Und da ist er wieder, der altbewährte Antisemitismus

Wenn man sich die Anstrengung macht sich mit den sog. Islamkritikern in der Bloggosphäre auseinander zu setzen, dann führt dies ab und an auch wieder zu Erkenntnissen bei denen einem die Schuppen von den Augen fallen.

Nachdem mir vor einiger Zeit das Prinzip der Entmenschlichung bei den sog. Islamkritikern aufgefallen ist, bin ich neuerdings auf Grundlage einer Auseinandersetzung auf einem anderen Blog dem Mysterium der kulturmarxistischen Weltverschwörung näher gekommen.

So war es auch nicht zuletzt Anders Breivik, der sich auf die Islamisierung Europas bezogen hat, die angeblich von Kulturmarxisten forciert werden soll, was dann eben auch seine Opferwahl definiert hat. Diese Theorien sind auf PI-News oder bei Fjordman ebenfalls immer wieder Diskussionsgegenstand und werden dann gerne im Copy&Paste Verfahren in der Bloggosphäre der Islamkritik als Argumentationsgrundlage angeführt. So wird eine Argumentation aufgebaut, dass die Überwindungen von Kapitalismus, Nationalstaaten und Patriachat einzig dem Zweck dienen einen Genozid an der weißen Rasse zu verfolgen. Hier ist alleine das Wort Genozid ein vokabularisches Highlight, denn dieser begründet sich eben daraus, dass machtpolitische Vormachtstellung der Weißen schließlich durch die Auflösungen bestehender Hierarchien gefährdet ist; der Genozid besteht also in deren Logik durch den zwanghaften Versuch der „Gleichmachung“. Dahinter steht dann zusätzlich ein kultureller Elitarismus, der durch die ethischen Errungenschaften der westliche Zivilisationen begründet ist, dabei reicht es aber dem sog. Islamkritiker in diese Kultur geboren zu sein, die Werte z.B. der Allgemeingültigkeit der Menschenrechte als Naturrecht jeden Menschens oder die Tragweite eines fairen Rechtsstaates gemäß aufklärerischer Gerechtigkeitsprinzipien werden dabei konsequent ignoriert. Dieser kulturelle Elitarismus ist schließlich die Basis für die berechtigten Privilegien der eigenen Kultur also sukzessiv der Vormachtstellung in der Welt und bildet ebenso die Grundlage sich als Definitionsmacht (gerade gegenüber dem Islam) definieren zu dürfen. Dabei wird dann gerne die Aufklärung angeführt, die wie gesagt per Geburt privilegiert, aber inhaltlich nicht vertreten werden muss, außer man nutzt sie zur Kritik anderer, vorrangig dem Islam.

Kommen wir zurück zur abstrusen Weltverschwörung, die nämlich im Denken einiger sog. Islamkritiker nicht der erste Versuch war. Der Marxismus und dann der Kommunismus ist nämlich der „erste“ Versuch gewesen gemäß seines Internationalismus und Betonung der menschlichen Gleichheit, die westlichen Kulturen zu zerstören. Hierbei wird dann gerne betont, dass Marx Jude war. Es geht weiter, denn der neue Versuch dieser Weltverschwörung, die die Islamisierung Europas nutzt um die alten Systeme aufzulösen und einen Neuanfang im Sinne einer NWO zu forcieren hat seine Grundlage im sog. Kulturmarxismus. Dieser Kulturmarxismus wird insbesonders von der Franfurter Schule bestimmt und gesteuert. Hierbei werden dann die „Aufforderung“ zur Überwindung der Nationalstaaten, kultureller Identität, Patriachat, Kapitalismus angeführt um diese in das Verhältnis zu einer NWO gesetzt, die im Sinne eines kulturmarxistisch Weltbürgertums die Weltherrschaft anstreben.

Das klingt alles zunächst einmal nach völlig abstrusen Schwachsinn. Denn es ist natürlich klar, dass Marxismus und auch die Franfurter Schule die Erkenntnisse der Aufklärung im Grunde genommen nur weiter denken und im Sinne einer universal gerechten Gesellschaft Nationalstaaten, Kapitalismus, Patriachat als Hemmnisse identifiziert haben, welche zu strukturellen Ungerechtigkeiten in Gesellschaft führen. Interessant bei der Charakterisierung der sog. Islamkritiker hinsichtlich der Franfurter Schule ist die Auslassung der Analysen bezüglich des gesellschaftlichen Antisemitismus. Insbesondere wird die Kritische Theorie der Frankfurter Schule ins Visier der ideologischen Grundlage der NWO Weltverschwörung gesetzt. Finanziert wird dieses Vorhaben von den Juden Rockefeller und Rothschild. An dieser Stelle wird die Einordnung als Juden betont und so quasi das jüdische Kapital hinter dieser Weltverschwörung herausgestellt, der Kern dieses modernen Antisemitismus bleibt allerdings die vorsätzliche Missinterpretation der Frankfurter Schule, hier wird eine aktuelle Version des Brunnen vergiftenden Juden gesponnen, der im Rahmen eigentlich wissenschaftlicher Gesellschaftstheorien, zu einem Plan zur Zerstörung von Kultur und Nation umgedeutet wird, der im Sinne einer gesellschaftlichen Gehirnwäsche umgesetzt werden soll. Vergegenwärtigt sich man nun noch die Tatsache, dass die angefeindeten Gesellschaftstheoretiker Adorno, Horheimer, Marcuse alle jüdischen Ursprungs sind ergibt sich langsam ein Gesamtbild. So werden andere (nicht-jüdische) Soziologen oder Gesellschaftstheoretiker im Kontext der Überwindung von Nationalstaaten, im Rahmen der Globalisierung oder des Patriacharts nicht mit derselben Schuld beladen, eigentlich sogar weitestgehend ignoriert . Dabei wird auf Nachfrage natürlich das Judentum (gerade im Gegensatz zum Islam) nicht diskreditiert, aber natürlich schon auf den politisierten Zionismus hingewiesen. Es handelt sich also bei der kulturmarxistischen Weltverschwörung mit dem Ziel einer NWO (einige würden hier trotz der angeblichen Inhalte und deren Überschneidung eine Verbindung leugnen) um einen klassischen Antisemitismus im Mantel einer zionistischen Weltverschwörung, der u.a. islamische Glaube an die „Protokolle der Waisen von Zion“ lässt grüßen.

