Die (aktuelle) Wahrnehmung Israels

Man wird ja wohl nochmal sagen dürfen…

Es ist unbegreiflich tragisch, dass dieser Konflikt wieder eskaliert. Die Opfer gibt es vor allem auf palästinensischer Seite, aber das hat leider einen Grund.

Die Hamas. Allzuoft wird in der aktuellen Berichterstattung ausgelassen oder erst später erwähnt, dass es die Hamas war die den Raketenbeschuss begann. In den deutschen Leitmedien hingegen lässt sich oft eine Überschrift lesen, die suggeriert, dass Israel der agierende Akteur sei. Manchmal kommt es sogar so an, als wäre Israel der Aggressor. Hier ein Blogartikel, der sich der sprachlichen Ausrichtung der Schlagzeilen in den deutschen Medien mal angenommen hat.

Weiter unten in den Kommentarspalten dieser Artikel findet sich dann z.T. eine Fortsetzung, vielleicht sogar eine Radikalisierung der Einseitigkeit. Israel ist unmenschlicher Täter, die Palästinenser ohne Ausnahme Opfer des aggressiv agierenden Staates. Wenn auf die Hamas hingewiesen wird, wird Siedlungspolitik und historische Gewachsenes herangezogen um zu zeigen, dass Israel stets der Aggressor war, Palästina sich nur in einem Überlebenskampf zu Wehr setze.

Der Antisemitismus die Positionierung zum Existenzrechts Israels von Organisationen wie Hamas, aber auch weitere Akteure wie Hisbholla, der frühere Irak, die Aussagen Khomeini’s und Khameini’s stellvertretend für den Iran, Jordanien oder auch Ägypten unter Nasser, die Israel seit seiner Gründung bedrohen wird nicht berücksichtigt. Gern wird dieses erdrückende Bedrohungsszenario sogar geleugnet. Der Holocaust ist Vergangenheit, womit Israel sogar ungerechte Politik betreibe, es gibt welche, die sogar von Erpressung reden. Antisemitismus wäre überwunden, Israel kein Schutzraum für Juden, sondern ein aggressiv expandierendes Staatengebilde, welches permanent gegen Menschenrechte verstoßen würde.

Dass Israel oft genug von Hardlinern regiert wurde und in diesem Kontext z.B. in puncto Siedlungspolitik den Konflikt auch ihrerseits verschärft haben oder vielleicht auch die Verhältnismäßigkeit der militärischen Antwort nicht immer gewahrt war (Einheit 101 unter Scharon als frühes Beispiel), will ich nicht bestreiten und wäre genauso undifferenziert es zu leugnen. Doch warum kommen immer wieder die „harten Hunde“ in die Regierungsverantwortung? Natürlich auf Grundlage einer verängstigten Bevölkerung, die sich der Bedrohung etwas bewusster ist, als die in Deutschland oder sonstwo sitzenden Onlinekommentatoren, die leicht reden haben, wenn sie eigentlich fordern, dass Beschuss von der Hamas unbeantwortet bleiben muss.

Dass die Hamas hier ihr eigenes Süppchen kocht und der neueste Beschuss nicht nur eine emotionale Reaktion auf den Mord an einem palästinensischen Jugendlichen ist, läßt sich daran erkennen, wie hier im Alleingang die Gunst der Stunde, die Gunst der Emotion genutzt wird. Und zwar nicht nur um ein „Statement“ gegenüber Israel zu tätigen, sondern vielleicht sogar vielmehr die eigene Machtposition gegenüber der Fatah zu stärken. Wenn die militärischen Stellungen der Hamas aus einer Position ziviler Umgebung abfeuern, dann tragen sie eine Verantwortung, wenn der Beschuss selbiger zivile Opfer verursacht. Diese Opfer, dieses Leid ist etwas was der Hamas darüber hinaus sehr gut nutzt. Natürlich radikalisieren sich weitere Palästinenser, wenn sie Angehörige, Freunde oder auch „nur“ Besitz durch israelische Bomben verlieren. Wer will es ihnen verdenken? Ich privilegierter weißer Europäer mit Sicherheit nicht.

Die Hamas stärken diese israelischen Bomben aber. Natürlich werden sie auch geschwächt, wenn sie Führungskader und militärisches Material verlieren, aber die Stimmung kippt zu deren Seite. Das Nachsehen hat die Fatah, das Nachsehen haben die Chancen eines Friedensprozesses. Ist dies Grund genug für Israel militärisch einfach nicht auf die Attaken der Hamas zu reagieren? Wahrscheinlich nicht. Sie haben eine Pflicht zum Schutz ihrer Bevölkerung, sich untätig mit Raketen beschießen zu lassen, würde dieser nicht nachkommen. Und es gibt letztlich auch auf israelische Seite die Machtsicherungskomponente. Netanjahu könnte dies gar nicht tun, da letztlich höchst wahrscheinlich unter der Zustimmung der Bevölkerung Hardliner wie z.B Lieberman das Ruder übernehmen würden. Wer will es der israelischen Bevölkerung verdenken, die aktuell nicht nur in Tel-Aviv dem Raketenbeschuss der Hamas ausgesetzt ist, in der Vergangenheit wahrscheinlich oft genug Angst hatte den Bus zu besteigen, da die Bilder des letzten Selbstmordattentates noch frisch genug waren? Ich abermals sicher nicht.

Dass aber deutsche Medien in einen Tenor einschwenken, der zumindest das Potenzial besitzt die Art von Israelkritik zu bestärken, die im Verdacht steht antisemitisch motiviert zu sein, finde ich äußerst bedenklich und die Früchte dessen finden sich bereits wenige Zentimeter weiter unten. Wer will es ihnen verdenken sich eine Meinung zu bilden und daraufhin Israel an den Pranger zu stellen? In diesem Fall tue ich das. Denn sich im „friedlichen“ Europa an die Tastatur zu setzen und eine Anklageschrift nach der nächsten in die Tasten zu hauen, ist eben nicht nur geschmacklos, es scheint oft antisemitisch, wenn es kein wichtigeres Thema gibt (zu anderen Thema wird sich weitaus weniger engagiert) als Israels vermeintliches Unrechtsregime und dabei die besondere Situation Israels, der Judenstaat in mitten von Antisemitismus zu sein, dabei kategorisch ausgespart wird.


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