Archiv der Kategorie 'Serienimpressionen'

Person of Interest

Am Horizont des Unterhaltungsfernsehens braut sich etwas zusammen und die Beteiligten versprechen außergewöhlichen Serienkonsum. Jonathan Nolan (Prestige, The Dark Knight), Bruder von Christopher Nolan und Schöpfer der Memento zu Grunde liegenden Kurzgeschichte, die seinem Bruder den Durchbruch ermöglichte, hat seinen Weg in die TV-Landschaft gefunden. Vergegenwärtigt man sich, dass die besten Werke Christopher Nolans auf die geschriebene Mittäterschaft seines jüngeren Bruders zurück zu führen sind, dann kann man nur gespannt sein auf die ersten Schritte Jonathan Nolans als Creator der neuen Serie „Person of Interest“ (Premiere 22.09.2011 auf CBS).

So ist es dann auch kein geringerer als J.J. Abrams (Alias, Lost), der mit all seiner Serienerfahrung als ausführender Produzent diesem Projekt bei Seite steht. Es ist von „Person of Interest“ sicherlich keine Revolution der Serienlandschaft zu erwarten, die irgendwie mit The Wire, den Sopranos oder Brotherhood konkurrieren kann oder will. Was den Faktor Unterhaltung angeht, könnte dieses Projekt aber dann doch mit den Großen der Branche mindestens mithalten können. Auch die schauspielerische Besetzung mit Jim Cavaziel (Der schmale Grat, Die Passion Christi), Michael Emerson (Benjamin Linus bei Lost) oder Kevin Chapman (Brotherhood, Rescue Me, Sons of Anarchy, Mystic River) trüben die Erwartungen in keinster Weise. Für wen die Tiefe eines David Simon (Homicide, The Wire, The Corner, Generation Kill, Treme) nicht eine absolute Voraussetzung für vollkommenes Fernsehvergnügen sein muss, kann die Vorfreude auf einen vielleicht neuen Meilenstein auf den Spuren von Lost u.ä. Serien in den kommenden zwei Wochen bis zum Start der Serie auskosten.

This is how they do it on Treme

The Wire Prequels

HBO hat drei Prequels zu „The Wire“ veröffentlicht, schade, dass sie sie so kurz sind, aber lohnen tut es sich trotzdem.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Omar kommt! Schon früh weiß der kleine Little, wen man ausrauben sollte und wie man sich durchsetzt.

Prop Joe hat das Prinzip des Business schon früh verstanden.

Californication

Californication ist eine Serie, welche sich schwer auf einen Punkt bringen lässt. So wirkt die Serie auf eine Art und Weise wie ein salonfähig gestalteter Softporno, auf der anderen Seite aber wie das Poträt eines im gleichgeschaltenden Hollywoods scheiternden Schriftstellers und liebenden Vaters. Die Serie wandelt immer wieder auf diesem schmalen Grad, indem es den Hauptprotagonisten (David Duchovny, Natascha McElhone, Madeleine Martin) dennoch immer wieder gelingt die Seriosität dieser Show trotz aller Sex, Drugs and Rock‘n Roll Attitüde zu erhalten.

In der vierten Staffel gelingt es dem neu eingführten Nebencharakter Eddie Nero (Rob Lowe), der Hank Moody (David Duchovny) in seinem autobiographischen Werk spielen soll, den Kern der Serie auf den Punkt zu bringen. Nachdem Eddie sieht, wie wichtig Hank seine Tochter Becky (Madeleine Martin) ist, stimmt er gegenüber Hank zu den Film machen zu wollen. Hank fragt ihn wieso?

