Archiv für März 2011

Die altruistische zivilisierte Welt

Mit der Korrektur, dass das Rückflugticket nicht gratis ist, sondern eine Abschiebung zumindest in Dtld. in Rechnung gestellt wird.

Vergiss mein nicht

Es war einst eine deutsche Oppositionspolitikerin dich sich erst aufschwang und dann über den Atlantik setzte um in einem Gespräch mit dem Texaner der USA zu sagen, „Schröder spricht nicht für alle Deutschen“ und „die Union stehe an der Seite Washingtons, weil Deutschland und die Vereinigten Staaten in einer Wertegemeinschaft stünden.

Im Jahre 2003 unterstützte Frau Merkel die Intervention gegen Saddam Husseins Irak, trotz der ergebnislosen IAEO – Inspektionen unter Hans Blix, die keine Beweise für WMDs zu Tage fördern konnten. Der Irak war zu diesem Zeitpunkt sicherlich ein totalitäres System unter der Führung eines menschenverachtenden Diktators. Dies wirft eine interessante Parallele auf, denn ein solch menschenverachtender Diktator ist Muammar al-Gaddafi ebenso, sein System in Libyen ein schon lange bekanntes menschenverachtendes Regimes. Doch scheint dies kein Thema gewesen zu sein, als seit spätestens 2004 mit Gaddafi wieder gemeinsache Sache bezüglich der Grenzen gemacht wurde und auch einem gemeinsamen ökonomischen Treiben nichts mehr im Wege stand.

Nun führt dieser Diktator offen einen Krieg gegen seine eigene Bevölkerung und Kanzlerin Merkel kann sich im Rahmen der UN weder zu einem Ja noch einem Nein hinreißen lassen. Dass diese Entscheidung nicht in unmittelbaren Zusammenhang mit einer deutschen Truppenbeteiligung stand, ist vielleicht Spekulation, doch Merkels Sinneswandel scheint ein weiterer Meilenstein in ihrer fortschreitenden Profillosigkeit zu sein. So kürt sie der „werte“ Vertreter des modernen Konservatismus, Herr Fleischhauer bereits zur „Spitze der deutschen Linken“. Doch war sie eben einst eine Befürworterin einer militärischen Intervention gegen ein durchaus mit Libyen vergleichbaren Staat und diese Vergleichbarkeit hat ihre Substanz doch eher vor der militärischen Offensive Gaddafis gegen die Aufständischen Libyens.

Dieser militärische, diesmal von der UN gestützte Einsatz kann natürlich wie jede kriegerische Handlung kritisiert werden. So gibt es Teile der Linken, die dies als einen Einsatz mit ökonomischen Grundlage im Mantel der Menschenrechte einordnen. Dass dieser Einsatz Motivation über eine humanistische Grundhaltung hinaus inne hat, kann indes nicht von der Hand gewiesen werden, doch denke ich, dass die libysche Bevölkerung, die aktuell in ihrem Kampf gegen „ihren“ Diktator immer mehr an Boden verloren hatte und viele Menschenleben einbüßen musste, auf militärische Unterstützung, insbesondere im Kontext einer Flugverbotszone angewiesen war und ist. Zumal die oppositionellen Kräfte dies auch über die arabische Liga einforderten. An der UN – Resolution ist elementar, das Absehen einer Besetzung oder ähnlichem, dies bedeutet allerdings, dass der libyschen Bevölkerung nach einem Sieg über Gaddafi die eigene gesellschaftliche und institutionelle Entwicklung frei steht, d.h. im aüßersten Falle auch ein nicht – demokratischer Weg eingeschlagen werden könnte. Demokratie kann keiner Bevölkerung oktroyiert werden (vgl. Irak), ein solcher Prozess muss immer aus der Gesellschaft selber kommen, schließlich muss dieser von ihr auch gelebt werden. Man kann nur hoffen, dass sich ein eigenes demokratisches Verständnis in den Prozessen ausgehend von der Jasmin Revolution in Tunesien grundlegend durchsetzen kann.

Wenn nun Russland in diesem Zusammenhang den militärischen Schritt verneint ohne allerdings vom Veto-Recht Gebrauch zu machen, liegt die Krux hier sicherlich in der Souveränitätslogik Russlands, die für sich selbst jede Einmischung durch das Ausland ablehnen und dieses Prinzip aus ihrer Perspektive mit einem Ja untergraben würden. Warum Deutschland nun aber eine „nicht – neutrale“ Enthaltung einnimmt bleibt die Frage, schließlich steht ein solcher Schritt widersprüchlich dem vergangenen Handeln und Denken. Dies ist im Moment wiederum nichts Neues seitens der Schwarz – Gelben Regierung, siehe ihre Haltung zur Atom Sicherheit.

The Wire Prequels

HBO hat drei Prequels zu „The Wire“ veröffentlicht, schade, dass sie sie so kurz sind, aber lohnen tut es sich trotzdem.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Omar kommt! Schon früh weiß der kleine Little, wen man ausrauben sollte und wie man sich durchsetzt.

Prop Joe hat das Prinzip des Business schon früh verstanden.

