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Person of Interest

Am Horizont des Unterhaltungsfernsehens braut sich etwas zusammen und die Beteiligten versprechen außergewöhlichen Serienkonsum. Jonathan Nolan (Prestige, The Dark Knight), Bruder von Christopher Nolan und Schöpfer der Memento zu Grunde liegenden Kurzgeschichte, die seinem Bruder den Durchbruch ermöglichte, hat seinen Weg in die TV-Landschaft gefunden. Vergegenwärtigt man sich, dass die besten Werke Christopher Nolans auf die geschriebene Mittäterschaft seines jüngeren Bruders zurück zu führen sind, dann kann man nur gespannt sein auf die ersten Schritte Jonathan Nolans als Creator der neuen Serie „Person of Interest“ (Premiere 22.09.2011 auf CBS).

So ist es dann auch kein geringerer als J.J. Abrams (Alias, Lost), der mit all seiner Serienerfahrung als ausführender Produzent diesem Projekt bei Seite steht. Es ist von „Person of Interest“ sicherlich keine Revolution der Serienlandschaft zu erwarten, die irgendwie mit The Wire, den Sopranos oder Brotherhood konkurrieren kann oder will. Was den Faktor Unterhaltung angeht, könnte dieses Projekt aber dann doch mit den Großen der Branche mindestens mithalten können. Auch die schauspielerische Besetzung mit Jim Cavaziel (Der schmale Grat, Die Passion Christi), Michael Emerson (Benjamin Linus bei Lost) oder Kevin Chapman (Brotherhood, Rescue Me, Sons of Anarchy, Mystic River) trüben die Erwartungen in keinster Weise. Für wen die Tiefe eines David Simon (Homicide, The Wire, The Corner, Generation Kill, Treme) nicht eine absolute Voraussetzung für vollkommenes Fernsehvergnügen sein muss, kann die Vorfreude auf einen vielleicht neuen Meilenstein auf den Spuren von Lost u.ä. Serien in den kommenden zwei Wochen bis zum Start der Serie auskosten.

Wenn Fernsehen zur Politik wird

David Simon, ehemaliger Journalist und Polizeireporter für die Baltimore Sun ist nicht nur „der Gründer“ für eine neue Qualität gesellschafts- und systemkritischen Fernsehens (Homicide, The Wire, Treme, Generation Kill, The Corner), sondern auch ein Vertreter kritischen Politikengagements.

So outete sich jüngst der Generalbundesanwalt der USA Eric Holder als Fan von „The Wire“ und forderte David Simon und Ed Burns auf die Serie fortzusetzen oder einen Film zu produzieren.

Do another season of ‘The Wire,’” Holder said. “That’s actually at a minimum… If you don’t do a season, do a movie,” he continued. “I want another season or I want a movie. I have a lot of power Mr. Burns and Mr. Simon.”

http://dailycaller.com/2011/06/10/wire-co-creator-to-holder-reconsider-drug-war/

Dabei könnte man vermuten, dass Holder die Aussage „The Wires“ irgendwie mißverstanden hat, so ist „The Wire“ eine kritische Dimension des „War on Drugs“ immanent. („Greggs: Winning the war on drugs, one brutality case at a time. Carver : This isn‘t a war. Wars end.“; in „The Wire“). In der dritten Staffel kreiert „The Wire“ unter der Federführung Major Colvins Hamsterdam, eine Zone legalisierten Drogenverkaufes als Reaktion der von oben kommenden politischen Weisungen. David Simon greift mit „The Wire“ immer wieder die US-Drogenpolitik an und zeigt auf, dass diese Politik viel mehr eine fadenscheinige Symptombekämpfung ist (Statistiken als Zielvorstellungen polizeilicher Arbeit), als eine Bekämpfung der Ursachen für Drogenhandel oder Konsum.

Vor diesem Hintergrund wird die Antwort Simons auf die Anfrage Holds geradezu erwartungsgemäß, doch glänzt sie doch mit einer erfrischenden Direktheit gegenüber der „nettgemeinten“ Anfrage des Generalbundesanwaltes.

