Die Seifenblase des Todes Osama Bin Ladens

Ich finde es erstaunlich, dass viele Menschen der Meinung sind mit Bin Ladens Tod wäre irgend etwas besser geworden. Das Verhalten rund um Bin Ladens Tot ist seitens der USA sicherlich auch vor dem Hintergrund zu erklären, dass der Status des Märtyrers so klein wie möglich gehalten werden sollte. Doch da man ihn eben nicht seiner Verbrechen innerhalb einer Verhandlung nocheinmal stellvertretend für „die ganze Welt“ vorführen bzw. anklagen konnte, sehe ich die Gefahr, dass der (neue) Mythos Bin Laden dem islamistischen Terror neue Kraft geben könnte.

Bin Laden wird für den fundamentalistischen Islam als Held in die Geschichte eingehen und sein Tod daher keinen grundsätzlichen Unterschied machen. Dies sicherlich auch abgesehen von einer Verhandlung, in der er die Möglichkeit gehabt hätte seine Propaganda ebenfalls der Welt zu unterbreiten. Daher kann der Tod Bin Ladens einzig und allein als ein Symbol im Kampf gegen den islamistischen Terror gefeiert werden, dieses Symbol hat meiner Einschätzung nach aber keine Nachhaltigkeit oder Konsequenz gegenüber dem islamistischen Terror, Mensch (die westliche welt) kann sich halt ne Zeit lang selbst feiern bis es wieder zum „Buisness as usual“ zurückkehren muss. Ich denke sogar, dass der hiermit entstandene Mythos dem islamistischen Terror, sowie der Anti-USA Stimmung (siehe gerade Pakistan) förderlich sein wird und durch die „gezielte“ Tötung, ab von einer Verhandlung gemäß demokratischer Rechtsstaatsprinzipien, den Kritikern des Westens (der Vorwurf des doppelten Maßstabes) eine neue Basis gegeben hat.Vgl. Zeit Artikel unten

Im Endeffekt verstehe ich halt die Freude über dieses Symbol einfach nicht. Die Strukturen von Al Kaida haben sich bereits kurz nach dem 11. September verselbstständigt und somit konnte von einer Kommunikation innerhalb des Netzwerkes mit Bin Laden an der Spitze der Hierarchie schon lange nicht mehr die Rede sein. Die Zellen sind weitestgehend autark aktiv, Bin Laden war dabei, aufgrund seiner „Exilstellung“, als Symbol des islamistischen Terrors zu verblassen; seine Tötung hat das Bild des islamistischen Terrorchefs nun aber wieder scharf gestellt und dieses Bild kann nun ohne eine Verhandlung auch in keinster Weise mehr wirkungsvoll korrigiert werden.

Hier noch ein guter Kommentar in der Zeit, über die verpasste Chance einer Verhandlung gemäß demokratischer Rechtsstaatsprinzipien.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-05/osama-bin-laden-tod-prozess


3 Antworten auf „Die Seifenblase des Todes Osama Bin Ladens“


  1. 1 JazzyJeff 07. Mai 2011 um 13:54 Uhr

    Ich denke man verkennt hier ein Stück weit die Perspektiven. Aus unserer (europäischen) Sicht stimme ich dir im Großen und Ganzen zu. Allerdings haben nicht die Europäer 10 Jahre lang nach Bin Laden gesucht und dabei mehrere hundert Mio Dollar ausgegeben und sie waren es auch nicht, die ein Spezialkommando losgeschickt haben, um Bin Laden (ja sagen wir einfach) zu töten. Auch war Bin Laden für den Rest der Welt das Symbol des Terrors. Für die Amerikaner war er neben dem, auch noch der Mörder von über 3000 Menschen. Wenn man nun noch bedenkt, dass sich die USA nach eigenen Verständnis (siehe Zeit Artikel) im Krieg gegen Al Qaida befinden, denke ich, dass sich zumindest rechtlich und menschlich nicht viele zwingende Argumente gegen eine gezielte Tötung Bin Ladens und die Freude über die gelungene „Aktion“ sprechen. Ich möchte betonen, dass ich hier keine ethische oder moralisch philosophische Debatte über den gerechten Krieg oder legitime Gründe dafür führen will. (dies wäre zu erschöpfend, außerdem denke ich sind wir uns darüber einig, dass der Tod einer Person kein Grund zur Freude ist) Aber ich möchte einige deiner Punkte aufgreifen, um vielleicht die amerikanische Perspektive verständlicher scheinen zu lassen. Denn für mich ist die „Aktion“ nachvollziehbar.

