorbei geht.

Update: Während ich dem Film „Winter’s Bone“ keine Chancen ausrechne, glaube ich, dass Jennifer Lawrence vielleicht Aussenseiterchancen hat. Doch der Hype bezüglich Black Swans Portman ist so groß, dass jede andere als handfeste Überraschung gelten würde.

Nominiert für „Best Performance by an Actor in a Supporting Role“


Christian Bale for The Fighter (2010)

John Hawkes for Winter’s Bone (2010)

Jeremy Renner for The Town – Stadt ohne Gnade (2010)

Mark Ruffalo for The Kids Are All Right (2010)

Geoffrey Rush for The King’s Speech (2010)

Gleiches gilt auch für Christian Bale und seine Rolle des Dicky Eklund in „The Fighter“. Hier könnte vielleicht noch der immer überzeugende Geoffrey Rush für seine Rolle in „The King’s Speech“ eine Konkurrenz darstellen.

Nominiert für „Best Performance by an Actress in a Supporting Role“


Amy Adams for The Fighter (2010)

Helena Bonham Carter for The King’s Speech (2010)

Melissa Leo for The Fighter (2010)

Hailee Steinfeld for True Grit (2010)

Jacki Weaver for Animal Kingdom (2010)

In dieser Kategorie sehe ich ebenfalls eine Protagonistin von „The Fighter“ als die große Favoritin. Melissa Leo ist nicht nur durch ihren Triumph bei den Golden Globes eine heiße Kandidatin. So überzeugte sie bisher eher in Fernsehcharakteren (Homicide, Treme), doch bietet sie in der Rolle der Mutter der beiden Halbbrüder Micky und Dicky eine herausragende Schauspielleistung. Allerdings könnte ich mir auch eine Überraschung durch Hailee Steinfield vorstellen, die in „True Grit“ den Film zusammen mit Jeff Bridges prägt und trägt.

Nominiert für „Best Achievement in Directing“


Darren Aronofsky for Black Swan (2010)

Ethan Coen, Joel Coen for True Grit (2010)

David Fincher for The Social Network (2010)

Tom Hooper for The King’s Speech (2010)

David O. Russell for The Fighter (2010)

Ich fürchte das David Fincher für seinen vielleicht schlechtesten Film seinen ersten Oscar erhält, dies wäre schließlich nicht das erste mal siehe Martin Scorsese für „The Departed“, hoffe aber inständig das dies nicht passieren wird. Verdient hätte es allerdings Darron Aronofsky für „Black Swan“, der mit diesem Film an seine bisherigen Leistungen mit „Requiem for a Dream“, „The Fountain“ oder „The Wrestler“ anknüpfen kann, auch wenn es ihm nicht gelang seine bisherigen Filme zu übertreffen. Für David O. Russel (Three Kings) als quasi Newcomer in dieser Kategorie wird es glaube ich nicht reichen und die Coen Brüder (bereits 4 Oscars, Fargo & No Country for old Men) stehen irgendwie außer Konkurrenz, ihre Qualität könnte vielleicht mit einem erneuten Screenplay Oscar gekrönt werden, in dieser Kategorie rechnen ich ihnen allerdings eher geringe Chancen aus.

Aufgrund von Überlänge belasse ich es bei den bisherigen Kategorien, die gesamten Acadamy Award Nominierungen sind hier zu finden. Ich bin gespannt auf die Acadamy Awards am 27. Februar und erwarte leider den einen oder anderen Fehltritt der Jury, aber vielleicht wird nach dem letzten Jahr (The Hurt Locker, zumindest nicht Avatar) doch eines besseren belehrt.

Ein Stück Oscar Geschichte

49th Acadamy Awards in 1977.

Der Countdown zu den 83rd Acadamy Awards (27.2.) läuft, in wenigen Stunden werden die Nominierungen bekannt gegeben und dann auch im Kontext der Golden Globes hier kommentiert werden.