The Attorney-General’s kind remarks are noted and appreciated,“ he wrote. „I‘ve spoken to Ed Burns and we are prepared to go to work on season six of The Wire if the Department of Justice is equally ready to reconsider and address its continuing prosecution of our misguided, destructive and dehumanising drug prohibition.“

Simon further claimed that the government’s current anti-drug policies are „nothing more or less than a war on our underclass“.“

http://www.digitalspy.co.uk/ustv/news/a323351/the-wire-creator-hits-out-at-attorney-general.html

Es ist schade, dass „The Wire“ ein Ende haben musste, welches ganz nebenbei eines der zufriedenstellensten Enden in der Serienlandschaft war, doch ist es eben auch ein abgeschlossenes Gesellschaftsepos, was keiner Veränderung oder Erweiterung mehr bedarf, so gerne man auch wieder die Strassen von Baltimore durch die Brille von David Simon betrachten würde.

Die 83. Acadamy Awards

Die Acadamy Awards 2011 sind vergeben. Überraschungen gab es im Grunde genommen nicht, durchaus könnte man leider sagen, Filme wie Winter’s Bone, Blue Valantine und irgendwie auch Black Swan sind leer ausgegangen (Ausnahme wie erwartet Natalie Portman), auf der anderen Seite hätten Überraschungen für mich auch bedeuten können, dass The Social Network über ein angemessenes Maß hinaus mit Oscars verschenkt hätte werden können. So hat es für den meiner Meinung nach völlig überbewerteten Film zwar für immerhin drei Oscars gereicht, gerade für bestes adaptiertes Drehbuch ist dies anhand vor allem der flachen Charakterzeichnung nicht nachzuvollziehen; an dieser Stelle wäre ein Oscar für einen Film wie Winter’s Bone ein Zeichen für die Filmemacher ab von Geld und Lobby gewesen. Auch Best Editing hätte ich lieber bei einem Film wie Black Swan gesehen, als bei The Social Network. Darren Aronofsky bleibt leider nichts anderes übrig als sich für seine Hauptdarstellerin zu freuen, aber man muss auch klar sagen, dass der Gewinner des Abends The King’s Speech (Bester Film, Beste Regie- Tom Hooper, Bestes Original Screenplay – David Seidler, Best Actor in a Leading Role – Colin Firth), dies wahrscheinlich auch zu Recht ist.

The King’s Speech ist ein Film, der einen zwischen Atemlosigkeit; von einem Lächeln weiter zum Lachen bis hin zum Kloß im Hals mitleben lässt und mit Colin Firth (King George VI.) und Geoffrey Rush (Lionel Logue) zwei Schauspieler bietet, die einer geschehenen Geschichte die elementare Menschlichkeit verleihen, die diesen Film ein Stück besonders macht. Da Geoffrey Rush von der Acadamy bereits ausgezeichnet wurde (1996 – Shine), lässt sich der Vorzug von Christian Bale nachvollziehen, der in der Rolle des Dicky Eklund wirklich überzeugen konnte und seine erste Nominierung damit auch zu Recht krönen konnte. Da auch die beste weibliche Nebenrolle an The Fighter bzw. an Melissa Leo (Frozen River, Homicide, Treme) ging, ist die Acadamy gegenüber einem grundsoliden Film mit partiell herausragenden Schauspielleistungen wie The Fighter durchaus gerecht geworden.

Alles in allem lässt sich sagen, dass die diesjährigen Oscars den nominierten Protagonisten im Großen und Ganzen gerecht geworden sind, auch wenn sich an der einen oder anderen Stelle ein wenig mehr Mut gut gemacht hätte und der Acadamy auch in Zukunft besser stehen würde. Dies gilt auch für die Nominierungen, dass Filme wie The Road oder Mr. Nobody, aufgrund von Releases (kurz nach den letztjährigen Oscars) oder vielleicht auch der eher bescheideneren Einspielergebnisse gar nicht berücksichtigt wurden, ist mehr als schade.

