Archiv für Februar 2011

Die 83. Acadamy Awards

Die Acadamy Awards 2011 sind vergeben. Überraschungen gab es im Grunde genommen nicht, durchaus könnte man leider sagen, Filme wie Winter’s Bone, Blue Valantine und irgendwie auch Black Swan sind leer ausgegangen (Ausnahme wie erwartet Natalie Portman), auf der anderen Seite hätten Überraschungen für mich auch bedeuten können, dass The Social Network über ein angemessenes Maß hinaus mit Oscars verschenkt hätte werden können. So hat es für den meiner Meinung nach völlig überbewerteten Film zwar für immerhin drei Oscars gereicht, gerade für bestes adaptiertes Drehbuch ist dies anhand vor allem der flachen Charakterzeichnung nicht nachzuvollziehen; an dieser Stelle wäre ein Oscar für einen Film wie Winter’s Bone ein Zeichen für die Filmemacher ab von Geld und Lobby gewesen. Auch Best Editing hätte ich lieber bei einem Film wie Black Swan gesehen, als bei The Social Network. Darren Aronofsky bleibt leider nichts anderes übrig als sich für seine Hauptdarstellerin zu freuen, aber man muss auch klar sagen, dass der Gewinner des Abends The King’s Speech (Bester Film, Beste Regie- Tom Hooper, Bestes Original Screenplay – David Seidler, Best Actor in a Leading Role – Colin Firth), dies wahrscheinlich auch zu Recht ist.

The King’s Speech ist ein Film, der einen zwischen Atemlosigkeit; von einem Lächeln weiter zum Lachen bis hin zum Kloß im Hals mitleben lässt und mit Colin Firth (King George VI.) und Geoffrey Rush (Lionel Logue) zwei Schauspieler bietet, die einer geschehenen Geschichte die elementare Menschlichkeit verleihen, die diesen Film ein Stück besonders macht. Da Geoffrey Rush von der Acadamy bereits ausgezeichnet wurde (1996 – Shine), lässt sich der Vorzug von Christian Bale nachvollziehen, der in der Rolle des Dicky Eklund wirklich überzeugen konnte und seine erste Nominierung damit auch zu Recht krönen konnte. Da auch die beste weibliche Nebenrolle an The Fighter bzw. an Melissa Leo (Frozen River, Homicide, Treme) ging, ist die Acadamy gegenüber einem grundsoliden Film mit partiell herausragenden Schauspielleistungen wie The Fighter durchaus gerecht geworden.

Alles in allem lässt sich sagen, dass die diesjährigen Oscars den nominierten Protagonisten im Großen und Ganzen gerecht geworden sind, auch wenn sich an der einen oder anderen Stelle ein wenig mehr Mut gut gemacht hätte und der Acadamy auch in Zukunft besser stehen würde. Dies gilt auch für die Nominierungen, dass Filme wie The Road oder Mr. Nobody, aufgrund von Releases (kurz nach den letztjährigen Oscars) oder vielleicht auch der eher bescheideneren Einspielergebnisse gar nicht berücksichtigt wurden, ist mehr als schade.

Keinerlei Worte oder Gedenken bezüglich der Revolten und ihrer Toten in u.a. Tunesien, Libyen und Ägypten von den in der Vergangenheit doch so überzeugten und engagierten Bush/Irak etc. Kritikern Hollywoods unterstrich den Dekadenz- und Präsentationscharakter der Veranstaltung.

Racism in America



Solidarität mit den revoltierenden Menschen !


Californication

Californication ist eine Serie, welche sich schwer auf einen Punkt bringen lässt. So wirkt die Serie auf eine Art und Weise wie ein salonfähig gestalteter Softporno, auf der anderen Seite aber wie das Poträt eines im gleichgeschaltenden Hollywoods scheiternden Schriftstellers und liebenden Vaters. Die Serie wandelt immer wieder auf diesem schmalen Grad, indem es den Hauptprotagonisten (David Duchovny, Natascha McElhone, Madeleine Martin) dennoch immer wieder gelingt die Seriosität dieser Show trotz aller Sex, Drugs and Rock‘n Roll Attitüde zu erhalten.

In der vierten Staffel gelingt es dem neu eingführten Nebencharakter Eddie Nero (Rob Lowe), der Hank Moody (David Duchovny) in seinem autobiographischen Werk spielen soll, den Kern der Serie auf den Punkt zu bringen. Nachdem Eddie sieht, wie wichtig Hank seine Tochter Becky (Madeleine Martin) ist, stimmt er gegenüber Hank zu den Film machen zu wollen. Hank fragt ihn wieso?