Eddie Nero: „Cause now I know what it is about. And it sure the fuck isn‘t about oneway pussy. It’s about a guy try to keep it together while falling apart. It’s about life, love and sex and the ever looking presence of a rim fucking reaver. It’s about men, husbands, wifes; daughters and fathers […]

Ich würde an dieser Stelle noch Freundschaft hinzufügen, die durch das Verhältnis Hanks zu seinem verschrobenen Agent Runkle (Evan Handler) illustriert wird. Der Wert der Serie zeigt sich schließlich aber immer wieder in der Entwicklung Hanks zu seiner Tochter. Es ist ihr Erwachsenwerden, es ist Hanks Sabotage seines eigenen Lebens, welches ein grundsätzlich herzliches und inniges Verhältnis vor allem zu seiner Tochter immer wieder von Neuem auf die Probe stellt. Es will Hank einfach nicht gelingen sein Leben auf die Reihe zu kriegen, oft hat man auch das Gefühl er wolle dies gar nicht. L.A. ist nicht seine Welt, die Beziehung zur Mutter seiner Tochter (Natascha McElhone) schafft er regelmäßig in Frage zu stellen. Dabei wirkt Hank Moody oft wie ein tolpatschiger Hund, der von einem Desaster ins nächste rutscht, dies durch seine kindlich – rebellische Art in den meisten Fällen aber auch provoziert.

David Duchovny trägt diese Serie; seine Dartellung des trinkenden, drogenkonsumierenden und frauenliebenden Charakters funktioniert sowohl auf der unterhaltenden Ebene, als auch auf der bewegenden Ebene des liebenden und kümmernden Vaters. Das ihn umgebende Schauspielensemble stützt ihn dabei nicht nur, es macht gerade die wertvolle Ebene von Californication überhaupt erst möglich.

Eastbound & Down

Kenny Powers ist ein runtergekommender ehemaliger Baseball Star. Er selbst war und ist dabei sein größter Fan. So kommt es durchaus vor, dass Kenny in seinem Auto einem seiner eigenen weisen Hörbücher lauscht oder im Schulflur seine Umgebung etwas euphorischer sieht als es der Fall ist. Inzwischen ist Kenny nämlich als Sportlehrer angekommen und versucht bei seinem alten High School Schwarm zu landen, welche allerdings mit dem Direktor verlobt ist.

Sieht man sich die erste Folge von „Eastbound & Down“ an, weiß man zunächst nicht, wie ernst es gemeint sein könnte. Ist Kenny wirklich so blöd oder steckt da noch mehr in dem Charakter. Mit erscheinen des großen Meisters in der zweiten Folge wird dann ziemlich schnell klar, dies ist Humor der einfachen Art, dies ist der Humor im Will Ferrell Format.

In der Tat erinnert der Charakter des Kenny Powers an den legendären Ron Burgundy. Wobei die Haare Kenny Powers‘ (und auch Will Ferrells) neue Maßstäbe setzen. Dies gelingt der Serie bei weitem nicht, aber es ist solide Unterhaltung in Schatten des durchgeknallten Will Ferrell. Das die Verantwortlichen der Serie mit Frank the Tank zuvor nicht zusammen gearbeitet haben und Will Ferrell außer einer Gastrolle mit „Eastbound & Down“ nichts weiter zu tun hat, scheint unglaubwürdig, ist aber laut IMDb der Fall.

Rubicon

In einer unscheinbaren New Yorker Seitengasse betritt ein Mann ein Gebäude. Die Kamera über der Tür will nicht in das Bild passen. Der Sicherheitsmann im Eingangsbereich verfestigt die Ahnung, es handelt sich um Regierungsgebäude.

Will Travers ist ein Analytiker für das AmericanPolicyInstitute, seine Aufgabe ist die Daten verschiedener amerikanischer Geheimdienste zu analysieren und zu interpretieren. Es ist Geheimdienstarbeit am Schreibtisch, die in ihrer anfänglichen Subtilität nicht von ungefähr an Sidney Pollaks „Die drei Tage des Condors“ erinnert.

Was wäre aber eine Agentengeschichte ohne die große Verschwörung im Hintergrund, also stösst Will Travers (James Badge Dale, bekannt aus „The Pacific“) auf ein Schema in Kreuzworträtseln verschiedener amerikanischer Zeitungen. Auffällige Schemata zu erkennen und zu deuten ist sein Beruf, daher teilt er dies seinem Vorgesetzten mit, was seinem Vorgesetzten und Freund David Hadas das Leben kostet. Es wird eine Ereigniskette in Gang gesetzt in der Will Travers klassischer Weise nicht mehr weiß, wem er überhaupt trauen kann.