Keinerlei Worte oder Gedenken bezüglich der Revolten und ihrer Toten in u.a. Tunesien, Libyen und Ägypten von den in der Vergangenheit doch so überzeugten und engagierten Bush/Irak etc. Kritikern Hollywoods unterstrich den Dekadenz- und Präsentationscharakter der Veranstaltung.

The Oscar should go to…

So nun sind die diesjährigen Nominierungen für die Acadamy Awards raus.

Nominiert für „Best Motion Picture of the Year“


127 Hours (2010): Christian Colson, Danny Boyle, John Smithson

Black Swan (2010): Mike Medavoy, Brian Oliver, Scott Franklin

The Fighter (2010): David Hoberman, Todd Lieberman, Mark Wahlberg

Inception (2010): Christopher Nolan, Emma Thomas

The Kids Are All Right (2010): Gary Gilbert, Jeffrey Levy-Hinte, Celine Rattray

The King’s Speech (2010): Iain Canning, Emile Sherman, Gareth Unwin

The Social Network (2010): Scott Rudin, Dana Brunetti, Michael De Luca, Ceán Chaffin

Toy Story 3 (2010): Darla K. Anderson

True Grit (2010): Ethan Coen, Joel Coen, Scott Rudin

Winter’s Bone (2010): Anne Rosellini, Alix Madigan

Legt man die Golden Globes zu Grunde ist hier sicherlich „The Social Network“ der große Favorit. Der Film von David Fincher hat allerdings meiner Einschätzung nach keinen weiteren Preis verdient, da der Film ohne den Hype rund um Facebook keine Relevanz oder größere Tiefe aufweisen kann, denn es wird nur beschrieben wie der Gründer von Facebook einen Rockstarartigen Aufstieg im Mantel eines trivialen Plots hinter sich bringt. Hätte der Film es geschafft die soziale bzw. gesellschaftliche Bedeutung des Mediums Facebook aus welcher Sicht auch immer zu diskutieren, hätte dies durchaus ein gehaltvoller Film werden können, dies scheint allerdings niemals die Absicht der Verantwortlichen gewesen zu sein.

So ist auch Inception, sicherlich ein optisches Meisterwerk, bezüglich seiner tiefergehenden Qualität kein wirklicher Kandidat für diesen Oscar. Meine Favoriten wären hier Darren Aronofskys „Black Swan“, der in Sachen Atmosphäre sicherlich herausragend war im vergangenen Kinojahr. „True Grit“ von den Coen Brüdern hat sicherlich nicht die Wirkung wie z.B. „No Country for old Men“, doch kann der Film die Tradition des Western Genres durchaus fortführen. Auch „The Fighter“ ist sicherlich kein „Raging Bull“, ihm gelingt es allerdings über die Darstellung des Aufstiegs Micky Ward’s hinaus ein Milieu zu beschreiben, was dem Film neben den großartigen schauspielerischen Leistungen eine notwendige Tiefe verleiht.

Meine Favoriten wären daher „Black Swan“ oder „The Fighter“, wobei ich mich darüber hinaus für „True Grit“ trotzdem freuen würde.

Update: Winter’s Bone rückt nach meiner nun erfolgten Sichtung in meinen persönlichen Favoritenkreis, ich rechne dem Film allerdings leider keine realen Erfolgschancen aus.

Nominiert für „Best Performance by an Actor in a Leading Role“

Javier Bardem for Biutiful (2010)

Jeff Bridges for True Grit (2010)

Jesse Eisenberg for The Social Network (2010)

Colin Firth for The King’s Speech (2010)

James Franco for 127 Hours (2010)

„The King’s Speech“ habe ich noch nicht gesehen, gestehe ihm allerdings durchaus anhand von Kritiken und bisherigen Awards ungesehen erstmal seine Qualität zu, der Golden Globe Gewinn Colin Firth’s rückt ihn sicherlich nach ganz oben im Favoritenkreis. Jesse Eisenberg hat es vielleicht geschafft einen zweifelhaften Charakter darzustellen, doch steht diese Leistungen maximal in der Tradition des Oscargewinnes von Denzel Washington für „Training Day“. Jeff Bridges Perfomance als heruntergekommender Marshall in „True Grit“ hingegen bietet eine durchweg ansprechende Schauspielleistung, doch wird er nach „Crazy Heart“ wohl kaum das zweite Jahr hintereinander dafür belohnt werden. Leider war es mir noch nicht vergönnt Alejandro González Iñárritu’s „Biutiful“ zu sehen, doch bin ich nach der Sondierung der Kritiken von einer erneuten außergewöhnlichen Leistung Javier Bardems überzeugt.