So werden die sog. Islamkritiker oft nicht müde den Stellenwert der Aufklärung zu betonen, setzen das daraus resultierende Wertesystem aber einzig und allein zur Kritik anderer ein. Die eigenen Positionen, ob nun generelles Verbot des Islams in Europa, die Reduzierung des muslimischen Individuums auf die islamischen Lehre und damit die sukzessive „Freisprechung“ vom freien Willen oder die Ausweisung aller Muslimen u.a. werden nicht am gleichem Wertekatalog überprüft, hier reicht eine Dämonisierung der Religion und die geschürte Paranoia vor einer Islamisierung im Namen des allgegenwärtigen Jihads aus um die zur Kritik notwendige Ethik für sich selbst über Bord zu werfen. Die ganz spezielle Version (wenn auch glaube ich nicht seltene) der sog. Islamkritik ist diejenige, die die wahre Gefahr in ihrem Wegbereiter sieht, dem Kulturmarxismus. Hier wird die Aufklärung als abgeschlossenes Kapitel der Historie gesehen und die ideelle Fortentwicklung von Gesellschaftstheorien ignoriert um den sog. Kulturmarxismus als Einzelphänomen hinzustellen. Dabei scheint es sich dann eben um nichts anderes als die jahrhunderte lange Tradition des Antisemitismus in einem neuen Gewand zu handeln. Bei all dieser impliziten und expliziten Menschenverachtung wundern sich diese sog. Islamkritiker ernsthaft, dass sie an den rechten Rand verortet werden?

Hier ein Link ähnlicher Thematik

http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/gegen-den-kulturmarxismus-glaubte-der.html

Cultural Marxism Wikipedia:

Cultural Marxism ist ein politisches Schlagwort der amerikanischen Rechten, das eine angebliche Verschwörung der „Linken“ beschreibt.

[…]

Als „Verschwörer“ werden unter anderem Feministinnen, Homosexuelle, Multikulturalisten, Umweltschützer, Migranten und Philosophen der Frankfurter Schule angesehen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Cultural_Marxism_%28Schlagwort%29


3 Antworten auf „Und da ist er wieder, der altbewährte Antisemitismus“


  1. 1 Frankie 17. Oktober 2011 um 18:34 Uhr

    Hier noch ein interessanter Artikel ähnlicher Thematik auf Anders Breivik bezogen, ebenfalls „sog. Islamkritiker“ mit der Grundlage einer kulturmarxistischen Weltverschwörung.

    „Die Methode Breivik

    Die Imitation des djihadistischen Antipoden, die der norwegische Massenmörder Anders Breivik vollführt, geschieht durch Projektion vom Standpunkt Israels aus, der aber nicht nur bloß willkürlich bezogen, sondern dessen eigenste Grundlage in toto missachtet wird und werden muss: die Notwendigkeit einer Zufluchtsstätte für Jüdinnen und Juden. Denn Breivik selbst ist als Antisemit Bestandteil dieser Notwendigkeit. Durch die Parteinahme für Israel ist er in der Logik seines Wahns lediglich gezwungen, den Hass auf die Juden vordergründig herabzustufen.

    VON GERHARD SCHEIT

    „Ist’s Wahnsinn auch, so hat es doch Methode“ – so lautet das Shakespeare-Zitat, das vielen jetzt zur unausdenkbar grausamen Tat von Oslo einfallen mag, sobald sie einen Blick in das 1.500-seitige Manifest des Täters geworfen haben. Die Linken ergreifen die Gelegenheit, von der Tat und vom Leid selbst sich gleich wieder abzuwenden: Dem gesunden Hausverstand, den Freerk Huisken besitzt, erscheint die Methode dieses Wahnsinns nämlich völlig identisch mit der – als ganz normal angesehenen – Methode rechter Politiker, „die Kriege gegen islamisch geführte Staaten anzetteln […] und den Anhängern des in Terrorismusverdacht geratenen Glaubens in den europäischen Metropolen per Staatsgewalt – z.B. durch Bourka- bzw. Kopftuchverbot – die Schönheiten und Herrlichkeiten der europäische Kultur aufzwingen“. Die imperialistischen Politiker hätten es dabei nur „nicht nötig, dafür in Hinterhöfen aus Dünger Bomben zu basteln. Diese und vieles andere liefert die internationale Rüstungsindustrie den Damen und Herren, die im freien Westen über die Staatsgewalt verfügen, zu freiem Gebrauch frei Haus. Welch Wahnsinn!“

