Archiv für Januar 2014

Euro – Rein oder Raus? Lanz goes „Investigativ“

Markus Lanz versucht gezielt nachzuhaken und benennt vermeintlich populistische Argumentationsmuster Wagenknechts. Lanz versuchte in seiner Sendung vom 16.01. einmal knallhart nachzufragen, den investegativen Journalisten zu mimen und Wagenknecht immer wieder ihres angeblichen Populismus zu überführen.

Was aber tat Lanz wirklich, er stellte oberflächliche Fragen wie „Euro, rein oder raus“, „EU-Bekenntnis Ja oder Nein?“ und ignorierte die Versuche Wagenknechts diese Frage im Detail und nicht gemäß eines SchwarzWeiß-Musters zu beantworten. Die bejahte Antwort zu einem gemeinsamen Europa, die verneinte Antwort zur derzeitigen Ausrichtung der EU ist Markus Lanz dann nicht genug. Er will eine klare Antwort und dieser Wille unterbricht die Politikerin der Linken immer wieder. Das sich aber komplexere Sachverhalte nicht mit einsilbigen Antworten zu entsprechend ungenügenden Fragen runterbrechen lassen, versteht der Moderator einfach nicht und wird nicht müde in seiner Detailignoranz.

Unterstützung oder vielmehr Vorleistung bekam Lanz dabei vom Stern Journalisten Hans-Ulrich Jörges, der sich sofort auf einen angeblichen Populismus Wagenknechts stürzt. So poltert er los, dass er die Kritik an der Großen Koalition, sie verschleppe und ignoriere wichtige Themen und verschlafe den Beginn der neuen Regierungszeit, nicht merh hören könne, da dies schlichtweg falsche Darstellung sei. Dabei geht er wiederum nicht in geringster Weise auf die überdurchschnittlich lange Findungsphase der neuen Koalition ein und argumentiert mit der Urlaubszeit zur Jahreswende.

Dann widmen sich Lanz und Jörges der Programmatik der Linken zur EU in der auch von Wagenknecht zugegeben zugespitzt oder unglücklich formuliert wurde. Die EU sei Neoliberal, militaristisch und undemokratisch. Diese Aussagen seien anti-europäisch, so das Polterduo weiter. Nachdem Wagenknecht an der Ausrichtung der europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik bzgl. Marktöffnungen die neoliberale Ausrichtung der EU illustriert, fehlen die ersten Argumente und es wird sich insbesondere von Jörgens auf die Kategorie militaristisch gestürzt. Hier beginnt Wagenknecht die Formulierung durchaus in Zweifel zu ziehen, da sie zu eng assoziiert werden kann, verweist aber auf eine Aufrüstungspolitik der Mitgliedsstaaten auch im Beschlussrahmen der EU. Nun verlässt Jörgens die Sphären einer angebrachten Gesprächskultur und diffamiert Wagenknechts Äußerungen mit Schlagworten wie Interventionstruppen und der vermeintlich infamen Zuschreibung militaristisch als absoluten Blödsinn und gefährlicher Meinungsmanipulation wider besseren Wissens. Nun es ist schade, dass Wagenknecht sich auf die gemeinsame europäische Rüstungspolitik beschränkt und den Vorwurf, sie und ihre Partei stellen die EU als Militärmacht dar, obwohl es keine gemeinsame Armee gibt, im Raum stehen lässt, was aber angesichts der Gesprächskultur seitens Jörgens verständlich wird, da dieser eine diskursive Auseinandersetzung durch Populismus- und Manipulationsvorwürfe ersetzt und damit einen ernsthaften Austausch von Argumenten den Wind aus den Segeln nennt. Mich hätte an dieser Stelle die Einordnung von Frontex durch Herrn Jörgens brennend interessiert, die letztlich nichts anderes als der militaristische Arm europäischer Flüchtlingspolitik auf dem Mittelmeer ist. Aber wenn nicht einmal die gemeinsamen Beschlüsse europäischer Rüstungspolitik als Argumente einer militärischen Kompenente der EU durchgehen, dann fragt sich was Jörgens bezwecken will, wenn er anschließend versucht diese Argumentation mit dem Schlagwort der „Interventionstruppen“ ins lächerliche ziehen will. Eine sachliche Diskussion sicherlich nicht, was dann umso schwerer wiegt, wenn dies die Grundlage des Populismus- und Manipulationsvorwurf gegen Frau Wagenknecht war.

An dieser Stelle hätte Markus Lanz beweisen können, dass er zumindest der Funktion eines Moderators gewachsen ist und die Gesprächskultur von Jörgens zu Raison aufgefordert hätte. Ganz im Gegenteil, nimmt Lanz die hetzerische Stimmung des Journalisten auf und garniert sie mit phrasenartigen, unterbrechenden und wiederholenden Fragen. Hier wurde dann wie bereits angesprochen das Detail verwehrt und schlichtweg einsilbige Antorten verlangt, weil er böse gesagt anscheinend nicht in der Lage war etwas detailliertere Antworten verarbeiten zu können. Das ist schlichtweg inkompetent und erweitert mit den Vorwürfen gegen Wagenknecht, bedient er sich dem von ihm vorgeworfenen Mittel des Populismus, da er nichts anderes wollte als in seinem Sinne zu interpretierende Antworten als eine differenzierte Begründung.

Wenn Markus Lanz dann auf die Antwort der Verhältnisse in europäischen Institutionen im Hinblick auf erodierenden demokratische Legitimation, nur fragen kann was Wagenknecht denn verdient habe als Abgeordnete des Europäischen Parlamentes und ihr anschließend abspricht sich in diesem Rahmen engagiert zu haben, weil er habe sie nicht gehört, dann bestätigt dies schlichtweg seinen Populismus und wird darüber hinaus zum Beweis seiner Arroganz. Die sich ebenfalls wiederholende Frage nach ihrem Verdienst als Europaabgeordnete verfolgt keinen inhaltlichen Zweck, sondern schürt schlichtweg das Klischee der überbezahlten Politikerin. Die Behauptung sie hätte keine Themen im Parlament eingebracht, weil er davon nichts gehört hat, zeigt dabei nur das Lanz die Hybris vertritt, dass alles was er nicht mitbekommt auch nicht realen Tatsachen entspräche und rundet das suggerierte Bild einer überbezahlten und nichts-tuenden Politikerin entgültig ab. Dabei ist es dann verwunderlich, dass Markus Lanz für RTL-Explosiv ab 2004 Debatten des Europäischen Parlamentes recherchiert hat, ob er diese privat verfolgt hat, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber entsprechend des geringen medialen Stellenwertes von europäischen Parlamentsdebatten wirkt es unwahrscheinlich, dass Lanz die Arbeit Wagenknechts als Europaabgeordnete überschauen konnte.

Da Lanz also weder in der Lage war seiner Funktion als Moderator zu entsprechen und eine geregelte Duskussion in angebrachten Rahmen zu erhalten und darüber hinaus statt investigativ zu sein Wagenknecht nichts als Oberflächkeit verordnet hat, kann ich den Vorwurf der Verfehlung des Bildungsauftrages in persona Markus Lanz nur unterstützen und verweise an dieser Stelle an die Petition.