Ich sehe Bardem und Firth in dieser Kategorie als die beiden großen und einzigen Favoriten.

Nominiert für „Best Performance by an Actress in a Leading Role“

Annette Bening for The Kids Are All Right (2010)

Nicole Kidman for Rabbit Hole (2010)

Jennifer Lawrence for Winter’s Bone (2010)

Natalie Portman for Black Swan (2010)

Michelle Williams for Blue Valentine (2010)

Das Natalie Portman für ihre Rolle der Nina in Black Swan einen Oscar bekommt steht für mich außer Zweifel. Als Geheimfavoriten sehe ich vielleicht noch Michelle Williams für ihre Rolle in „Blue Valantine“ doch bin ich mir ziemlich sicher, dass kein Weg an Portmans erstem Oscargewinn vorbei geht.

Update: Während ich dem Film „Winter’s Bone“ keine Chancen ausrechne, glaube ich, dass Jennifer Lawrence vielleicht Aussenseiterchancen hat. Doch der Hype bezüglich Black Swans Portman ist so groß, dass jede andere als handfeste Überraschung gelten würde.

Nominiert für „Best Performance by an Actor in a Supporting Role“


Christian Bale for The Fighter (2010)

John Hawkes for Winter’s Bone (2010)

Jeremy Renner for The Town – Stadt ohne Gnade (2010)

Mark Ruffalo for The Kids Are All Right (2010)

Geoffrey Rush for The King’s Speech (2010)

Gleiches gilt auch für Christian Bale und seine Rolle des Dicky Eklund in „The Fighter“. Hier könnte vielleicht noch der immer überzeugende Geoffrey Rush für seine Rolle in „The King’s Speech“ eine Konkurrenz darstellen.

Nominiert für „Best Performance by an Actress in a Supporting Role“


Amy Adams for The Fighter (2010)

Helena Bonham Carter for The King’s Speech (2010)

Melissa Leo for The Fighter (2010)

Hailee Steinfeld for True Grit (2010)

Jacki Weaver for Animal Kingdom (2010)

In dieser Kategorie sehe ich ebenfalls eine Protagonistin von „The Fighter“ als die große Favoritin. Melissa Leo ist nicht nur durch ihren Triumph bei den Golden Globes eine heiße Kandidatin. So überzeugte sie bisher eher in Fernsehcharakteren (Homicide, Treme), doch bietet sie in der Rolle der Mutter der beiden Halbbrüder Micky und Dicky eine herausragende Schauspielleistung. Allerdings könnte ich mir auch eine Überraschung durch Hailee Steinfield vorstellen, die in „True Grit“ den Film zusammen mit Jeff Bridges prägt und trägt.

Nominiert für „Best Achievement in Directing“


Darren Aronofsky for Black Swan (2010)

Ethan Coen, Joel Coen for True Grit (2010)

David Fincher for The Social Network (2010)

Tom Hooper for The King’s Speech (2010)

David O. Russell for The Fighter (2010)

Ich fürchte das David Fincher für seinen vielleicht schlechtesten Film seinen ersten Oscar erhält, dies wäre schließlich nicht das erste mal siehe Martin Scorsese für „The Departed“, hoffe aber inständig das dies nicht passieren wird. Verdient hätte es allerdings Darron Aronofsky für „Black Swan“, der mit diesem Film an seine bisherigen Leistungen mit „Requiem for a Dream“, „The Fountain“ oder „The Wrestler“ anknüpfen kann, auch wenn es ihm nicht gelang seine bisherigen Filme zu übertreffen. Für David O. Russel (Three Kings) als quasi Newcomer in dieser Kategorie wird es glaube ich nicht reichen und die Coen Brüder (bereits 4 Oscars, Fargo & No Country for old Men) stehen irgendwie außer Konkurrenz, ihre Qualität könnte vielleicht mit einem erneuten Screenplay Oscar gekrönt werden, in dieser Kategorie rechnen ich ihnen allerdings eher geringe Chancen aus.