Insbesondere Arliss Howard in der Rolle des Kale Ingram versteht es auf authentische Weise den Typ des ruhigen, zwielichtigen Geheimdienstlers darzustellen und seinen Charakter im Laufe der ersten Staffel gelungen weiter zu entwickeln.

So ist auch Michael Cristofer als Truxton Spangler, dem Travers und Ingram in der Struktur des API unterstehen, eine eindrucksvolle Figur als eine Art Wolf im Schafspelz.

AMC (Breaking Bad / Mad Men) ist es gelungen eine Agenten-Serie zu kreieren, die in ihrer Einfachheit überzeugt. Es werden keine Überwachungen an exotischen Orten mit Explosionen und Schießereien gezeigt. Die Arbeit spielt sich eben in einem New Yorker Bürogebäude ab, in dem mehrere Teams versuchen Bedrohungsszenarien zu verifizieren. Dabei werden Fotos analysiert, Personen versucht zu indentifizieren und Reiserouten in ihrer möglichen Bedeutung versucht zu interpretieren. So ist es schließlich auch möglich die Verantwortung einer solchen Arbeit zu thematisieren indem in einem Fall Travers‘ Team ein Ziel im Nahen Osten einstufen muss und ein Zweifel ihrer Einschätzung bestehen bleibt.

Die Klasse der Serie wird primär durch die gelungenen Charaktere erreicht, der Plot der Verschwörung wird klassisch aufgebaut und zum Staffelende hinreichend aufgelöst, so dass die (hoffentlich kommende) zweite Staffel mit den individuellen und strukturellen Konsequenzen der Verschwörung beschäftigt bleiben. „Rubicon“ ist gute Unterhaltung in subtilem Stil, die es schafft Spannung(en) zu entwickeln und sich dabei eine klassische Art zu erhalten.

Boardwalk Empire

Fünf, Vier, Drei, Zwei, Eins ….. Prohibition

So wird dem Anfang der Prohibition entgegengefiebert, nicht als Verbot, sondern als Möglichkeit im Land der Unbegrenzten.

Nun war es so weit, die Premiere von „Boardwalk Empire“ lief vergangenen Sonntag auf HBO.
Der erste Eindruck bleibt positiv. Etwas dreckiger könnte es in den Strassen von Atlantic City aussehen, aber vielleicht ist dies auch gar nicht im Sinne eines stilistisch episch gedachten Werkes. Erstaunlich witzig geht es im Hause Nucky Thompsons (Steve Buscemi) zu, der Butler Thompsons sorgt nicht unpassend für humorvolle Momente.

Sonst folgt „Boardwalk Empire“ den Fußstapfen des Mafia – Genre, die u.a. Martin Scorsese (der auch im Piloten Regie führt und Produzent der Serie ist) selbst in der Kinowelt hinterlassen hat.

Der Cast, das Set und die Atmosphäre erfüllen die Erwartungen an Authentizität und vor allem Steve Buscemi und Michael Pitt als Jimmy Darmody bilden ein vielversprechendes Charakterpaar, eines korrupten Politikers und eines aus dem 1. Weltkrieg zurückgekehrten angehenden Gangsters.

Bisher leider nur mit wenigen Sekunden berücksichtigt, Michael K. Williams (Omar Little), bei dem ich gespannt bin, welche Bedeutung ihm als Schwarzen im Kontext der beginnenden 20er Jahre zukommt. (Hoffentlich nicht als Randfigur)

Freuen wir uns auf elf weitere Episoden in denen um die Vorherrschaft im Alkoholschmuggel gekämpft wird.

DC Universe

Der nun kürzlich erschienene Batman Animation Film „Under the Red Hood“ zeigt einmal mehr, dass die Plattform der Animationsfilme gerade im Bezug auf das Comic Genre geradezu optimale Voraussetzungen bietet. Natürlich hat im Bereich der „Comic Book Adaptations“ Christopher Nolans „The Dark Knight“, aber auch andere Filme, wie „Sin City“ oder „Watchmen“, für eine neue Qualität in der Umsetzung von Comics gesorgt, allerdings bieten Animationsfilme, aufgrund der „technischen“ (nichts ist unmöglich darzustellen) Möglichkeiten, die passenderen Voraussetzungen und binden meist größere Teile des DC Universums ein (also nicht nur Superman + Batman, sondern z.B. auch den Flash, Green Lantern, Green Arrow, den Martian Manhunter, Hawkgirl uvm.)