    Liberale, die sich ihren eigenen Menschenverstand vom gesunden noch nicht ganz austreiben haben lassen, beschränken sich einstweilen darauf, Politiker und Publizisten zur Besonnenheit, zum Innehalten und zur „ideellen Selbsthygiene“ zu ermahnen. Richard Herzinger sieht in der Welt nun auch die „Islamkritik“ in der Pflicht, sich ihrerseits vom Terrorismus zu distanzieren – nicht anders als die anderen politischen Milieus heutiger Demokratie, ob es nun Linke oder Muslime seien: Nur wenn er „in dem jeweils ‚eigenen’ Milieu, in dem er Rückhalt sucht, systematisch isoliert und geächtet wird, kann er erfolgreich ausgetrocknet werden. In diesem Sinne bedeutete es kein irgendwie geartetes Schuldeingeständnis und wäre kein Ausdruck schlechten Gewissens, wenn ‚Rechtspopulisten’ und andere Verfechter der These, wir seien akut von ‚Islamisierung’ und ‚Multikulturalismus’ bedroht, den Schock von Oslo zum Anlass nähmen, sich deutlicher als bisher von apokalyptischen Untergangsfantasien und hasserfüllter Endzeit-Paranoia loszusagen.“

    Das heißt, Herzinger beruft sich auf die „Grundwerte unserer demokratischen Zivilisation insgesamt“. Elementare Säulen dieser Werte seien „die Tugenden der Mäßigung und Selbstdisziplinierung, die gegen die Überschreitung der Grenzen zu Terminologie und Tonfall des Hasses sensibilisieren. Nicht jeden Affekt, und entstammt er auch noch so tiefer Überzeugung, die ganze Wahrheit erkannt zu haben, ungefiltert und ohne Rücksicht auf die Folgen in die Welt zu schreien, bedeutet keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, sondern im Gegenteil ihre aktive Pflege.“ Soweit diese Diätetik nur abstrakt den Grad, die Intensität, die Gefühle des Handelns betrifft, nicht aber deren Inhalte, klingt sie ein wenig wie die Spießermoral „Alles mit Maß und Ziel“ und könnte auch als Aufruf zum Appeasement missverstanden werden.

    Dabei ist nun das Manifest von Anders Breivik, was seine politischen Ziele betrifft, keineswegs von messianischen Untergangsfantasien erfüllt oder von totalitären Vorstellungen von Demokratie, wie auch Caroline Glick unter Bezugnahmen auf Talmons historische Untersuchungen zu erkennen meint. Das Zukunftsideal des irren Massenmörders widerspricht nicht unbedingt dem, was auch manche antitotalitär gesinnte Demokraten wollen: Favorisiert wird ein Zustand, den etwa Südkorea und Japan erreicht haben, oder eine Ordnung, wie sie Europa vor dem Ersten Weltkrieg kennzeichnete. Von christlichem Fundamentalismus kann insofern keine Rede sein, als sich kein ausgeprägter Bezug zur Bibel oder zu Jesus Christus erkennen lässt. Die Apokalypse erscheint – ähnlich wie bei Carl Schmitt nach 1945 – nur als notwendiger Durchgangspunkt auf dem Weg ins 19. Jahrhundert, an dem Breivik nicht zuletzt die Unterordnung der Frau im Rahmen der Kleinfamilie schätzt.

    Dafür überträgt sich die apokalyptische Fantasie sofort auf die Öffentlichkeit, die über Manifest und Anschlag berichtet: Man malt eine Welle antiislamischen Gegenterrorismus’ an die Wand; die gewaltbereite Szene rechter und nationalistischer Gruppen werde sich nun an der Tat Breiviks orientieren und zum bevorstehenden endzeitlichen Gefecht zur Verteidigung des Abendlands gegen Islamisierung und multikulturelle Zersetzung rüsten. Die Erkenntnis, dass es sich um die Tat und das Manifest eines Einzelnen handelt, eines Einzeltäters im eminenten Sinn, wird dabei hintertrieben, auch wenn die Ermittlungen der Polizei und die Kommentare von Psychiatern genau darauf hinauslaufen. Die Berichterstattung scheint von der Intention besessen, die Unterschiede zwischen diesem vereinzelten antiislamisch motivierten Anschlag und den systematischen islamischen Attentaten der letzten Jahrzehnte möglichst rasch zu verwischen und alle Proportionen zu beseitigen, als sollte der Eindruck erzeugt werden, es wäre mit Breiviks monströsem Amoklauf aufgewogen, was der massenhafte Amoklauf des Djihad an Leid über die Menschheit gebracht hat und weiterhin bringt. Wie groß muss da das Bedürfnis der Öffentlichkeit nach einer solchen Tat gewesen sein – und woher kommt es, wäre zu fragen. Schließlich fehlten nur noch die Verschwörungstheorien (die natürlich nicht lange auf sich warten ließen), wonach Israel hinter dem Anschlag stecke – oder in der gemäßigten Form wie im Spiegel, für den Breivik zeigte, „wie weit verzweigt das Netzwerk rechtspopulistischer Gruppen und Parteien in Europa tatsächlich“ sei; es reiche „vom Front National in Frankreich über Vlaams Belang in Belgien bis zur Freiheitlichen Partei Österreichs“ – und es sei Israel, das an dieser Rechten „Interesse“ habe.

