Archiv für März 2013

Bildgewaltig, Kryptisch, Wirr – Nick Cave is back!

Nick Cave & The Bad Seeds sind zurück. „Push the Sky away“ heisst Cave’s neues Album und steht in der ruhigen Tradition seines von mir bewunderten Doppel-Albums “ The Abattoir Blues & The Lyre of Orpheus“.

Dem Künstler mit der dunklen Stimme wird oft nachgesagt ein Meister der Melancholie zu sein. Dieses Urteil ist mir irgendwie zu einseitig oder zu wenig. Vielleicht liegt es daran, dass ich erst spät zu seiner Musik fand und somit selbst der kommerzielle Erfolg seiner „Murder Ballads“ weitestgehend an mir vorbei lief. Ich fand zu Nick Cave mit dem angesprochenen Doppelalbum und ging dann nur einen Schritt zurück auf die „Nocturama“. So sind Songs wie „Wonderful Life“, „Bring it on“ (beide Nocturama), „There She Goes, My Beautiful World“, „Nature Boy“ (beide Abattoir Blues) oder „Supernaturally“ (The Lyre of Orpheus) zumindest musikalisch und weitergehend atmosphärisch keinesfalls schwere melancholische Kost. Natürlich machen Cave’s Songs eine Art unruhige Ruhe aus, die eine Stimmung beim Hörer initiiert, die durchaus als melancholisch beschrieben werden kann, doch fehlt den dazugehörigen Texte (soweit ich sie verstehe) eine dementsprechende Aussage. Neben seinen sprachlich gemalten Bildern, erzählt Nick Cave eher Geschichten, deren Verlauf und Charaktere aber oft von einem dunklen Schleier eingehüllt zu sein scheinen und diese Undurchsichtigkeit, diese Mystik macht aus meiner Perspektive die melancholische Stimmung in Nick Cave’s Musik aus.

Cave’s Poesie ist dann dabei oft wirr und (für mich) nicht klar zu verstehen, doch spiegelt sich im Kern seiner Geschichten, seiner Musik, seiner Sprachbilder oft eine Art Dialektik wieder, welche im Rahmen von Sex und Verzweiflung , Liebe und Wut, Leidenschaft und Lethargie zu einem emotionalen Chaos führt, welches durch die Lyrics und Tempowechsel seiner Musik verstärkt den Zuhörer in seinen Bann zieht.

„Push the Sky away“ schafft es dann wieder diese Atmosphäre zu schaffen, die die beiden vorletzten Alben für mich so außergewöhnlich gemacht haben. Das letzte Album „Dig!!! Lazarus, Dig!!!“ schaffte es nicht mich zu packen, auch wenn ich diesem Album vielleicht zu wenig Chancen gegeben hatte. Das neue Album schafft es auf Anhieb die melancholische Aufbruchsstimmung meiner favorisierten Nick Cave Alben wiederzugeben. Es sind die ruhigen, von Streichern begleiteten Lieder die sich auf „Push the Sky away“ wiederfinden, es fehlt dahingehend das Schmettern eines „There She Goes, My Beautiful World“, doch auch wenn das neue Album nicht die Vielseitigkeit des 2005er Doppelalbums erreichen kann, schafft es „Push the Sky away“ geradezu eine Nostalgie zu besagtem Album zu entflammen und Lieblingsstückevon mir, wie „Easy Money“ ( „The Lyre of Orpheus“) neu aufleben zu lassen.

Hier die erste Auskopplung und bisher auch mein Favorit auf dem Album

Und nichts gegen die Version des legendären Johnny Cash, aber das Original sollte nicht vergessen werden.


Nick Cave – The Mercy Seat von belair