Die Atomheuchelei der CDU

Verschafft man sich einen Überblick in der Internetlandschaft über das Thema der japanischen Meiler, werden verschieden Positionen schnell sichtbar.

Eine weit verbreitete Ansicht (gerade in Kommentaren oder auf Blogs) ist, dass die Reaktion der Anti AKW Bewegung aufgrund der vielen Opfer des Erdbebens, sowie des Tsunamis pietätslos sei. Man könne und dürfe in Anbetracht einer solchen Katastrophe keine Anti – Atompolitik mit nationalen Bezügen auf die Strasse bringen. Sollte dies ein ausschließlicher Bezug gewesen sein, also ohne Rückbezug auf Japan, mag dieser Meinung eine gewisse Relevanz zukommen. Im Grunde genommen zeigt Japan allerdings, was aufgrund der Atomkraft passieren könnte, sollten sich verschiedene Faktoren zu einem Worst – Case Szenario bündeln.

Natürlich hat sich mit der verheerenden Katastrophe in Japan für Deutschland im Grunde genommen rein gar nichts verändert. Deutschland ist was Naturkatastrophen angeht, mit der Ausnahme vielleicht von Sturmfluten, geradezu sicheres Terrain. In diesem Kontext werfe ich allerdings Frau Merkel und ihrer Gefolgschaft vor, dass gerade sie es ist, die die Fukushima – Situation missbraucht. Auch wenn die Veränderung der öffentliche Perspektive auf Atomkraft eine irrationale Grundlage birgt, sind es eben nicht die Atom – Gegner die ihre Meinung nach dem Wind drehen, sondern die Regierung, die ihre eigene vor kurzem beschlossene Laufzeitverlängerung öffentlich und wahlkampfbezogen auf Eis legt. Die Anti – Atom Bewegung hatte im vergangenen Jahr im Zuge der Castor – Proteste ihren grössten Zulauf seit Jahren zu vermelden und gegen diese Laufzeitverlängerung Stellung bezogen. Diese Position hatte immer die Risiken der Atomkraft zu Grunde liegend, dass diese Argumentation nun anhand von Fukushima ein veranschaulichendes Beispiel bekommen hat ist sicherlich mehr als tragisch, allerdings könnte man argumentieren, dass die vielen Menschen vielleicht nicht umsonst gestorben sind, wenn die Debatte um Atomkraft dadurch weltweit einen neuen Fokus erhalten würde.

Einer gewissen Zynik im Kontext der Tode tausender Menschen kann sich weder die Pro noch die Kontra Seite entziehen. Die Weiterführung der langjährigen Argumentation der Atomgegner kann aber zumindest weder ein Bruch vorgeworfen werden, noch eine humanistische Grundeinstellung abgesprochen werden. Die Position der Regierung wiederum schwimmt in Anbetracht der Ereignisse in Japan zwischen Auflösung der angestammten Position und Pseudo – Reaktion für eine verängstigte Bevölkerung. Eine ehrliche Reaktion der Regierung und der Atombefürworter wäre nämlich einzugestehen und vor allem nach außen zu vertreten, dass sich in Deutschland durch Fukushima nichts an der atomaren Sicherheitslage geändert hat. Schließlich wäre die Sicherheit der deutschen Atommeiler auf Anfrage vor einer Woche noch in keinster Weise in Frage gestellt worden, sonst wäre die Laufzeitverlängerung letztendlich eine vorsätzliche Gefährdung der eigenen Bevölkerung gewesen.

Die Instrumentalisierung eines Ereignisses, welchem Menschen zum Opfer gefallen sind, ist grundsätzlich fraglich, doch ist ein solches Ereignis bereits in der bestehenden Argumentation vorformuliert worden, verliert die Nutzung der Aufmerksamkeit bezüglich des Ereignisses die Qualität einer Instrumentalisierung und wird im Gegenteil zum Bestandteil der eigenen legitimen Intention und Argumentation.

You look good girl

(The Wire Spoiler für den ersten Link)

Felicia „Snoop“ Pearson wurde im Zusammenhang mit einer großen Drogenrazzia verhaftet, so in der Baltimore Sun zu lesen.

During the initial appearances for some of the others charged, state prosecutors mentioned that their charges were based on intercepted phone calls.

Und irgendwie erinnert einen dieser Satz an Avon.

Pearson spielte in The Wire quasi sich selbst und dieses Leben scheint sie nach der Serie nun wieder einzuholen. Da kann man nur hoffen, dass The Wire ihr Schicksal nicht bereits vorweg gezeigt hat.

Hier zwei weitere Interviews mit Felicia Pearson:

NBC Interview

Larry King

Bookcast zu „Grace after Midnight – A Memoir“ by Felicia Pearson

Bittere Biographie eines verlorenen Menschen Baltimores, die es geschafft zu haben schien und jetzt doch wieder von der gnadenlosen Soziologie der Kriminalität und Armut eingeholt wurde.

Keep your Head up, Snoop.