    Der Kern des Manifestes

    Ist es auch die Methode eines Einzeltäters, so besitzt sie dennoch den Wahn des Kollektivs. Darauf stößt auch Richard Herzinger, wenn er über Breivik schreibt, es sei nicht mehr von der Hand zu weisen, dass sich „fanatische Randgruppen unter dem Vorwand der Angst vor der (Selbst-)Auslöschung des ‚christlichen Abendlandes’ ihren islamistischen Antipoden – deren paranoiden Wahn sie in Wahrheit teilen – angleichen und ihre Methoden übernehmen könnten“. Die Nähe zum Amoklauf hat hier ihren Ursprung: Denn jene Angleichung an den djihadistischen Antipoden ist durchaus nicht möglich ohne entsprechende Ideologie, ohne den Zusammenhalt des islamisch geprägten Rackets, oder besser gesagt: Sie kann ohne solche Voraussetzungen überhaupt nur in Gestalt eines psychopathischen Einzeltäters vollzogen werden, der den Amoklauf gegen einen ganzen Staat versucht, eines Führers ohne Masse, dessen Fantasien in ihrer Kombination so abstrus und „idiotisch“, das heißt: vereinzelt und verborgen sind, dass er sie mit anderen, gar mit einer längerfristig bestehenden Gruppe von Fanatikern, nicht mehr teilen kann. So musste er einen ganzen Koran selbst schreiben bzw. aus Zitaten der verschiedensten Websites zusammenmontieren, den kaum einer gelesen hätte ohne seine Tat; so war er genötigt, sich widerstandslos festnehmen zu lassen, statt wie ein Djihadist sich selbst zu opfern, um nur ja noch einmal Gelegenheit zu bekommen, seine Motive öffentlich darzulegen – und das am besten in einer seiner Fantasie-Uniformen.

    Das Auffälligste an Breiviks Mimikry ist jedoch, dass er den Hass auf die Juden nur fragmentarisch nachvollzieht (was die Medien in ihrer Berichterstattung dazu nutzten, ihn ganz zu unterschlagen). Sein gesamtes Manifest folgt geradezu dem Prinzip, von den Antisemiten bis ins Detail der Ressentiments möglichst viel zu übernehmen – so vor allem das Feindbild, worin „Marxisten“ und „kapitalistische Globalisten“ ineinander aufgehen, aber auch die spezifisch ausgeprägte Polemik gegen die Emanzipation der Frauen –, nur nicht den Antisemitismus selbst dabei ins Zentrum zu rücken. Dadurch wird es möglich, dass er sich auf Henryk M. Broder und Imre Kertész beruft (freilich nur, soweit sie nicht über die Shoah, sondern von europäischen Werten sprechen), die Juden, die Israel unterstützen, sogar als seine Brüder bezeichnet und statt vom Judentum, das die abendländischen Werte zersetze, lieber von der Frankfurter Schule spricht, die genau damit begonnen habe. Von Hitler aber, den er eigentlich ablehnt wie die gesamte Ordnung, die sich nach dem Ersten Weltkrieg etabliert hat, zitiert er zustimmend die hohe Meinung über Karl Martell, der das Abendland rettete. [ Dieser Teil fasst meine Beobachtung bezüglich des antisemitischen Meinungsbildes sog. Islamkritiker nochmal schön zusammen]

    Wo es gegen den Islam geht, versteht das Manifest demnach die Juden im selben Sinn wie Hitler als Bündnispartner. So sieht die Parteinahme für Israel aus: Breivik gehört zwar nicht zu den Holocaust-Leugnern, aber es ist ihm zuallererst um eine Relativierung der Vernichtung der europäischen Juden zu tun. „Die ‚Holocaust-Religion’ ist zu einem destruktiven anti-europäischen Monster herangewachsen, das nationalistische Doktrinen unterdrückt“, schreibt er. „Und ohne nationalistische Doktrinen wird Europa verkümmern und schließlich sterben, wie wir heute sehen. Ironischerweise scheint selbst Israel ein Opfer davon geworden zu sein. Es ist wohl unnötig zu sagen, dass ich zwar ein Unterstützer Israels und aller patriotischen Juden bin, aber zugleich die Ansicht vertrete, dass die anti-europäische Holocaust-Religion dekonstruiert und durch eine anti-islamische Version ersetzt werden muss. Letzten Endes sprechen wir über das Missverhältnis von sechs Millionen getöteten Juden gegenüber 300 Millionen Juden, Christen, Hindus, Buddhisten, Zoroastrier und Animisten, die massakriert wurden. Die ‚Holocaust-Religion’ ist einer der Hauptgründe, warum Europa so empfänglich für die islamische Eroberung in Form der demografischen Kriegsführung ist und durch sie verwundet wird.“

    Israel wird also nicht seinem Wesen nach als Zufluchtsstätte der Juden vor dem Antisemitismus betrachtet, sondern als Bollwerk gegen den Islam; die Grundlage des Staats wird ignoriert und ebenso der Hauptgrund dafür, den radikalen Islam zu bekämpfen: die von diesem Islam drohende Wiederholung von Auschwitz. (Die Stellen, wo das Manifest sich gezwungen sieht, den Status Israels als Reaktion auf den europäischen „Anti-Judaismus“ irgendwie anzuerkennen, sind darum etwa nach dem Muster formuliert: Nur unter der Voraussetzung, dass man akzeptiert, dass der Islam an allem schuld ist, kann auch dieser Status akzeptiert werden.) Eben darin zeigt sich, dass Breivik selbst durch und durch Antisemit ist, was en passant auch ganz offen hervortritt – so gerade, wenn das Manifest herauszustreichen sucht, es gebe in Westeuropa „kein Judenproblem“. In den USA allerdings verhalte es sich da anders, und wenn hier die Warnung angefügt wird, „nicht den gleichen Fehler wie die NSDAP“ zu begehen, dann bezieht sich das auf Europa, während für die USA Hitlers Methode offenkundig nicht ausgeschlossen bleibt, und zwar gegenüber denjenigen Juden, die sich, statt nach Israel zu gehen, assimilieren wollen.