Insbesondere in der Serie „Justce League (Unlimited)“ wird der Kampf zwischen Gut und Böse comic-relevant umgesetzt. In dieser Art der Umsetzung sind vorrangig die außergewöhnlichen und übernatürlichen Kämpfe im Fokus, doch gelingt es „Justice League“, sowie auch „The Batman“ oder „Superman“ interessante Plots (z.T. über Mehrteiler oder ganze Staffeln) aufzubauen. Die Charakterentwicklung gelingt allerdings nicht zuletzt aufgrund des „menschlichen Antlitzes“ den Realverfilmungen besser.

Neben diesen Serien sind in den vergangenen Jahren mehrere zum Teil sehr gute Animationsfilme herausgebracht worden. Vor allem die beiden Justice League Filme „The New Frontier“ und „Crisis on Two Earths“ konnten überzeugen. Hinter den meisten dieser DC Produktionen steckt Bruce W. Timm, der mit dem zu Beginn genannten „Batman Under the Red Hood“ vielleicht nochmal eine Steigerung initiieren konnte, denn so düster und auch brutal kannte man die Filme zuvor nicht. So erinnert der Joker doch ein wenig an die Interpretation Heath Ledgers, was mir persönlich sehr gut gefällt, da ich der klassischen Jokervariante noch nie so viel abgewinnen konnte.

Wer also etwas mit dem Comic Genre anfangen kann, sollte sich die Animationsfilme nicht entgehen lassen, in diesem Jahr folgt nach „Crisis on Two Earths“ und „Under the Red Hood“ noch ein weiterer Animationsfilm, „Superman/Batman: Apocalypse“ (28 September 2010), dessen Trailer ebenfalls vielversprechend aussieht.

Boardwalk Empire

Am 19. September könnte eine neue Ära in Sachen Mafia Fernsehen beginnen.

Boardwalk Empire bündelt die Erfahrung aus Kino und Fernsehen gepaart mit exzellenten Darstellern.

Die Serie ist zur Zeit der Prohibition angesiedelt und der aktuellster Trailer lässt Vorschusslorbeeren lockerleicht aus der Pistole schiessen.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Serie nicht nur von Martin Scorsese (Goodfellas, Casino) entwickelt wurde, sondern mit Terence Winter auch ein Mitverantwortlicher der „Sopranos“ die Hände am Steuer dieses episch anmutenden Werkes hat. Mit Allen Coulter (Regisseur) und Steve Kornacki (Autor) sind zwei weitere Personen mit Sopranos – Erfahrung dabei.

Der Cast verspricht darüber hinaus, die Vorstellungen der genannten Kreativabteilung umsetzen zu können; hier sind neben Steve Buscemi, Michael Pitt (Funny Games) und Stephen Graham (This is England) zu nennen. Hinzu kommen verschiedene Schauspieler, die ebenfalls ihre Erfahrungen bereits im Cast von den Sopranos sammeln konnten. (Vincent Piazza, Aleksa Palladino und Max Casella) Nicht verschwiegen werden darf das Mitwirken von Michael K. Williams aka Omar Little, der in The Wire bereits gezeigt hat zu welchen fantastischen Charakterdarbietungen er fähig ist.

Ein solches Gesamtpaket führt zwar zu extrem hohen Erwartungen, doch wie schon im Falle „Treme“ bin ich überzeugt davon, dass „Boardwalk Empire“ diesen standhalten kann.

Louie

„Louie“, eine neue Serie des Senders FX. In der Serie geht es um einen Stand – Up Comedian, dem außerhalb seiner Show nicht immer zum Lachen ist. Es sind zwar Louie’s Auftritte als Stand Up in jede Folge inbegriffen, so dass sich ein rein struktureller Vergleich zu „Seinfeld“ aufdrängt, aber Louie ist schließlich doch bissiger, geradezu zynischer und an einer Stelle der zweiten Folge gar wertvoll. So lässt sich nach den ersten beiden Folgen eher der Vergleich zu „Curb your Enthusiasm“ herstellen, von der Machart, zum Teil vom (Umgang mit dem) Hauptcharakter, aber Louie hat das Potential seinen eigenen Stil zu entfalten.