    1 – Du sagst, Bin Ladens Märtyrer – Dasein und die gezielte Tötung (an Stelle einer Verhandlung) könnte den islamistischen Terror wieder Auftrieb verleihen. Ich denke rein militärstrategisch ist dies das Beste was sie machen konnten. In allen anderen Vorstellbaren Szenarien (Verhandlung, Gefangennahme, Guantanamo, Todesurteil, Folter, Jahrelange Rechtsstreitigkeiten, etc.) würde die Tatsache doch nur noch länger Bestand haben und mehr und mehr Hass schüren.

    2 – Du kritisierst, dass der Tod Bin Ladens einzig als Symbol gegen den islamistischen Terrorismus gesehen werden kann, dieses aber keine Nachhaltigkeit gegenüber den islamistischen Terror besitzt. Trotz allem ist das doch schon mal was. Solange er ein Symbol war galt er als Mythos, der sich gegen den großen Gegner gestellt hatte, die Jahrelang drohten in zu zerstören. Bisher waren dies alles nur leere Drohungen. Jetzt hat die USA gezeigt, dass sie jeden kriegen können (auch wenn es ein wenig gedauert hat). Außerdem ist die Zerstörung eines Symbols (welcher Sache auch immer) gleichzeitig Schwächung der dahinterstehenden Sache.

    3 – Du behauptest, dass durch die Tötung ein Anti-USA Stimmung auftritt. Ich denke die gab es auch schon vorher. Niemand auf der Welt kann die Amis wirklich leiden. Und wenn es wieder darum geht in ökonomischen Austausch mit den Amerikaner zu kommen, wird kein Land der Erde an der Tötung Bin Ladens Anstoss nehmen. „conflicts & politics“.

    4 – Du beziehst dich auf die demokratischen Rechtsstaatsprinzipien und hast ja auch recht damit (und natürlich wird ein doppelter Maßstab angelegt, aber seit wann handelt der „Westen“ denn gerecht?), aber hier denke ich könnte man wieder das Kriegsrecht bemühen. Da sich Al Qaida und die USA nach je eigenen Dafürhalten im Krieg befinden gelten auch nicht mehr die demokratisch – rechtsstaatlichen Regeln.

    5 – Schließlich meinst du, dass die Tötung Bin Ladens, sein Bild als islamistischer Terrorchef wieder scharf gestellt habe. Allerdings gibst du selbst zu, dass dessen Bedeutung innerhalb der organisationalen Struktur des Netzwerks mittlerweile gleich null gewesen ist. Somit hat er ohnehin nur noch als Symbolfigur fungiert. Diese ist Al Qaida nun genommen wurden (siehe Punkt 2)

    „Im Endeffekt verstehe ich halt die Freude über dieses Symbol einfach nicht.“ Versteht man dieses Manöver als moralischen Sieg an Stelle eines strategischen, denke ich kann man die „Freude“ der Amerikaner nachvollziehen. Wie die restliche Welt allerdings reagiert hat bleibt auch mir vollkommen unerklärlich und zeigt meiner Meinung nach nur auf, dass man sich immer weiter von dem eigentlichen Ziel im Kampf gegen den Terrorismus entfernt, Zivilisierte Werte, Sicherheit, Freiheit, Frieden. Das auch ich eine andere Vorstellung von einer ideellen Welt habe (nicht wie hier dargelegt), brauche ich hoffentlich nicht näher belegen. Pragmatisch/realpolitisch betrachtet scheint mir die Reaktion der Amerikaner jedoch schlicht nachvollziehbar.

  2. 2 observer 08. Juli 2014 um 10:49 Uhr

    Der islamfaschistische Terror hat viele Köpfe, einen nach dem anderen abschlagen, nur so geht die Seuche dieses Jahrhunderts zu bekämpfen. Naive Bedenkenträger mögen an der Tastatur verweilen!

  3. 3 Frankie 08. Juli 2014 um 14:30 Uhr

    @observer

    Das ist ein toller, konstruktiver Ansatz. Einfach töten, dass radikalisiert niemanden und nährt den fundamentalistischen Islam sicherlich keineswegs.

    Aber ihrer Meinung sind wahrscheinlich ohnehin alle Muslime, wie nennen sie es so „schön“ Islamfaschisten.

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