    Die Imitation des djihadistischen Antipoden, die Breivik vollführt, geschieht durch Projektion vom Standpunkt Israels aus, der aber nicht nur bloß willkürlich bezogen, sondern dessen eigenste Grundlage in toto missachtet wird und werden muss: die Notwendigkeit einer Zufluchtsstätte für Jüdinnen und Juden. Denn Breivik selbst ist als Antisemit Bestandteil dieser Notwendigkeit. Durch die Parteinahme für Israel ist er in der Logik seines Wahns lediglich gezwungen, den Hass auf die Juden vordergründig herabzustufen. Eben dadurch fehlt ihm wiederum der Zusammenhalt der fanatischen Gruppe, der sich anzugleichen seine Propaganda der Tat doch unternimmt. Die politische Synthese ist nicht möglich, insofern erst dieser Hass die vielen vereinzelten Fanatiker zur politischen Kraft und zum terroristischen Racket vereinigt. Und es ist gerade der Neid auf die Gemeinschaft enragierter Muslime und auf die Schlagkraft und Gewalttätigkeit ihrer Rackets, die den Attentäter von Oslo umtreibt. Der auf Gewalt sinnende Antisemit, der für Israel Partei ergreift, bleibt notwendig ganz isoliert. (So war für ihn auch in der norwegischen „Fortschrittspartei“ schließlich kein Platz mehr.) Also fantasiert er Gemeinschaft und Racket herbei und entwickelt dabei die infantilsten Vorstellungen. Djihadist des Westens, der nur als Psychopath Wirklichkeit wird, hascht er im Sortiment der Kulturindustrie nach den unterschiedlichsten Kostümen und posiert als Tempelritter-Animation, als Putin-Doppelgänger mit Orden, als Marxistenkiller im Kampfanzug mit vorgehaltenem Gewehr.

    Wenn ein Antisemit für Israel Partei ergreift

    Aber beliebig ist das alles dennoch nicht: Breivik hat bis zur letzten Konsequenz vorgeführt, was es heißt, wenn ein Antisemit für Israel Partei ergreift. Er verwandelt sich genau in das Monster, das die Antizionisten in Israel verkörpert sehen wollen. Die Jugendlichen der sozialdemokratischen Jugend, die er tötete, übten sich auf ihrer Ferieninsel in antizionistischer Solidarität mit den Palästinensern und der „Free Gaza“-Flotte, und (wie einige wenige Medien berichteten) als der Massenmörder sie jagte, glaubten manche von ihnen noch, es handle sich um eine zur politischen Belehrung inszenierte Vorführung israelischen „Staatsterrors“; sie fielen Breivik deshalb umso leichter zum Opfer.

    In ihrer Ungeheuerlichkeit übertrifft Breiviks Tat jene, die wirklich als seine Vorgänger gelten könnten: den „Una-Bomber“ Ted Kaczynski in den USA, von dem er auch einiges in sein Manifest übernommen hat, oder den Briefbombenattentäter aus der Steiermark Franz Fuchs, der sich als „Bajuwarische Befreiungsarmee“ ausgegeben hatte. Diese Steigerung hängt fraglos mit dem neuen Bezugspunkt zusammen, den Breivik besitzt, mit der übermächtigen Konkurrenz, die er in den djihadistischen Rackets erblickt. Der „Una-Bomber“ nahm in seinem Irrsinn noch die technologische Elite ins Visier, um gegen die Umweltverschmutzung zu kämpfen; die „Bajuwarische Befreiungsarmee“ eröffnete ihren wahnhaften „Partisanenkampf“ gegen die ‚Verschmutzung’ des „Volks“. Gemeinsam ist ihnen, dass hier das Politische sich aus einem bestimmten Grund nur noch unmittelbar aus ihrer individuellen Psychopathologie erschließen lässt: Dieser Grund besteht darin, dass ihnen etwas fehlt, was sie erst zur fanatischen Gemeinschaft und zum terroristischen Racket befähigen würde. Daraus resultiert eine Gefährlichkeit, die sich mit politischen Mitteln im Grunde nicht bekämpfen lässt, sondern nur mit Psychiatrie und Polizei.

    Andererseits bleibt die Frage, ob solche Attentäter gerade darin nicht wiederum etwas Politisches verkörpern; ob Breivik, eben strikt als Psychopath betrachtet, den gegenwärtigen Zustand bestimmter Kräfte, die unter das Schlagwort „Rechtspopulismus“ subsumiert werden, in extrem verzerrten Zügen widerspiegelt. Aber auch da wäre zu präzisieren: Sein Manifest beruft sich in ähnlicher Weise auf Geert Wilders wie auf eine „Wiener Schule“, womit wohl die FPÖ gemeint sein dürfte. Der Punkt, der in Breiviks Manifest keine Wichtigkeit bekommen darf, von dem aus sich aber die Methode seines Wahns erst erschließt, wäre auch hier der entscheidende, um zu differenzieren. Offiziell antisemitisch zu sein, ist fast überall mehr oder weniger tabu. Den Hass auf die Juden aber hinter dem Hass der Djihadisten auf das Abendland zum Verschwinden zu bringen und die „Holocaust-Religion“ zu dekonstruieren, weil sie Deutschland und dem Nationalismus in Europa schade, wie Breiviks Manifest es fordert, dieses Manöver ist der Verfassung des postnazistischen Subjekts – postnazistisch im engsten Sinn verstanden – wie angemessen, denn die Leistungen der Vergangenheit, die in der Vernichtung der Juden kulminierten, dürfen unter keinen Umständen, auch nicht im Konkurrenzkampf mit dem Islam, angetastet werden, weil sie die Grundlage der eigenen Gesellschaft sind.