Eddie Nero: „Cause now I know what it is about. And it sure the fuck isn‘t about oneway pussy. It’s about a guy try to keep it together while falling apart. It’s about life, love and sex and the ever looking presence of a rim fucking reaver. It’s about men, husbands, wifes; daughters and fathers […]

Ich würde an dieser Stelle noch Freundschaft hinzufügen, die durch das Verhältnis Hanks zu seinem verschrobenen Agent Runkle (Evan Handler) illustriert wird. Der Wert der Serie zeigt sich schließlich aber immer wieder in der Entwicklung Hanks zu seiner Tochter. Es ist ihr Erwachsenwerden, es ist Hanks Sabotage seines eigenen Lebens, welches ein grundsätzlich herzliches und inniges Verhältnis vor allem zu seiner Tochter immer wieder von Neuem auf die Probe stellt. Es will Hank einfach nicht gelingen sein Leben auf die Reihe zu kriegen, oft hat man auch das Gefühl er wolle dies gar nicht. L.A. ist nicht seine Welt, die Beziehung zur Mutter seiner Tochter (Natascha McElhone) schafft er regelmäßig in Frage zu stellen. Dabei wirkt Hank Moody oft wie ein tolpatschiger Hund, der von einem Desaster ins nächste rutscht, dies durch seine kindlich – rebellische Art in den meisten Fällen aber auch provoziert.

David Duchovny trägt diese Serie; seine Dartellung des trinkenden, drogenkonsumierenden und frauenliebenden Charakters funktioniert sowohl auf der unterhaltenden Ebene, als auch auf der bewegenden Ebene des liebenden und kümmernden Vaters. Das ihn umgebende Schauspielensemble stützt ihn dabei nicht nur, es macht gerade die wertvolle Ebene von Californication überhaupt erst möglich.

Die wahre Verantwortung Europas

Es sind Revolutionen gegen staatlich etablierte Diktaturen. Seitens europäischer und anderer Vertreter der sog. zivilisierten westlichen Welt hört Mensch immer wieder, dass die Ereignisse in Tunesien, Ägypten und anderen Teilen der arabischen Welt mit Sorgen gesehen werden.

Welche Sorgen sind dies, dass bei den Protesten der zivilen Bevölkerung Menschenleben auf dem Spiel stehen? Die Machthabenden sich an ihrer Macht festklammern und dies auf Kosten „ihrer“ Bevölkerung tun. Die sozioökonomische Lage auch nach den Umstürzen alter Regime im Status eines gezündeten Pulverfasses verbleibt?

Nein, die Sorgen sind die propagierten enormen Flüchtlingsströme auf die vor allem die südeuropäischen Staaten nicht vorbereitet wären. Die Festung Europa erwartet neue Massen von Flüchtlingen. Diese könnten schließlich „bei bestem Willen“ nicht alle von Europa aufgefangen werden. Mit den Erwartungen von größeren Migrationsströmen wird seit jeher gespielt oder genauer gesagt mit der Angst vor Selbigen. So ist die Propaganda der flüchtigen Überflutung Europas eine oft und gerne genommene „Tatsache“ durch welche eine restriktive Einwanderungspolitik in Europa und seinen Mitgliedsstaaten etabliert und verschärft wurde. Das Prinzip der europäischen Einwanderungspolitik ist Auswanderung und zwar von denjenigen die den oft tödlichen Weg dennoch geschafft haben oder denjenigen, welche der eigenen Wirtschaft nicht nützlich genug erscheinen. Darüber hinaus soll Immigration nach Europa weitestgehend verhindert werden. Dabei waren Akteure wie Ben-Ali, Mubarak oder auch Gaddafi gern genommene Kooperationspartner um die Grenzen zu Europa so dicht wie möglich zu halten. An der Figur Mubarak lässt sich noch bis in die Revolutionstage hinein die westliche Sichtweise illustrieren. Mubarak, der verlängerte Arm in die arabische Welt, nach Außen moderat und zweifelsfrei, nach Innen diktatorisch und menschenverachtend. Noch in den ersten Tagen der ägyptischen Aufstände ließen sich mehrere Vertreter der westlichen Welt u.a. sogar Obama nicht von der ägyptischen Bevölkerung von ihrer Meinung abbringen, dass Mubarak bleiben müsse, schließlich sei er der wichtigste Verbündete in der Nah – Ost Politik. Im Sinne der seltenen Anerkennung Israels im Nahen Osten, mag diese Meinung noch Gewicht gehabt haben, im Sinne der Unterstützung unterdrückter Menschen im Kampf nach Freiheit sicherlich nicht.

Die Erwartung von Flüchtlingsströmen hat sich zudem in der Historie fast ausschließlich als Hysterie erwiesen, zur Restriktion der Asylpolitik lässt sich eine solche Hysterie dennoch wunderbar instrumentalisieren. Doch kann sich Europa neben einer moralischen Verantwortung, nicht seiner historischen, sowie ökonomischen Verantwortung entziehen. Es waren europäische Staaten, die den afrikanischen Kontinent während der Kolonialzeit ausgebeutet haben. Es waren und sind die europäischen Staaten, die durch ihre Zollpolitik afrikanische Staaten im Status der dritten Welt verharren lassen, da helfen auch keine Alibi-Zahlungen wie die Entwicklungshilfen. So ist die miserable Lage der Menschen in diesen Ländern nicht alleine Schuld einzelner Diktatoren, sondern auch vom vergangenen und gegenwärtigen Verhalten einzelner europäischer Staaten, sowie der EU selber zu tragen.

So können „die Alten“ beim Fussball auch sein