A Tribute to Mike Tyson

Einer, wenn nicht der größte Schwergewichtsboxer in der Historie des Boxens. Der frühe Mike Tyson, trainiert von Cus D‘Amato und Kevin Rooney, im Stile eines Gladiators (solid black Trunks, no socks) beeindruckte der jüngste Schwergwichtsweltmeister in der Geschichte des Boxens (20 Jahre alt gegen Trevor Berbick) nicht nur durch seine enorme Schlagkraft, sondern vor allem durch seine unglaubliche Geschwindigkeit in Händen und Kopfbewegung.

Nun habe ich gerade einen Blog gefunden, der Tysons Karriere nicht besser hätte wiedergeben können, daher hier der Link zu einer auf viele Arten und Weisen einzigartigen Karriere.

Veranstaltung zu den Aufständen in Maghreb

Auf der Spur des Kernes der Guttenberg – Verteidigung

Hier eine „interessante“ Argumentation für zu Guttenberg.

Dass diese Verteidigerin des ehemaligen Verteidigungsministers den Plagiatsvorwurf als schummeln abtut und nicht die Dimension eines möglichen Straftatbestandes begreifen kann oder will, könnte durchaus ein treffender Kern der Verteidiger zu Guttenbergs sein, nicht zuletzt wird auch Merkels Argumentation zur Unterscheidung des Wissenschafters und des Politikers einem solchen Denken weitere Nahrung gegeben haben.

Ebenfalls interessant finde ich, dass die Anruferin davon überzeugt ist, dass zu Guttenberg einen „geilen“ Job gemacht hat. Dies begründet sie dadurch, dass dieser als Verteidigungsminister im Ausland vorzeigbar gewesen wäre. So kommt sie auch immer wieder darauf zurück wie nett er doch sei, dass er gut aussehen würde und seine Gegner nur neidisch auf ihn wären.

Diese Sicht auf zu Guttenberg ist aufgrund der akademischen Dimension seines Fehltrittes vielleicht noch nachzuvollziehen. Doch war er erstens eben kein unumstrittender Verteidigungsminister (Kundus, Gorch Fock, Bundeswehrreform) und zweitens bei seinem politischen Aufstieg auch durch einen blassen Vorgänger Michael Glos begünstigt, dem gegenüber jeder (z.B. hat dies auch Steinbrück als Finanzminister genutzt) im Amt des Wirtschaftsministers hätte glänzen können und schließlich folgten auf die Vorwürfe gegen zu Guttenberg drei kuriose Phasen der Verteidigung.

zunächst

1. Die Vorwürfe sind völlig abstrus.

Hat er vielleicht gar ein absolut reines Gewissen.

kurz darauf

2. Ich lasse den Doktortitel erstmal auf unbestimmte Zeit ruhen.

Ich denke die Vorwürfe wären abstrus, quasi an den Haaren herbei gezogen, eine Frechheit ihm so etwas überhaupt vorzuwerfen.
--> nun verzichtet er zunächst einmal --> komisch

und schließlich

3. Herr zu Guttenberg hat sich seine „eigene“ Arbeit nochmal angeschaut und kommt zu dem Entschluss, er könnte vielleicht Fehler gemacht haben und würde daher ab jetzt auf seinen Titel verzichten.

Und wieder fragt man sich, die Vorwürfe waren doch völlig abstrus. Da brauchte aber jemand ziemlich lange um sich an seine Dissertation zu erinnern. Könnte es sein, dass ihm die Tragweite der Vorwürfe gar nicht bewusst gewesen sein könnte und daher eine Reaktionskette von Widersprüchen in Gang gesetzt hat. Nein, Nein, abwegiger Gedanke. Er war ja einfach nur überfordert und auch nur ein Mensch (siehe unten).

Und am Ende sind es dann die bösen Medien die ihn mit (anscheinend berechtigten) Vorwürfen konfrontiert haben, welche ihn in seiner Glaubwürdigkeit und Integrität (zu Recht) in Frage stellen und dann verlassen Herrn zu Guttenberg eben seine Kräfte gegen diese unaufhörliche Maschine des Bösen (und ich dachte das wäre eigentlich die Bild) weiter bestehen oder kämpfen zu können, was schließlich zu seinem tragischen Rücktritt führt.

Jetzt kommt es noch schlimmer für die Guttenberg – Fans, die Justiz steigt ebenfalls mit in die Verschwörung ein, gegen ihn werden doch tatsächlich strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet.

Es wird aber noch viel schlimmer kommen. Zu Gutternberg wird seinen Weg in die Politik zurück finden (wahrscheinlich sogar trotz einer Verurteilung), ihm wird wahrscheinlich erneut Kompetenz und Volksnähe zugeschrieben werden, wobei seine Anhänger_innen wieder nicht genau festmachen können, wo diese Kompetenz überhaupt liegt und warum er irgendwie einer von Ihnen ist, was seine Gegner_innen dann auch wieder irgendwie nicht nachvollziehen können.

Letztendlich machen Menschen Fehler und auch zu Guttenberg ist nur ein Mensch, nur beim bereuen, da kann der Gutti, mindestens was das Entertainment angeht, sich von dem einen oder anderen noch was abschauen.