    Es entspricht auch exakt der aktuellen Politik der FPÖ, die neuerdings eine Wende im Verhältnis zu Israel herbeizuführen sucht, ohne darum etwa die Sympathien für die Politik der Islamischen Republik Iran preiszugeben. Das Problem ist nur, dass es sich hierbei noch immer um eine Partei und nicht um das Hirn eines Psychopathen handelt, und das bedeutet für ihre Funktionäre und Mitglieder, dass sie sich zwangsläufig in heillose Widersprüche verwickeln, kaum noch zu einer längerfristig geltenden Parteilinie zusammenfinden können, in einem Chaos der gegensätzlichen Parteitaktiken sich untereinander isolieren, zusammengehalten nur durch das Grinsen ihres Führers H. C. Strache. Aber auch das entspricht der Verfassung des postnazistischen Subjekts, und so kann die Partei, je mehr sie diffundiert, vermutlich mit umso mehr Zuspruch aus der Bevölkerung rechnen, die sich ebenso nach dem Ausnahmezustand sehnt, wie sie ihn fürchtet.

    Breivik ist der terroristische Quisling dieses postnazistischen Subjekts. Nicht die Fehler der NSDAP wiederholen: Das ist der Kern seiner Methode – und zum Ungeheuerlichen dieser Methode gehört auch, wie viel an Vorwand sie dem linken Antisemitismus liefert und noch liefern wird.“

    http://lizaswelt.net/2011/08/02/die-methode-breivik/

  2. 2 miro 30. November 2011 um 14:23 Uhr

    mal wieder nichts kapiert

    hier mal ein bisschen wirklichkeit:

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    Aus einem neuen Bericht des holländischen Innenministeriums geht hervor, dass 40 Prozent aller marokkanischen Einwanderer im Alter zwischen 12 und 24 Jahren innerhalb der letzten fünf Jahre wegen Verbrechen in den Niederlanden verhaftet, verurteilt oder angeklagt wurden.
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    reuters
    Amsterdam
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    Geert Wilders

    In holländischen Vierteln, in denen die Mehrheit der Einwohner marokkanischer Herkunft sind, erreicht der Jugendkriminalität bereits 50 Prozent. Darüber hinaus ist die Jugendkriminalität unter Marokkanern nicht auf Männer beschränkt, Mädchen und junge Frauen sind zunehmend in kriminelle Aktivitäten verwickelt.

    Der „Niederländisch-marokkanische Monitor 2011″ zeigt auf, dass die meisten der marokkanischen Jugendlichen, die in kriminelle Aktivitäten verwickelt sind, in Holland geboren wurden. Das bedeutet, dass die Kinder marokkanischer Einwanderer sich nicht in die holländische Gesellschaft integrieren. Zudem bestätigt das auch, dass Holland für sein gescheitertes multikulturelles Projekt einen teuren Preis zahlen muss.

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    Der Bericht, der vom Rotterdam Institute for Social Policy Research (Risbo) an der Erasmus-Universität Rotterdam produziert wurde, untersucht Art und Umfang der Kriminalität unter der holländisch-marokkanischen Bevölkerung in 22 Gemeinden in den Niederlanden. Die Daten wurden vom Herkenningsdienstsysteem (HKS), eine bundesweite Datenbank über die von der holländischen Polizei registrieren Tatverdächtigen aufgenommen.

    Doch wer ist es, der für das Scheitern der Marokkaner in der holländischen Gesellschaft verantwortlich ist? Laut der Journalistin Fleur Jurgens und ihrem Buch „Die marokkanische Drama“ (Het Marokkanendrama), liegt die Schuld bei zwei Gruppen: erstens bei den Marokkanern, die sagen die Holländer seien verantwortlich für ihre Situation, und zweitens bei den linken Multikulturalisten, die die Marokkaner als wehrlose Opfer einer unlauteren Gesellschaft dargestellt haben.

    Jurgens hat vier multikulturelle Mythen überzeugend widerlegt, die die Umsetzung von nachhaltigen Lösungen verhindert.

    Der erste Mythos ist, dass es kein marokkanisches Problem sei. Jurgens beantwortet diesen Mythos mit den folgenden Zahlen: über 60 Prozent der marokkanischen Jugendlichen zwischen 17 und 23 verlassen die Schule ohne eine Basisqualifikation. Die marokkanische Jugendarbeitslosigkeit liegt bei rund 40 Prozent. Mehr als 60 Prozent der marokkanischen Männer im Alter zwischen 40 und 64 überleben nur dank Sozialleistungen.

    Der zweite Mythos ist, Marokkaner seien kriminell, weil sie vom Arbeitsmarkt diskriminiert würden. Jurgens widerlegt dies mit dem Hinweis darauf, dass Einwanderer aus vielen Ländern in Holland arbeiten, ohne vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu werden.

    Der dritte Mythos ist, dass die marokkanischen Eltern das Verhalten ihrer Söhne nicht kontrollieren könnten, weil sie nicht Teil dieser Kultur seien. Jurgens widerlegt diese Behauptung dadurch, in dem sie aufzeigt, dass sich viele marokkanische Mädchen über die intensive soziale Kontrolle ausgehend von ihren Eltern beschweren.