Louie wirkt ein wenig, wie der hässliche, unberühmte Bruder von Larry David, der das Leben zwangsweise ernster nehmen muss. Louies Dateversuch der ersten Folge löst Fremdscham und Mitgefühl in horrendem Maße aus, die Pokerrunde der zweiten Folge mit einem Schwerpunkt auf dem Thema Homosexualität und Homophobie funktioniert hingegen auf einem außergewöhnlich gutem und seriösem Niveau.

Sollte die Serie diesen Stil(mix) weiterführen oder sogar ausbauen, könnte „Louie“ neue Fußstapfen im Bereich der Comedy hinterlassen.

In Search of Crimes past; Homicide S03E17

Eine der für mich nachhaltigen Episoden der Serie „Homicide: Life on the Street“.

In dieser Episode steht eine Hinrichtung unmittelbar bevor. Die Tochter des Hinzurichtenden nimmt einen hohen Police Officer (Col. George Barnfather – Clayton LeBouef; Wendell ‚Orlando‘ Blocker aus „The Wire“) als Geisel um die Hinrichtung ihres Vaters, von dessen Unschuld sie überzeugt ist, zu verhindern.

Det. Stanley Bolander, von einem seiner Kollegen, Det. Meldrick Lewis (Clark Johnson, der City Editor Augustus ‚Gus‘ Haynes aus „The Wire“) nur ‚The Big Man‘ genannt, war der Primary Detective in dem 16 Jahre zurückliegenden Fall.

„The Big Man“, welcher nach einem Kopfschuss erst vor kurzem wieder Dienst schiebt, ist ein zwar alter, aber engagierter und durchweg guter „Homicide Detective“.

Mit dem Hintergrund des Geiselszenarios rollt Bolander seinen alten Fall wieder auf um zu schauen, ob er irgendetwas übersehen hat.

Lewis hingegen wird zu einem Tatort gerufen, welcher sich als Selbstmord herausstellt.

Die Wendung in dieser Folge ergibt sich schließlich aus der Motivation des Selbstmordes, in einem Abschiedsbrief gesteht der Selbstmörder einen Mann namens Peter Larsson ermordet zu haben. In dem Mordfall zu Peter Larsson hatte Det. Bolander allerdings den in dieser Nacht Hinzurichtenden ermittelt.

Bolander und Lewis stoppen daraufhin die Hinrichtung, doch endet die Homicide Episode an dieser Stelle nicht mit der Aussetzung der Hinrichtung, sowie der Befreiung der Geisel, sondern dreht sich in der Psyche von Bolander weiter.

Bolander versteht einfach nicht warum der Name des Selbstmörders nie während seiner damaligen Ermittlungen auftauchte, diesen Umstand nicht einmal eine Ahnung bezüglich des wahren Täters gehabt zu haben lässt Bolander nicht mehr los. „Was hat er nur falsch gemacht, alles deutete doch klar auf den Hinzurichtenden.“

So veruchen Bolander und Lewis diese fehlende Verbindung zwischen dem (Selbst)Mörder und seinem damaligen Opfer, Peter Larsson herzustellen, letztenendes landen sie bei einem Barkeeper, welcher schließlich doch mit der Information rausrückt, dass Larsson eine Affäre mit der Frau des Selbstmörders hatte. Warum der Barkeeper Bolander diese Information nicht schon 16 Jahre zuvor preisgab, der Detective habe ja nicht gefragt.

Zum Ende der Episiode sitzt Bolander mit einer Flasche Whiskey an der Bar seiner Kollegen Munch und Lewis und kann sich seinen Fehler nicht verzeihen, da aufgrund seiner unvollständigen Ermittlungen beinahe ein unschuldiger Mensch getötet worden wäre, da er die falschen Fragen gestellt hatte. Lewis versucht ihn zu beruhigen, schließlich wäre es ja nur beinahe passiert.

Daraufhin stellt Bolander die Frage; „How many Times, have I not asked the right Question?