Aufgrund von Überlänge belasse ich es bei den bisherigen Kategorien, die gesamten Acadamy Award Nominierungen sind hier zu finden. Ich bin gespannt auf die Acadamy Awards am 27. Februar und erwarte leider den einen oder anderen Fehltritt der Jury, aber vielleicht wird nach dem letzten Jahr (The Hurt Locker, zumindest nicht Avatar) doch eines besseren belehrt.

The Fighter

„Luck is what happens, when preperation meets opportunity“ *Irish Thunder: The Hard Life & Times of Micky Ward

„Irish“ Micky Ward, gespielt von Mark Wahlberg ist ein Boxer aus dem überschaubaren Lowell, Massachusetts. Zeit seines Lebes steht er im Schatten seines älteren Halbbruders Dicky Eklund (Christian Bale). Dicky hatte einst seinen großen Kampf gegen Sugar Ray Leonard, indem er den großen Sugar Ray sogar auf dem Boden hatte. Die glorreichen Zeiten Dicky’s sind allerdings vorbei, seine heutigen Aufgaben bestehen darin, seine Termine als Trainer seines Bruders nicht allzu unpünktlich wahrzunehmen und seine Cracksucht vor seiner Mutter (Melissa Leo; u.a. bekannt aus den David Simon Produktionen: Homicide und Treme) zu verbergen. Dass er gleichzeitig an der HBO Doku: High on Crack Street: Lost Lives in Lowell mitwirkt, zeigt welchen Überblick Dicky in seinem Leben noch hat. Die Geschichte von „The Fighter“ dreht sich nun um die Entwicklung Micky Ward’s, der trotz widrigster Umstände seine Karriere als Profi – Boxer vorran zu bringen versucht, wozu in erster Linie die Hemmnisse seiner eigenen Familie überwunden werden müssen, dessen White Trash Kontext von der Mutter über den Bruder zu den Schwestern nicht zu leugnen ist.

Vor allem Christian Bale gelingt es in der Rolle des Dicky Eklund einmal mehr zu überzeugen. Nach Rollen wie in „The Dark Knight“ oder „Public Enemies“ bietet ihm der Charakter des Dicky Eklund endlich wieder eine Plattform seine schauspielerisches Potential in seiner ganzen Physis und Tiefe zu nutzen. Ebenfalls herausstellen muss man Melissa Leo, welche in der Rolle der Mutter von Dicky und Micky ihre bisherigen Charaktere vergessen lässt und es ihr gelingt die egoistische White Trash Mutter in einer grausam widerlichen Authentizität auf die Leinwand zu bringen. Dies gelingt der „Gang“ der Schwestern der beiden Brüder im Übrigen vielleicht sogar noch besser.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Bale und Leo für ihre Nebenrollen für den Golden Globe nominiert wurden. Auch dass Amy Adams als Freundin Micky Ward’s in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin Drama“ in Konkurrenz zu Melissa Leo tritt ist nachvollziehbar, die Nominierung Mark Wahlbergs hingegen nicht unbedingt. Er scheint innerhalb des Schauspielensembles von „The Fighter“ immer etwas blasser. Doch vielleicht ist dies auch am Ende der Unterschied zwischen den Golden Globe – Gewinnern und Nominierten, denn schlecht spielt Mark Wahlberg sicherlich nicht, aber eben auch nicht so herausragend, wie in aller erster Linie Christian Bale, der bei den bestehenden Konkurrenten (Jeremy Renner; The Town, Michael Douglas; Wall Street, Andrew Garfield; The Social Network – Ausnahme vielleicht: Geoffrey Rush für The King’s Speech) seine erste Golden Globe Nominierung auch gleich in eine Trophäe umsetzen sollte.