Eastbound & Down

Kenny Powers ist ein runtergekommender ehemaliger Baseball Star. Er selbst war und ist dabei sein größter Fan. So kommt es durchaus vor, dass Kenny in seinem Auto einem seiner eigenen weisen Hörbücher lauscht oder im Schulflur seine Umgebung etwas euphorischer sieht als es der Fall ist. Inzwischen ist Kenny nämlich als Sportlehrer angekommen und versucht bei seinem alten High School Schwarm zu landen, welche allerdings mit dem Direktor verlobt ist.

Sieht man sich die erste Folge von „Eastbound & Down“ an, weiß man zunächst nicht, wie ernst es gemeint sein könnte. Ist Kenny wirklich so blöd oder steckt da noch mehr in dem Charakter. Mit erscheinen des großen Meisters in der zweiten Folge wird dann ziemlich schnell klar, dies ist Humor der einfachen Art, dies ist der Humor im Will Ferrell Format.

In der Tat erinnert der Charakter des Kenny Powers an den legendären Ron Burgundy. Wobei die Haare Kenny Powers‘ (und auch Will Ferrells) neue Maßstäbe setzen. Dies gelingt der Serie bei weitem nicht, aber es ist solide Unterhaltung in Schatten des durchgeknallten Will Ferrell. Das die Verantwortlichen der Serie mit Frank the Tank zuvor nicht zusammen gearbeitet haben und Will Ferrell außer einer Gastrolle mit „Eastbound & Down“ nichts weiter zu tun hat, scheint unglaubwürdig, ist aber laut IMDb der Fall.

empirische Widerlegung Sarrazins

Bisher hatte ich mich was den guten Herrn Sarrazin angeht zurückgehalten, da seine „Thesen“ dermaßen oberflächlicher Interpretation entstammten, dass ich kurzum keine Lust hatte, seinem rassistischen Schwachsinn einen Platz auf diesem Blog zu geben.

Ganz kurz möchte ich dazu nur sagen, dass man eine Gruppe der Gesellschaft einfach nicht ausschließlich aktuell betrachten kann, ohne sich dem historischen Kontext zu widmen. Sarrazin bewertet Muslime und vor allen die türkisch-stämmigen ohne die Entwicklung ausgehend von der Gastarbeiterphase in den sechziger Jahren einzubeziehen. Wenn Deutschland sich Menschen für niedrig qualifizierte Berufe ins Land holte und dann jahrzehnte lang vergisst, auch für die Folgegenerationen, Integrationsarbeit zu leisten, ist von gewissen Missständen in Laufe eines solches Prozesses auszugehen.

So ist die Argumentation Sarrazins an sich bereits mehr als kritisch zu betrachten, der eugenische Part Sarrazins Thesen braucht keine Widerlegung, sondern einzig und allein Verachtung für einen offen rassistischen Versuch Völker zu katalogisieren.

Nun zeigte sich bereits in der medialen Reaktion auf das „Buch“ Sarrazins, dass in Person von Naika Foroutan auch die von Sarrazin benutzten Zahlen durchaus in Frage gestellt werden können. Dies bedeutet, dass nicht nur die Argumentation mindestens einseitig ist*, sondern auch die Grundlage jener bereits so zusammengestellt ist, dass sie die Wertung, Kritik und Angst, die Saarazin zu vermitteln versucht bestätigen muss. Ein Schelm der behaupten würde, dass die Statistiken nach den Interpretationen gesucht und gefunden sein worden könnten.

Nun egal, eigentlicher Grund für diesen Artikel ist die Studie, die vor kurzem von Naika Foroutan veröffentlicht wurde und Thilo Sarrazin auch in den empirischen Sphären seines Ausländerfeindlichkeit schürenden „Werkes“ widerlegt und endgültig aufzeigt, dass Sarrazin seine Thesen aus einem reinem Kalkül zwischen Provokanz, Geldgier und Rassismus veröffentlichte.