Nicht nur weil der beschriebene Handlungsstrang der Folge nicht der Einzige ist (zwei weitere Detectives ermitteln in einem anderen Mordfall) wirkt die Kritik der Folge an der Todesstrafe subtil, fast beiläufig, deswegen allerdings keineswegs weniger intensiv. Die Zeichnung des sympathischen und kompetenten Detectives Bolander, der eben einfach Fehler machen kann, weil diese niemals alle zu vermeiden sind, trägt vor allem zu der Atmosphäre dieser Episode bei. Es ist unmöglich die Schuld jedes Todeskanditaten zweifelsfrei festzustellen, „Homicide: Life on the Street“ gelingt es diese Erkenntnis durch die Darstellung der Arbeit eines Homicide Detectives eindrucksvoll und doch ohne die direkte Art des erhobenen Zeigefingers zu vermitteln.

In einer fantastischen Serie eine außergewöhnlich Folge:
In Search of Crimes past. Staffel 3 Episode 17.

Was Generation Kill qualifiziert und The Pacific disqualifiziert

Führt man sich die Ausgangssituation beider Mini Serien vor Augen, stellt man fest, dass sich Voraussetzungen durchaus ähnlich gestalten.
Beide gründen sich auf Erzählungen real existierender Personen (GK: Rolling Stone Reporter: Evan Wright ; Pacific: verschiedene Soldaten des 2. WK) und behandeln das Thema intervenierender Marines, dies sicherlich in zwei völlig verschiedenen Zeitperioden.

Trotz dieser ähnlichen Voraussetzungen sind zwei völlig verschiedene Produkte entstanden, insbesondere in puncto Qualität.

Wie bereits „Band of Brothers“ zeigte, zeichnet sich ein gutes (Anti-) Kriegsdrama durch Realismus und Authentizität aus. Schafft es „The Pacific“ zwar im Bereich der Darstellung der Grausamkeiten des Pazifik – Krieges noch seinen Anspruch zu erfüllen, gelingt es der Mini – Serie bezüglich der Charaktere im Sinne ihrer Funktion als Soldat, sowie als Menschen fast gar nicht. Bis auf wenige Ausnahmen transportiert „The Pacific“ die Komplexität seiner Charaktere ungenügend gegenüber dem Zuschauer, dies führt so weit, dass dem Zuschauer über zwei bis drei Charaktere hinaus gar niemand bekannt ist und die 2 ½ Hauptcharaktere nicht in der Lage sind Sympathie oder Antipathie zu binden.

Die diffus dargestellten Kriegsszenen der Mini – Serie können nur die Funktion haben, das Geschehen als chaotisch und unkontrolliert wirken zu lassen. Mag dies das Ziel gewesen, gelingt dies in keinster Weise, dem Zuschauer ist fast nie bewusst was das eigentliche Ziel der Soldaten an den Kriegsschauplätzen ist. (Ausnahme das Airfield auf Guadalcanal, sonst hat man das Gefühl es werden wahllos Berge auf Inseln angegriffen)

Da der Zuschauer darüber hinaus ohne Kenntnisse der militärischen Hierarchie gelassen wird, (Dienstgrade der Charaktere bleiben größtenteils unbekannt) wirken die militärischen Operationen der Marines im Pazifik geradezu anarchisch strukturiert. Sollte dies damals der Fall gewesen sein, hätte dies thematisiert werden müssen, da der Zuschauer ohne eine solche Kenntnis der Verhältnisse das Chaos auf dem Bildschirm nicht einordnen kann.

So stellt sich während der zehnteiligen Serie immer wieder die Frage, was passiert eigentlich – und wem passiert dies.

Generation Kill hingegen begleitet eine Einheit (bzw. eine Humvee – Besatzung), der ein Reporter des Rolling Stones zugeordnet ist, bei ihrer Invasion 2003 in den Irak. Da die Geschehnisse der Mini – Serie fast ausschließlich aus der Perspektive einer Handvoll Soldaten gezeigt wird und diese Soldaten als Persönlichkeiten im Handlungsrahmen aufgebaut werden, gelingt es „Generation Kill“ eine Vertrautheit zwischen Hauptcharakteren und Zuschauer herzustellen.

