Archiv für Juni 2011

This City won`t ever drown

Eine schöne Liebeserklärung an New Orleans.

Steve Earle – This City

Da wäre noch eins…

wenn sie nichts dagegen haben, hätte ich da noch eine Frage, „I just wanna tie up loose ends“.

Peter Falk ist am Donnerstag Abend verstorben. Er wird als Inspector Columbo für immer unsterblich bleiben. Er zeigte mit dieser Rolle, dass eine Krimiserie keine Pistolen braucht und durch Charme und Köpfchen im Trenchcoatmantel eines trottelig wirkenden Polizisten der Mordkomission eine Legende geschaffen werden konnte, die in seiner Originalität und in seiner detektivischen Qualität sich selbst vor einem Sherlock Holmes nicht verstecken brauchte.

Selten gab es einen sympathischeren fürs Fernsehen erschaffenen Charakter, Peter Falk spielte Inspector Columbo von 1971 – 2003 in dreizehn Staffeln mit Folgen in Spielfilmlänge.
Ich persönlich verbinde mit Inspector Columbo meine erste Faszination vom Fernsehen als Kind. Waren meine Eltern abends aus dem Haus, war es Inspector Columbo den ich mir oft anschaute und meist nicht zu Ende sehen konnte, da meine Eltern zurück kamen und ich wieder in meinem Zimmer verschwinden musste; zumindest wusste ich immer wer der Mörder gewesen ist. Peter Falk hat eine Fernseh – Ära geprägt und ich bin glücklich einen Teil davon mitbekommen zu haben.

RIP – Peter Falk 1927 – 2011

Wenn Fernsehen zur Politik wird

David Simon, ehemaliger Journalist und Polizeireporter für die Baltimore Sun ist nicht nur „der Gründer“ für eine neue Qualität gesellschafts- und systemkritischen Fernsehens (Homicide, The Wire, Treme, Generation Kill, The Corner), sondern auch ein Vertreter kritischen Politikengagements.

So outete sich jüngst der Generalbundesanwalt der USA Eric Holder als Fan von „The Wire“ und forderte David Simon und Ed Burns auf die Serie fortzusetzen oder einen Film zu produzieren.

Do another season of ‘The Wire,’” Holder said. “That’s actually at a minimum… If you don’t do a season, do a movie,” he continued. “I want another season or I want a movie. I have a lot of power Mr. Burns and Mr. Simon.”

http://dailycaller.com/2011/06/10/wire-co-creator-to-holder-reconsider-drug-war/

Dabei könnte man vermuten, dass Holder die Aussage „The Wires“ irgendwie mißverstanden hat, so ist „The Wire“ eine kritische Dimension des „War on Drugs“ immanent. („Greggs: Winning the war on drugs, one brutality case at a time. Carver : This isn‘t a war. Wars end.“; in „The Wire“). In der dritten Staffel kreiert „The Wire“ unter der Federführung Major Colvins Hamsterdam, eine Zone legalisierten Drogenverkaufes als Reaktion der von oben kommenden politischen Weisungen. David Simon greift mit „The Wire“ immer wieder die US-Drogenpolitik an und zeigt auf, dass diese Politik viel mehr eine fadenscheinige Symptombekämpfung ist (Statistiken als Zielvorstellungen polizeilicher Arbeit), als eine Bekämpfung der Ursachen für Drogenhandel oder Konsum.

Vor diesem Hintergrund wird die Antwort Simons auf die Anfrage Holds geradezu erwartungsgemäß, doch glänzt sie doch mit einer erfrischenden Direktheit gegenüber der „nettgemeinten“ Anfrage des Generalbundesanwaltes.

The Attorney-General’s kind remarks are noted and appreciated,“ he wrote. „I‘ve spoken to Ed Burns and we are prepared to go to work on season six of The Wire if the Department of Justice is equally ready to reconsider and address its continuing prosecution of our misguided, destructive and dehumanising drug prohibition.“

Simon further claimed that the government’s current anti-drug policies are „nothing more or less than a war on our underclass“.“

http://www.digitalspy.co.uk/ustv/news/a323351/the-wire-creator-hits-out-at-attorney-general.html

Es ist schade, dass „The Wire“ ein Ende haben musste, welches ganz nebenbei eines der zufriedenstellensten Enden in der Serienlandschaft war, doch ist es eben auch ein abgeschlossenes Gesellschaftsepos, was keiner Veränderung oder Erweiterung mehr bedarf, so gerne man auch wieder die Strassen von Baltimore durch die Brille von David Simon betrachten würde.