Alles in allem ist „The Fighter“ ein guter Box-Film, der gerade durch die schauspielerischen Leistungen überzeugt, trotz den inhaltlichen Parallelen (zwei Brüder, wahre Geschichte, große Boxer) gelingt es ihm allerdings nicht an ein Meisterwerk, wie Scorseses „Raging Bull“ heranzureichen, welcher den Maßstab aber auch höher kaum setzen konnte.

Hier noch der Link zur HBO Doku: High on Crack Street: Lost Lives in Lowell.

In Search of Crimes past; Homicide S03E17

Eine der für mich nachhaltigen Episoden der Serie „Homicide: Life on the Street“.

In dieser Episode steht eine Hinrichtung unmittelbar bevor. Die Tochter des Hinzurichtenden nimmt einen hohen Police Officer (Col. George Barnfather – Clayton LeBouef; Wendell ‚Orlando‘ Blocker aus „The Wire“) als Geisel um die Hinrichtung ihres Vaters, von dessen Unschuld sie überzeugt ist, zu verhindern.

Det. Stanley Bolander, von einem seiner Kollegen, Det. Meldrick Lewis (Clark Johnson, der City Editor Augustus ‚Gus‘ Haynes aus „The Wire“) nur ‚The Big Man‘ genannt, war der Primary Detective in dem 16 Jahre zurückliegenden Fall.

„The Big Man“, welcher nach einem Kopfschuss erst vor kurzem wieder Dienst schiebt, ist ein zwar alter, aber engagierter und durchweg guter „Homicide Detective“.

Mit dem Hintergrund des Geiselszenarios rollt Bolander seinen alten Fall wieder auf um zu schauen, ob er irgendetwas übersehen hat.

Lewis hingegen wird zu einem Tatort gerufen, welcher sich als Selbstmord herausstellt.

Die Wendung in dieser Folge ergibt sich schließlich aus der Motivation des Selbstmordes, in einem Abschiedsbrief gesteht der Selbstmörder einen Mann namens Peter Larsson ermordet zu haben. In dem Mordfall zu Peter Larsson hatte Det. Bolander allerdings den in dieser Nacht Hinzurichtenden ermittelt.

Bolander und Lewis stoppen daraufhin die Hinrichtung, doch endet die Homicide Episode an dieser Stelle nicht mit der Aussetzung der Hinrichtung, sowie der Befreiung der Geisel, sondern dreht sich in der Psyche von Bolander weiter.

Bolander versteht einfach nicht warum der Name des Selbstmörders nie während seiner damaligen Ermittlungen auftauchte, diesen Umstand nicht einmal eine Ahnung bezüglich des wahren Täters gehabt zu haben lässt Bolander nicht mehr los. „Was hat er nur falsch gemacht, alles deutete doch klar auf den Hinzurichtenden.“

So veruchen Bolander und Lewis diese fehlende Verbindung zwischen dem (Selbst)Mörder und seinem damaligen Opfer, Peter Larsson herzustellen, letztenendes landen sie bei einem Barkeeper, welcher schließlich doch mit der Information rausrückt, dass Larsson eine Affäre mit der Frau des Selbstmörders hatte. Warum der Barkeeper Bolander diese Information nicht schon 16 Jahre zuvor preisgab, der Detective habe ja nicht gefragt.

Zum Ende der Episiode sitzt Bolander mit einer Flasche Whiskey an der Bar seiner Kollegen Munch und Lewis und kann sich seinen Fehler nicht verzeihen, da aufgrund seiner unvollständigen Ermittlungen beinahe ein unschuldiger Mensch getötet worden wäre, da er die falschen Fragen gestellt hatte. Lewis versucht ihn zu beruhigen, schließlich wäre es ja nur beinahe passiert.

Daraufhin stellt Bolander die Frage; „How many Times, have I not asked the right Question?