Was die Serie auszeichnet ist, dass über diese Vertrautheit und den Aufbau der einzelnen Persönlichkeiten, die Möglichkeit geschaffen wird über die Entwicklung der Charaktere eine subtile Aussage (vielleicht Wertung) bezüglich militärischer Situation und Verhaltens untereinander, aber auch der Einstellung zu der Invasion und sukzessiv gegenüber den irakischen Zivilisten widerzuspiegeln.

Hier wird ein elementarer Unterschied zu „The Pacific“ deutlich, denn „The Pacific“ gelingt es eben nicht eine stringente Charakterentwicklung zu etablieren. Dies ist allerdings eine Voraussetzung gerade bei einer mehrteiligen Mini – Serie, da diese die zeitlichen Möglichkeiten im Gegensatz zu einem Film bietet. Der Zuschauer hat bei „Generation Kill“ relativ schnell das Gefühl zumindest die relevanten Hauptcharaktere zu kennen und damit die Möglichkeit sich mit ihnen zu identifizieren oder eben auch nicht. „The Pacific“ wiederum bietet diesen Ansatz nicht, die wenigen Charaktere die überhaupt eine Präsenz bekommen, verschwinden ohne eine hinreichende Erklärung aus dem Plot (Robert Leckie) oder tauchen an verschiedenen Stellen auf (Eugene B. Sledge), so ist es dem Zuschauer bis zum Ende unklar welcher Charakter welcher Einheit zuzuordnen ist, man hat gar das Gefühl, dass in diesem Krieg die militärische Unterteilung in Einheiten (Bataillon, Platoon etc.) aufgehoben war und hat somit niemals einen Überblick wie in „Band of Brothers“. (Airborne, Easy Company + die verschiedenen Züge).

So verstört auch „Generation Kill“ zu Beginn mit der Befehlsresistenz einzelner Soldaten und wirft dadurch Fragen auf. Doch thematisiert „Generation Kill“ diesen Umstand eben zu einem geeigneten Zeitpunkt.

Es bleibt schlussendlich zu sagen, dass „The Pacific“ kein adäquater Nachfolger von „Band of Brothers“ im qualitativen Sinne ist. Das die Verantwortlichen „Band of Brothers“ nicht einfach kopieren wollten, also etwas Neues machen wollten, sei ihnen zugestanden und war auch als Einziges sinnvoll. Doch sind sie mit diesem Vorhaben gescheitert, da nur anhand von wenigen Szenen (z.B. Lazarett Szene 4. Folge) ein relevantes Kriegsdrama geschaffen werden konnte.

Fazit: Wer ein gutes (Anti-) Kriegsdrama sehen möchte und ein solches mit gut geschriebenen Charakteren verbindet, sollte auf „Generation Kill“ zurückgreifen. Hier wird es geschafft, einen authentischen Blick auf eine Marine Einheit im Irak – Krieg zu vermitteln und dies inklusive einer psychologischen Ebene die eine solche Produktion wertvoll macht.

30 Rock

Dr. Leo Spaceman: I don‘t know how to say this. – Di abe tes?

Tracy: Diabetes! How bad is Diabetes, really?

Dr. Leo Spaceman: Quiet serious, if left untreated, you can lose a foot.

Tracy: Could i replace it with a wheel, like Rosie from the Jetsons?

Dr. Leo Spaceman: I suppose. But then you have to register as a motorvehicle.

oder

Liz Lemon: Even Mrs. Doubtfire shimself couldn‘t pull this up.

Solche Dialoge war man zuvor nur von Familiy Guy gewohnt, doch 30 Rock schafft es den absurden Humor in eine Real-Life Comedy Serie zu transferieren. Hinzu kommen auch noch die völlig überdrehte Charakterzeichnungen, die vor allem in Tracy Jordan (l.a.) und Kenneth Parcel (r.a.) ihre Höhepunkte finden.

