The Legends keep on falling

Vor UFC 173 hatte der Hype um Renan Barao seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht, auch deswegen, da im Gegensatz zu Jon Jones, Jose Aldo die Anerkennung vergleichsweise gering war.

Renan Barao war bis zum vergangenen Samstag seit 34 Kämpfen ungeschlagen, nur sein Profi-Debut hatte der Brasilianer verloren und seit dem er Mitte 2012 den (Interim-)UFC Titel im Bantam-Gewicht gewonnen hatte, seine Titelkämpfe stets mit KO oder Submission beendet.

Vor dem Kampf hatte sich UFC Präsident Dana White für die Anerkennung des 27-jährigen Ausnahmesportlers ausgesprochen und ihn als Pound-for-Pound besten Fighter des Planeten ins Spiel gebracht, da er in der jüngeren Vergangenheit seine Kämpfe zusätzlich zu seiner außergewöhnlichen Siegesserie nicht zu einer Entscheidung kommen lassen hatte. Ganz nach dem Geschmack des Präsidenten, dessen Satz: „Don’t leave it in the Hand of the Judges“ manchmal gar den ganzen Sport zu überlagern droht (Angesichts katastrophaler Fehlentscheidungen in MMA, aber auch aus dem Boxen bekannt, nicht ganz zu Unrecht).

So sind Jon Jones (Light-Heavyweight Champion), Jose Aldo (Featherweight Champion), Renan Barao, Demetrious Johnson (Flyweight Champion) die Nachfolger einstiger Legenden wie Anderson Silva (Middleweight) oder GSP (Welterweight). Warum der Name Cain Valesquez (Heavyweight Champion) in der Diskussion um die derzeit besten MMA Kämpfer in diesen Aufzählungen oft ausgelassen wird, erschließt sich mir nicht.* Die alten Legenden haben dann 2013 die Tiefpunkte ihrer Karriere erleben müssen. Anderson Silva verlor seinen Titel an Chris Weidman und war zuvor unbesiegt in seiner Karriere gewesen. Der Rückkampf dieses umstrittenen Kampfes (Silva spielte Weidman vor angeschlagen zu sein um dann wirklich den Knockoutpunch zu erhalten) brachte dann nicht nur keinen Aufschluss wer der definitiv bessere war, der Bruch des Unterschenkels von Anderson Silva gefährdet sicherlich auch die Karriere des nicht mehr jüngsten MMA-Artists in der UFC (39 Jahre).

Zwischen diesen beiden anderen Kämpfen erregte ein weiterer Jahrhundertkampf die Gemüter. George St. Pierre (GSP) trat zu seiner 9. Titelverteidigung in Folge gegen Johny Hendricks an. Dieser Kampf geht wohl als eine der umstrittensten Entscheidungen in die Geschichte der UFC , vielleicht sogar des Kampfsports im Allgemeinen ein. Johny Hendricks wurde seines Titelgewinnes nach Ansicht der meisten Experten beraubt und GSP trat nach dem Kampf aus privaten Problemen vorerst vom Sport zurück.

Nun stand am vergangenen Wochenende eine wenig spektakulär erwartete Titelverteidigung von Renan Barao gegen TJ Dillashaw an. Dillashaw, Trainigsmitglied bei Team Alpha-Male und damit Trainingspartner von Urijah Faber (der gerade erst gegen Barao verloren hatte), war über die Fernseh Show „The Ultimate Fighter“ in die UFC gekommen und hatte dort jüngst für Aufmerksamkeit gesorgt. Faber brachte ihn nach seiner verlorenen Titelchance selbst ins Spiel. Bei Wettquoten 8:1 gegen Dillashaw versprach das eigentlich Highlight des Abends Dan Henderson gegen Daniel Cormier zu sein (DC unterstrich seinen Anspruch auf einen Titleshot gegen Jon Jones).

Doch es kam alles anders als erwartet. Joe Rogan (UFC Kommentator) verriet im Vorfeld des Kampfes, dass man bei Team Alpha-Male eine Kardioschwäche bei Barao sehe und daher die Championship-Rounds den Kampf zu Gunsten von Dillashaw entscheiden sollten. Jeder erwartete also, dass Dillashaw den Angriffssturm Baraos überstehen versuchen würde.

TJ Dillashaw dachte aber gar nicht daran den Kampf dem Champion zu überlassen. Äußerst schnell auf den Beinen wechselte der Herausforderer fast permanent seinen Winkel zum Gegner und bestach durch präzises und schnelles Striking. Eine Overhand-Right in der ersten Runde führte zum Knockdown des Champions und dieser schaffte es noch irgendwie im Kampf zu bleiben und sich in die Rundenpause zu flüchten. Der Kampf setzte sich dann unter den umgekehrten Vorzeichen fort und Dillashaw beherrschte den Kampf fast nach Belieben. In der fünften Runde beendete Dillashaw den Kampf mit einer erneuten Schlagkombination und nachfolgenden Ground and Pound, so dass der Ringrichter den Kampf stoppte. TJ Dillashaw hatte alle, aber auch wirklich alle überrascht und konnte am 24.05.2014 Geschichte in der UFC für den überraschendsten Titelgewinn seit Matt Serra gegen GSP sorgen.

Man kann gespannt auf einen Rückkampf sein bedenkt man, dass vielleicht auch Barao seinen Gegner wie alle anderen unterschätzt hatte. Dillashaw, der eigentlich mehr für seine Ringerqualitäten bekannt war, zeigte eines der feinsten Strikings im MMA, etwas was Renan Barao eigentlich für sich selbst beansprucht. Der Schaden den Barao durch den Niederschlag in der ersten Runde erlitten hat, muss eben auch mit einbezogen werden, wenn die Karten demnächst neu gemischt werden. Aber der Auftritt von TJ Dillashaw kann bei einer 5-ründigen Dominanz über einen der besten Pound-for-Pound Fighter auf der Welt nicht unterschätzt werden und vielleicht hat Dillashaw erst jetzt sein wahres Potential bewahrt. Joe Rogan nannte dessen Auftritt als langjähriger Begleiter des professionellen MMA Sportes, „The Best Perfomance I’ve ever seen!“

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*Klar hatte Valesquez jetzt erst 2 Titelverteidigungen nachdem er den Titel von Junior Dos Santos zurück gewinnen konnte, doch die Dominanz mit der er Junior zweifach die Grenzen aufzeigte und in Anbetracht der Situation, dass dieser ebenso zu den Ausnahmetalenten seiner Gewichtsklasse zählt, spricht für ihn. Da Daniel Cormier nun den Weg weg von seinem Trainingspartner Valesquez zu den Light Heavyweights erfolgreich bestreitet, sehe ich niemanden, der den Champion gefährden könnte.


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