    Der vierte Mythos ist, dass Holland eine moralische Schuld an den marokkanischen Einwanderern trägt, weil diese als „Gastarbeiter“ von Holländern in Marokko rekrutiert würden. Jurgens widerlegt dieses Argument in dem sie aufzeigt, dass nicht nur eine solche Rekrutierung im Jahr 1973 gestoppt wurde, sondern dass auch mindestens die Hälfte der Marokkaner, die als Gastarbeiter angeworben wurden, schließlich zurück nach Marokko gingen. Die heutige marokkanische Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus solchen, die aus eigener Initiative und aus wirtschaftlichen Gründen eingewandert sind.

    Im Januar 2009 unterzeichnete die Regierung ein Abkommen mit 22 sogenannten „marokkanischen Gemeinden“, in denen die höchste Anzahl von marokkanischen Jugend-Straftätern wohnt. In den vergangenen vier Jahren erhielten diese 22 Gemeinden 32 Millionen Euro durch ein staatliches Programm namens „Moroccan Youth at Risk“. Anstatt wie erwartet die durchschnittliche Kriminalität zu verringern, erhöhten sich die Kriminalitätsraten in vielen dieser Gemeinden.

    In den meisten Fällen haben es die Gemeinden nicht geschafft, Pläne für die Bekämpfung der Jugendkriminalität umsetzen, weil lokale Politiker Repressalien von Marokkanern befürchteten. Die Regierung stellte auch sogenannte „Familien-Trainer“ an, deren Aufgabe es war, Familien mit delinquenten Kindern bei der Integration zu helfen. Zusätzlich wurden „Street Coaches“ angestellt, die die Jugendlichen auf der Straße beraten sollten.

    Wie sich herausstellte, waren diese Trainer mehr dem Mulitikulti verpflichtet als der Prävention von Verbrechen. Viele Trainern widmeten ihrer Zeit marokkanischen Jugendlichen zu helfen, Wege zu finden, um Bußgelder nicht zu bezahlen, die wohl durch ihr kriminelles Verhalten entstanden.

    Jurgens kam zum Schluss, dass die Schuld bei den marokkanischen Eltern zu suchen ist, die ihren Kindern antisoziales Verhalten beibringen, indem sie ihre Kinder lehren die holländische Gesellschaft zu hassen.

    Geert Wilders ging noch einen Schritt weiter in dem er Jurgens Analyse das Argument hinzufügte, dass die Marokkaner nicht zu integrieren seinen, weil diese eine Integration schlicht ablehnten. Im Parlament sagte er, die Marokkaner seien nicht hier um sich zu integrieren, sondern um zu profitieren: „Sie akzeptieren glücklich unsere Häuser und Ärzte, aber nicht unsere Regeln und Werte.“

  3. 3 Frankie 01. Dezember 2011 um 15:42 Uhr

    Mal wieder nichts kapiert?

    Vielleicht sollten sie sich erstmal den Artikel durchlesen indem es um eine angebliche Weltverschwörung des sog. Kulturmarxismus geht, der augenscheinlich verschiedene Determinanten eines Aufgusses des klassischen Antisemitismus im Mantel einer zionistischen Weltverschwörung bedient.

    Ob also in den Niederlanden Marokkaner straffällig werden ist in diesem Zusammenhang nicht nur egal, sondern einfach Verfehlung des Themas. Wer hat hier also nichts kapiert?

    Darüber hinaus gibt es verschiedenste Erklärungsansätze, die schließlich ineinander greifen, warum Migranten straffällig geworden sind. Eine marokkanische Herkunft an sich wird dies sicherlich nicht sein. Das Zusammenspiel von Bildungs- und Einkommensprekariat in Kombination mit aktiven und passiven Abgrenzungsmechanismen wirken im Sinne der Sozialisation auch generationsübergreifend negativ auf die sog. Integration.

    Nun kenne ich die niederländische Asylpolitik nicht, doch ist mir dafür die deutsche Asylpolitik bekannt. Und wenn es Tatsachen wie Kettenduldung, Arbeits- und Ausbildungsverbote, Gutscheinpraxis und Residenzpflicht gibt, dabei aber gleichzeitig eine Integration im Sinne einer ökonomischen Nutzeneffizienz verlangt wird, ist dies ein Widerspruch und entlarvt die Forderung nach Integration als das was sie ist; ein Definitionsinstrument um Abschiebungen leichter und öffentlichkeitswirksamer begründen zu können. Dies ist eine faktische und belegbare Wirklichkeit, mindestens in Deutschland (der Fortress Europe-Gedanke inkl. Dublin II-Verordnung* sowie die Praxis rund um Frontex, beides von Deutschland grundlegend unterstützt, lassen eine supranationale Dimension „erahnen“).

    Wenn nun anhand der im Aufenthaltsgesetz, Asylverfahrensgesetz, Asylbewerberleistungsgesetz und Zuwanderungsgesetz festgeschriebenen Grundrechtsbeschränkungen (wie im vorigen Absatz aufgezählt) Flüchtlinge in der Folge kriminell werden, dann ist dies eine logische Konsequenz primär aus den staatlichen Rahmenbedingungen resultierend.