Hier die Studie: Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand

*Ich denke eher inkompetent oder bösartig (frei nach Klaus K.)

The Fighter

„Luck is what happens, when preperation meets opportunity“ *Irish Thunder: The Hard Life & Times of Micky Ward

„Irish“ Micky Ward, gespielt von Mark Wahlberg ist ein Boxer aus dem überschaubaren Lowell, Massachusetts. Zeit seines Lebes steht er im Schatten seines älteren Halbbruders Dicky Eklund (Christian Bale). Dicky hatte einst seinen großen Kampf gegen Sugar Ray Leonard, indem er den großen Sugar Ray sogar auf dem Boden hatte. Die glorreichen Zeiten Dicky’s sind allerdings vorbei, seine heutigen Aufgaben bestehen darin, seine Termine als Trainer seines Bruders nicht allzu unpünktlich wahrzunehmen und seine Cracksucht vor seiner Mutter (Melissa Leo; u.a. bekannt aus den David Simon Produktionen: Homicide und Treme) zu verbergen. Dass er gleichzeitig an der HBO Doku: High on Crack Street: Lost Lives in Lowell mitwirkt, zeigt welchen Überblick Dicky in seinem Leben noch hat. Die Geschichte von „The Fighter“ dreht sich nun um die Entwicklung Micky Ward’s, der trotz widrigster Umstände seine Karriere als Profi – Boxer vorran zu bringen versucht, wozu in erster Linie die Hemmnisse seiner eigenen Familie überwunden werden müssen, dessen White Trash Kontext von der Mutter über den Bruder zu den Schwestern nicht zu leugnen ist.

Vor allem Christian Bale gelingt es in der Rolle des Dicky Eklund einmal mehr zu überzeugen. Nach Rollen wie in „The Dark Knight“ oder „Public Enemies“ bietet ihm der Charakter des Dicky Eklund endlich wieder eine Plattform seine schauspielerisches Potential in seiner ganzen Physis und Tiefe zu nutzen. Ebenfalls herausstellen muss man Melissa Leo, welche in der Rolle der Mutter von Dicky und Micky ihre bisherigen Charaktere vergessen lässt und es ihr gelingt die egoistische White Trash Mutter in einer grausam widerlichen Authentizität auf die Leinwand zu bringen. Dies gelingt der „Gang“ der Schwestern der beiden Brüder im Übrigen vielleicht sogar noch besser.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Bale und Leo für ihre Nebenrollen für den Golden Globe nominiert wurden. Auch dass Amy Adams als Freundin Micky Ward’s in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin Drama“ in Konkurrenz zu Melissa Leo tritt ist nachvollziehbar, die Nominierung Mark Wahlbergs hingegen nicht unbedingt. Er scheint innerhalb des Schauspielensembles von „The Fighter“ immer etwas blasser. Doch vielleicht ist dies auch am Ende der Unterschied zwischen den Golden Globe – Gewinnern und Nominierten, denn schlecht spielt Mark Wahlberg sicherlich nicht, aber eben auch nicht so herausragend, wie in aller erster Linie Christian Bale, der bei den bestehenden Konkurrenten (Jeremy Renner; The Town, Michael Douglas; Wall Street, Andrew Garfield; The Social Network – Ausnahme vielleicht: Geoffrey Rush für The King’s Speech) seine erste Golden Globe Nominierung auch gleich in eine Trophäe umsetzen sollte.

Alles in allem ist „The Fighter“ ein guter Box-Film, der gerade durch die schauspielerischen Leistungen überzeugt, trotz den inhaltlichen Parallelen (zwei Brüder, wahre Geschichte, große Boxer) gelingt es ihm allerdings nicht an ein Meisterwerk, wie Scorseses „Raging Bull“ heranzureichen, welcher den Maßstab aber auch höher kaum setzen konnte.

Hier noch der Link zur HBO Doku: High on Crack Street: Lost Lives in Lowell.