Petition gegen den repressiven Einsatz von Pfefferspray

Die Göttinger Initiative „BürgerInnen beobachten Polizei und Justiz“ hat vor dem Deutschen Bundestag eine Petition eingereicht, die den Einsatz von Pfefferspray durch die Polizei in die Grenzen der Verhältnismäßigkeit weisen soll. (Hier der Link zur Petition, die Online mitgezeichnet werden kann)

Der Einsatz von Pfefferspray auf Demonstationen ist geradezu zu einer Selbstverständlichkeit geworden, sobald eine Konfrontationssitiation auch nur zu entstehen scheint, wird vorsorglich erstmal das ein oder andere Kännchen Pfefferspray geleert. Die Gefahren die damit z.B. für Asthmatiker verbunden sind werden von Politik und Polizei konsequent ignoriert. Dabei gab es in den USA und auch in Deutschland bereits Todesfälle im Kontext des Einsatzes von Pfefferspray. Die Gefahr die von einem Pfeffersprayeinsatz ausgeht, kann also keineswegs geleugnet werden, dennoch wird der Einsatz von Pfefferspray seitens der Politik immer wieder protegiert. Von gezielten Einsätzen ist die Rede, eine Reaktion auf Provokation würde dem Einsatz von Pfefferspray stets voraus gehen. Die Realität sieht leider anders aus, die Effiktivität des scharfen Gemisches scheint den Polizisten eine bequeme Maßnahme zur „Deeskalation“ zu sein, heutzutage wird das Pfefferspray bereits gezückt bevor die Helme überhaupt aufgesetzt werden (müssen).

Setzt man dieses Verhalten der Polizei in den Kontext der eigentlich geltenden und durch das Grundgesetz garantierten Versammlungsfreiheit und vergegenwärtigt man sich folgend den indirekten Ausschluss von z.B. Asthmatikern, die unter solchen Umständen sich den Demonstrationsbesuch mehr als gründlich überlegen müssen, wird eine Dimension deutlich, die über das bloße Prinzip der Verhältnismäßigkeit hinaus geht. Pfefferspray ist in Verbund mit seinen Gefahren nicht als ein mildes Mittel einzuordnen und doch wird sein Gebrauch quasi als Warnung von der Polizei eingesetzt.

So ist der Einsatz des Pfeffersprays ein illustrierendes Beispiel für die Willkürlichkeit im Umgang mit dem staatlichen Gewaltmonopol, die Prinzipien der Verhältnismäßigkeit werden auf diese Weise regelmäßig ignoriert, auf die in der Verfassung garantierte Versammlungsfreiheit wird mit Arroganz herabgeblickt. Die Petition hat als Ziel den Status des Pfefferspray von „einem Hilfsmittel körperlicher Gewalt“ in die Qualität einer Waffe zu heben. Eine solche Waffe ist z.B. der Schlagstock der Polizei. Es mag also anhand einer erfolgreichen Petition auf theoretischem Terrain ein Fortschritt erzielt werden, doch muss auch klar sein, dass dies die Einsätze der Polizei wenig beeinflussen wird. Das Verhältnismäßigkeitsprinzip wird im Kontext von Schlagstockeinsätze ähnlich häufig durchschlagen. Gezielte Schläge in Kopfrichtung sind keine Seltenheit, doch passieren tun sie nicht, so zumindest im offiziellen Wortlaut, von der Notwendigkeit von Schlagstockeinsätzen einmal ganz abgesehen. Die Qualität des Pfeffersprays als Waffe wird wahrscheinlich die ex-post Arbeit der Rechtsanwälte gegen solche Exzesse des Gewaltmonpols vereinfachen, da sie mehr gesetzliches Gewicht in die Hände bekommen, doch wird sich der „demonstrative Alltag“ wahrscheinlich ebensowenig verändern wie die Reflektion auf das Gewaltmonopol.