    Ich möchte mal sehen was sie machen, wenn sie ihren Landkreis nicht verlassen dürfen, eine permanente Abschiebung über ihnen schwebt und sie ihre Duldung alle ein bis drei Monate verlängern müssen (welcher Arbeitgeber stellt sie dann ein, zumal Duldung keinen Abschiebeschutz bedeutet), sie ein wenig Bargeld (ca. 100€) und den Rest in produktbeschränkten Gutscheinen ausgezahlt bekommen und zuguterletzt gemäß der Regelung zum Inländerprimat sie einen Job bekommen, dann das Arbeitsamt aber erstmal prüft, ob nicht auch ein Deutscher oder EU-Bürger für diesen Job in Frage kommt und sie deswegen wieder verlieren (ohnehin erstmal eine Arbeitsgenehmigung von der Ausländerbehörde beantragen und genehmigt bekommen müssen).

    http://de.wikipedia.org/wiki/Aufenthaltsgesetz#Rechtspraxis

    http://de.wikipedia.org/wiki/Residenzpflicht_%28Asylverfahrensgesetz%29

    http://de.wikipedia.org/wiki/Asylbewerberleistungsgesetz#Form_und_H.C3.B6he_der_Unterhaltsleistungen_nach_dem_AsylbLG

    Wer sich trotz dieser Rahmenbedingungen hinstellt und von Ausländern redet, die den deutschen Staat ausnutzen und dann noch kriminell werden, ignoriert vorsätzlich die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Wahrscheinlich sind sie auch noch von forcierten Migrantenimport überzeugt. Doch spätestens seit dem Asylkompromiss von 1992 und der Grundgesetzänderung zum Art. 16a GG (von allen Parteien mitgetragen) ist es allein pragmatisch aufgrund der „Sicheren-Drittstaaten-Regelung“ (in Absatz 2) gar nicht möglich Asyl zu erhalten und die Definition für die politsche Verfolgtheit dermaßen eng definiert, dass man quasi Folter durch das staatliche Regime nachweisen muss um für Asyl in Deutschland in Frage zu kommen (politische Verfolgung durch die Mehrheitsbevölkerung reicht z.B. nicht aus). So wurden nicht wenige Kurden dem Assad-Regime Syriens in Form einer Abschiebung ausgeliefert und jetzt ist die Bestürzung plötzlich groß, dass es sich um ein menschenverachtendes, mordendes Regime handelt, selbes gilt z.B. für Libyen unter Gaddafi.

    Und die Zahl der asylbeantragenden Flüchtlinge könnte kaum geringer sein, die Zahlen der Anträge ist seit dem Asylkompromiss bereits drastisch zurückgegangen, von der Zahl der Bewilligungen ganz zu schweigen, die liegt seit zehn Jahren unter 10% der ohnehin schon geringen Anzahl von Asylanträgen.

    http://www.bpb.de/files/RHU8JS.pdf

    Bevor sie also irgendwelche rassistischen Überfremdungsängste projezieren, sollten sie sich erstmal mit den Fakten vertraut machen. Dann kapieren sie vielleicht mal wirklich. Sie sollten dann auch nicht verkennen, dass die deutsche Asylpolitik, die ohne Zweifel restriktiv ausgelegt ist, nichts mit dem Umgang mit den Nachfolgegenerationen der Gastarbeiter zu tun hat. Bei denen es verpasst wurde nach den Neufassungen der Anwerbeabkommen (z.B. mit der Türkei 1964 und der damit verbundenen Aufhebung des Rotationsprinzips bereits drei Jahre nach dem ursprünglichen Zustandekommen) die gesellschaftliche Segregation aufzubrechen und die von Beginn an sogar staatlich forcierte Ghettoisierung von tendenziell weniger gebildeten und mehrheitlich dem Niedriglohnsektor zuzuordnenden Gastarbeitern natürlich zu negativen Konsequenzen und partiellen Parallelgesellschaften führen musste, wo sich aber der deutsche Staat aufgrund seiner sozialpolitischen Versäumnisse nicht aus der Verantwortung ziehen darf.

    Wenn sie also irgendwelcher rechtspopulistischen Propaganda aufgesessen sind, die historische, empirische und gesetzliche Rahmenbedingungen ignoriert um rassistische Ressentiments überhaupt bedienen zu können, denn auch die Kriminalitätsstatistiken lesen sich wesentlich weniger aufregend, wenn man vergleichbare Gruppen heranzieht, also in welchem Verhältnis prekären Ausländer zu prekären Inländer straffällig werden, die Diskrepanz schrumpft enorm, im Gegensatz zum Vergleich beider Gruppen in Absoluten Zahlen, denn die bei Inländern wesentlich mehr vertretendene oberen Schichten sind natürlich weniger kriminell (vergleichen sie mal die Zahlen zur Wirtschaftskriminalität, da werden die Deutschen die Nase vorn haben, was aber auch wenig Aussagekraft hat, da dies genauso soziologisch durch die Einkommensverhältnisse erklärbar ist), können sie gerne an ihrer fehlgeleiteten Meinung festhalten, die ist trotz gewisser Gerüchte oder gar Überzeugungen in konservativen und rechtspopulistischen Kreise nicht verboten, nicht mal wirklich tabuisiert (http://www.demokratie-goettingen.de/blog/tabus-tabubruche-und-politische-korrektheit/), aber solange sie nur irgendwelchen propagandistischen Müll wiedergeben, brauchen sie nicht verlangen von irgendjemanden ernst genommen zu werden.

    * welche nach dem Vorbild der deutschen Drittstaatenregelung gründend aus dem 92er Asylkompromiss gestaltet ist http://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_%28EG%29_Nr._343/2003_%28Dublin_II%29#Kritik http://www.dasdossier.de/stichwort/dublin-ii-abkommen

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