Nicht nur weil der beschriebene Handlungsstrang der Folge nicht der Einzige ist (zwei weitere Detectives ermitteln in einem anderen Mordfall) wirkt die Kritik der Folge an der Todesstrafe subtil, fast beiläufig, deswegen allerdings keineswegs weniger intensiv. Die Zeichnung des sympathischen und kompetenten Detectives Bolander, der eben einfach Fehler machen kann, weil diese niemals alle zu vermeiden sind, trägt vor allem zu der Atmosphäre dieser Episode bei. Es ist unmöglich die Schuld jedes Todeskanditaten zweifelsfrei festzustellen, „Homicide: Life on the Street“ gelingt es diese Erkenntnis durch die Darstellung der Arbeit eines Homicide Detectives eindrucksvoll und doch ohne die direkte Art des erhobenen Zeigefingers zu vermitteln.

In einer fantastischen Serie eine außergewöhnlich Folge:
In Search of Crimes past. Staffel 3 Episode 17.

Treme

„Treme“

Treme

Der 78 minütige Pilot der David Simon Serie ist ausgestrahlt und zeigt, dass die gespannten Erwartungen nicht zu hoch gesteckt waren.

Die Serie ist zeitlich drei Monate nach Katrina angesiedelt, also in eine Zeit in der sich New Orleans im zögerlichen Status des Wiederaufbaus befindet. Treme, ein Stadtteil von New Orleans, der von der Katastrophe direkt heimgesucht wurde bildet den Mittelpunkt der Hauptcharaktere. Die einen sind während des Hurricanes geblieben, andere kommen in ihre zerstörten Häuser zurück. Der Eindruck der hierbei vermittelt wird, scheint so gar nicht in das „Land der Möglichkeiten“ zu passen, sondern könnte eher aus einem dritte Weltland in Südamerika stammen.

Zerstörte Häuser und Strassenzüge, kaum bis keine Wasserversorgung in einigen Gebieten.

So wirkt aber nicht nur die zerstörte Infrastruktur atypisch für Amerika, denn die Kultur von New Orleans vermittelt ebenfalls den Eindruck einer geradezu, wie eine Enklave wirkende Teil der amerikanischen Kultur. Insbesondere wird das Hauptaugenmerk auf die musikalische Kultur New Orleans‘ gelegt. In der ersten Szene zieht eine kleinere Menschenmasse mit verschiedenen Blasinstrumenten erstmals wieder durch die Strassen von New Orleans. Die dabei gezeigte Lebensfreude scheint die katastrophale Situation in der sich die Stadt befindet fast vergessen zu machen.

Dieser kulturelle Sonderstatus den New Orleans inne zu haben scheint, wird wohl eines der Hauptthemen sein, den „Treme“ vermitteln will und dies gelingt der Serie bereits im Piloten außergewöhnlich gut.

Ein anderes Thema wird wohl neben der persönlichen Verarbeitung der Katastrophe, die Aufarbeitung der Verantwortung bezüglich des Ausmaßes der Katastrophe sein. So wird neben natürlichen Auswirkungen des Hurricanes, das menschliche Versagen thematisiert. Der von John Goodman gespielte Charakter versucht immer wieder die Öffentlichkeit für das verantwortungslose Handeln seitens verschiedenster staatlicher Stellen zu sensibilisieren und eine Aufmerksamkeit bezüglich der mangelnden Vorkehrungen vor Katrina zu schaffen.

Der Cast, bekannt aus den vergangenen Produktionen David Simons (Homicide, The Corner, The Wire), erfüllt ebenfalls die an ihn gesetzten Erwartungen und vermag es die Lebensart des Big Easy zu transportieren und gleichzeitig die frustrierte Situation der Bürger von New Orleans zu illustrieren.

Die Vorfreude auf die Serie hat sich also als berechtigt herausgestellt und es ist jetzt schon schade, dass die Serie in neun weiteren Folgen bereits in die erste Staffel Pause gehen wird. Bis dahin versorgt HBO den Zuschauer wiederum erneut mit dem wöchentlichen Genuss einer außergewöhnlichen Fernsehproduktion. Sicherlich sollte diese Euphorie unter dem Vorbehalt stehen, dass es sich erst um die 1. Episode handelt, doch kann ich mir nicht vorstellen, dass „Treme“ nicht hält was es verspricht.

Homicide: Life on the Street

Homicide ist wie der Name schon sagt eine Serie über eine Mordkommission.