Nicht unerwähnt darf Alec Baldwin bleiben, der seinem Charakter „Jack Donaghy“ zwar durchaus die größte Seriösität verleiht, dies aber in der Welt von 30 Rock nicht viel zu bedeuten hat. Die Witze sind flach, die „Rück(Seiten)blenden“ sinnlos (ähnlich Family Guy) und das Konzept einfach nur verrückt. Der Stand-Up Comedian Tina Fey, bekannt aus Saturday Night Live (insbesondere durch ihre Sarah Palin Parodien), ist es gelungen eine Serie zu kreieren, die keinen Vergleich zu scheuen braucht, weil nichts Vergleichbares in diesem Genre existiert. Auch wenn kontroverse Themen immer mal wieder angeschnitten werden, verarbeitet 30 Rock diese doch auf die eigene, unkonventionelle Art und Weise, anhand derer zwar die liberale Positionierung der Serienautoren zu erahnen ist, ein erhobener Zeigefinger allerdings weit und breit nicht zu sehen ist.

Wer also das Bedürfnis nach kurzweiligen (20 min. Folgen), unterhaltsam absurden Fernsehentertainment hat, ist bei 30 Rock an der richtigen Adresse.

Treme

„Treme“

Treme

Der 78 minütige Pilot der David Simon Serie ist ausgestrahlt und zeigt, dass die gespannten Erwartungen nicht zu hoch gesteckt waren.

Die Serie ist zeitlich drei Monate nach Katrina angesiedelt, also in eine Zeit in der sich New Orleans im zögerlichen Status des Wiederaufbaus befindet. Treme, ein Stadtteil von New Orleans, der von der Katastrophe direkt heimgesucht wurde bildet den Mittelpunkt der Hauptcharaktere. Die einen sind während des Hurricanes geblieben, andere kommen in ihre zerstörten Häuser zurück. Der Eindruck der hierbei vermittelt wird, scheint so gar nicht in das „Land der Möglichkeiten“ zu passen, sondern könnte eher aus einem dritte Weltland in Südamerika stammen.

Zerstörte Häuser und Strassenzüge, kaum bis keine Wasserversorgung in einigen Gebieten.

So wirkt aber nicht nur die zerstörte Infrastruktur atypisch für Amerika, denn die Kultur von New Orleans vermittelt ebenfalls den Eindruck einer geradezu, wie eine Enklave wirkende Teil der amerikanischen Kultur. Insbesondere wird das Hauptaugenmerk auf die musikalische Kultur New Orleans‘ gelegt. In der ersten Szene zieht eine kleinere Menschenmasse mit verschiedenen Blasinstrumenten erstmals wieder durch die Strassen von New Orleans. Die dabei gezeigte Lebensfreude scheint die katastrophale Situation in der sich die Stadt befindet fast vergessen zu machen.

Dieser kulturelle Sonderstatus den New Orleans inne zu haben scheint, wird wohl eines der Hauptthemen sein, den „Treme“ vermitteln will und dies gelingt der Serie bereits im Piloten außergewöhnlich gut.

Ein anderes Thema wird wohl neben der persönlichen Verarbeitung der Katastrophe, die Aufarbeitung der Verantwortung bezüglich des Ausmaßes der Katastrophe sein. So wird neben natürlichen Auswirkungen des Hurricanes, das menschliche Versagen thematisiert. Der von John Goodman gespielte Charakter versucht immer wieder die Öffentlichkeit für das verantwortungslose Handeln seitens verschiedenster staatlicher Stellen zu sensibilisieren und eine Aufmerksamkeit bezüglich der mangelnden Vorkehrungen vor Katrina zu schaffen.

Der Cast, bekannt aus den vergangenen Produktionen David Simons (Homicide, The Corner, The Wire), erfüllt ebenfalls die an ihn gesetzten Erwartungen und vermag es die Lebensart des Big Easy zu transportieren und gleichzeitig die frustrierte Situation der Bürger von New Orleans zu illustrieren.

Die Vorfreude auf die Serie hat sich also als berechtigt herausgestellt und es ist jetzt schon schade, dass die Serie in neun weiteren Folgen bereits in die erste Staffel Pause gehen wird. Bis dahin versorgt HBO den Zuschauer wiederum erneut mit dem wöchentlichen Genuss einer außergewöhnlichen Fernsehproduktion. Sicherlich sollte diese Euphorie unter dem Vorbehalt stehen, dass es sich erst um die 1. Episode handelt, doch kann ich mir nicht vorstellen, dass „Treme“ nicht hält was es verspricht.