Archiv für Dezember 2013

Vorwurf Chauvinismus gegen den des suggerierten investigativen Journalismus oder doch nur zwei Halbwahrheiten

Das neueste Fernsehduell Deutschlands heisst Marietta Slomka gegen Sigmar Gabriel und ist eines sicher, das unterhaltsamste seit der Elefantenrunde mit einem vermeintlich siegestrunkenen Bundeskanzler.

Was ist passiert? Sigmar Gabriel wirbt bei seiner Partei für die Große Koalition, denn die SPD lässt ihre Mitglieder abstimmen, ob der entsprechende Koalitionsvertrag abgeschlossen werden darf oder nicht. Marietta Slomka gibt in diesem Kontext die verfasssungsrechtliche Frage wieder inwiefern 400 000 Mitglieder mehr Gewicht in ihrer Stimme haben als die restlichen Wähler der Bundesrepublik.

So mag die Sachlage für z.B. Herrn Augstein oder auch Sigmar Gabriel selber einfach liegen: Das Verfahren der SPD ist eindeutig demokratischer als das der anderen Parteien. Das Stichwort ist innerparteiliche Willensbildung und die ist demokratischer, wenn sie die gesamte Mitgliederschaft trägt als der Parteivorstand.

So weit so richtig. Augstein führt das zielstrebig zu einer sich profilieren wollenden Marietta Slomka, die statt investigativen Journalismus einfach nicht weiß wann sie aufhören sollte und Probleme sucht bzw. konstruiert wo eigentlich gar keine wären. So weit so unrichtig! Das ca. 400 000 SPD Mitglieder mehr bestimmen dürfen als 61,8 Millionen zugelassene WählerInnen ist natürlich eine Frage, die man sich verfassungsrechtlich und ohnehin demokratietheoretisch stellen muss. Hier ist dann nicht die Frage, ob das bisherige Verfahren undemokratischer ist. Diese Frage muss, wie es Gabriel tut mit Nein beantwortet werden, aber ob dieser verzerrende Wahlmechanismus demokratisch einwandfrei ist, darf man bei Leibe schon mal diskutieren.

Weiter zu gehen ist die Frage verfassungsrechtlich: Hier wird einschlägig, ob Mitglieder einer Partei juristisch dieselbe Bedeutung zukommt wie innerparteilich gewählten Parteifunktionären bzw. dem Parteivorstand. Denn hier liegt der verfassungsrechtliche Unterschied, handelt es sich bei einem SPD-Mitlglied um einen Funktionsträger der Partei unterscheidet ihn dies vom allgemeinen Wähler, wie zuvor der Parteivorstand eben auch. Sind SPD-Mitglieder allerdings keine Funktionsträger innerhalb der Partei, da sie letztlich nur beigetreten aber niemals gewählt worden, ist ihr Privileg die Regierungsbildung verhindern zu können verfassungsrechtlich fragwürdig.

Diese Frage stellt Marietta Slomka allerdings nicht. Sie fragt lediglich, ob das SPD-Verfahren zur Abstimmung über den Koalitionsvertrag undemokratischer sei. „Ich dachte alle Gewalt geht vom Volke aus“ fragt sie verwundert den Parteivorsitzenden, rundet damit aber nur ihre zuvor geäußerten bzw. zitierten Demokratiebedenken ab und stürzt sich eben nicht auf die Frage, ob ein „einfaches“ Parteimitglied denselben Status wie ein Mitglied des Parteivorstandes hat. Zu allem Überfluss mahnt sie Gabriel auch noch Argumente zu bringen. Nun an dieser Stelle kann man sich schon fragen, ob sie ihm überhaupt zugehört hat. Denn Gabriel hat die Fragen Slomkas definitiv auch argumentativ beantwortet indem er den Vergleich zum Abstimmungsverfahren der anderen Parteien sowie die Verpflichtung zu innerparteilicher Demokratie im Willensbildungsprozess seiner Partei herausstellt.

Letztlich stürzt sich Slomka einzig auf den sprachlichen Rahmen in den Gabriel seine Argumente setzt. Quatsch! Blödsinn! Und das ist wiederum auch genauso verständlich, wie das sich Gabriel über den Vorwurf keine Argumente zu haben echauffiert. Denn dies ist neben einem schlechten Stil nichts anderes als eine Wertung diese Fragen überhaupt zu stellen. Aus Gabriels Sicht ist dies überflüssig, da offensichtlich unbegründet oder einfach Quatsch. Das ist es aber nicht, es mag theoretisch sein, aber es ist eine angebrachte Frage, die er letztlich den gestellten Fragen entsprechend auch beantwortet. Die stillose Wertung der Fragen Slomkas, die war es, die letztlich überflüssig war.

Das sich Gabriel nicht eingehender mit der Thematik auseinander gesetzt zu haben schien und dies auch offensichtlich für überflüssig hält, muss der Vorwurf sein. Nur dieser Vorwurf kommt von Slomka nicht, da sie ihre Fragen ebenfalls nicht thematisch tief genug gestellt hat. So dreht sich letztlich der Angriff Slomkas nur um den Angriff Gabriels, dass diese Frage Quatsch wäre und ignoriert dabei seine Argumente. Folglich lässt sich weder von einem umfassend investigativen Journalismus sprechen, noch von einem SPD-Parteivorsitzenden, der statt zu argumentieren die Journalistin lieber persönlich angriff. Am Ende trafen hier zwei Ego’s aufeinander, die vergaßen die Thematik ernsthaft zu behandeln und Argumente weichten einem Populismus, den sich beide auf ihre Weise vorwerfen lassen müssen.