Die Serie ist indirekt das Erstlingswerk David Simons (The Wire, The Corner, Generation Kill), da es auf seinem Buch „Homicide: A Year on the Killing Streets“ basiert. Dieses Buch beruht auf Simons Arbeit als Polizeireporter für die Baltimore Sun. So spielt auch diese Serie, wie „The Wire“ in Baltimore. Sie lief von 1993 bis 1999 und umfasst 7 Staffeln, sowie einen Film als Serienfinale.

In der dritten Staffel angekommen überzeugt Homicide in puncto Detailtreue und Authentizität (vor allem bezüglich der Emotionen des regulären und nicht regulären Casts, wie z.B. Robin Williams in S02E01), aber auch in Erzählweise und Charakterdarstellung. Gerade über die verschiedenen Charaktere werden immer wieder verschiedenste Problematiken, wie Rassismus, Sexismus und auch polizeiinterne Mißstände thematisiert. (Der folgenden Szene vorrausgehend hat sich ein Mord ausgehend von einem Polizisten ereignet, der Verdächtige der verhört wird, war Zeuge und hat nun Angst gegen den Polizisten auszusagen – Der verhörende Polizist Frank Pembleton (Andre Braugher) wollte in Richtung Polizei ermitteln, was ihm aber untersagt wurde)

Die Folgen sind weitestgehend abgeschlossen, in den meisten Episoden werden ein oder auch zwei Mordfälle dargestellt. Es gibt auch Fälle die sich über mehrere Episoden ziehen, sind aber bis zu Beginn der dritten Staffel eher die Ausnahme. Kontinuität erzielt Homicide vor allem über die Entwicklung der einzelnen Charaktere, bei denen man ähnlich wie bei „The Wire“ keine klaren Hauptcharaktere ausmachen kann, am ehesten noch den oben zu sehenden Frank Pempleton, aber auch ein Charakter wie (John) Munch, der immer wieder für amüsante Dialogsituationen sorgt, soll nicht unterschlagen werden.

„Homicide: Life on the Street“ ist sowohl Unterhaltung als auch Charakter- bzw. Gesellschaftsstudie, anhand der einzelnen Mordfälle werden immer wieder (manchmal aber auch nicht) die Probleme bezüglich sozialer, gesellschaftliche Brennpunkte aufgezeigt. Homicide ist eine Serie, die in ihrer Machart sehr schlicht und einfach gehalten ist und sich dadurch auf ihre wesentlichen Aussagen konzentrieren kann.

Fazit: Wer „The Wire“ mochte, wird „Homicide“ lieben.
Auch wenn man sich in beide Serien reinsehen muss.

Treme

„Treme“ ist ein Serie, die in New Orleans spielt und zeitlich drei Monate nach der Katastrophe durch den Hurricane Katrina angesiedelt ist.

Verantwortlicher für diese HBO Serie ist David Simon, der für Qualtitätsfernsehen wie Homicide: Life on the Streets, The Wire, aber auch Mini Series wie Generation Kill oder The Corner steht.

Vergegenwärtigt man sich Simon’s Anspruch an Reflektion auf Gesellschaft, sowie der Kritik an amerikanischen Strukturen, kann man bei dem gegebenen Setting von „Treme“ auf anspruchsvolles und unterhaltsames Fernsehen gespannt sein.

Der Cast, der mit alten Weggefährten_innen Simon’s, wie Khandi Alexander (Denise Francine ‚Fran‘ Boyd aus „The Corner“), Clarke Peters (Lester Freamon aus „The Wire“, Fat Curt aus „The Corner“) und Wendell Pierce (The Bunk aus „The Wire“) aufwarten kann, bietet mit John Goodman aber auch einen Schauspieler, der einem breiteren Publikum bekannt sein sollte und verspricht Fernsehen auf außergewöhnlichem Niveau.

Die Serie beginnt am 11. April und man kann nur hoffen, dass HBO der eigene Anspruch wichtiger ist als Einschaltquoten, so dass „Treme“ die gleiche Geduld und Zeit gegeben wird, wie es bei „The Wire“ der Fall war.